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Der Jetstream und die Flut

Großfeuer in Russland und Flutkatastrophe in Pakistan stehen nach Expertenmeinung in Zusammenhang. Meteorologen warnen vor einer Zunahme von Starkwetterereignissen als Folge des Klimawandels.

Aus Berlin Martin Sieber

Starkregen in Pakistan und Waldbrände in Russland könnten in Zusammenhang stehen – meinen Meteorologen. Durch die Großfeuer in Russland blockierte und fehlgeleitete Luftströmungen sowie Wetteranomalie "La Niña" werden als Ursache für den lang anhaltenden und üppigen Regen in Pakistan vermutet.

Lange Regenzeiten in tropischen Regionen sind normaler Bestandteil des globalen Wettergeschehens. Die sogenannten Monsune sind im asiatischen Raum besonders stark ausgeprägt und werden von den heißen Passatwinden hervorgerufen. Doch der Monsun in Pakistan, Indien und im Himalaya ist dieses Jahr so intensiv ausgefallen, weil tausende Kilometer weiter nordwestlich in Russland die Brände toben, begünstigt durch eine lange Hitzeperiode. Die Luft über den Feuern ist aufgeheizt und steigt hoch. Sie bildet quasi eine stehende Luftsäule.

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Flutopfer in Pakistan auf dem Mittelstreifen der Schnellstraße vor Peshawar nach Islamabad (Foto: Thomas Lohnes/diakonie-katastrophenhilfe.de)

Auf diese Luftsäule traf nun ein Jetstream -  Luftströmungen, die sich in etwa zehn Kilometer Höhe um die Erde ziehen. Sie sind wetterbestimmend und schlängeln sich in einer Art Zickzack um den Globus. Durch die Waldbrände in Russland wurde eine solche Strömung abgelenkt und strömte auf Umwegen ins nördliche Pakistan. Im Normalfall würden die Monsunregen nach Westen weiterziehen und so den Regen in andere Gebiete transportieren. Der abgelenkte Luftstrom hinderte jedoch den Weiterzug des Monsun. Durch dieses sogenannte Blocking bildete sich eine stabile Wetterlage. Sie führte dazu, dass es an dieser Stelle lang und ausgiebig regnete.

Im Juli fiel im Norden Pakistans und in Westindien etwa das drei- bis zehnfache des sonst in der Region üblichen Regens. Fast 600 Liter pro Quadratmeter, teilte der Deutsche Wetterdienst mit. Eine weitere Wetteranomalie wirkte dabei als verstärkender Faktor: La Niña. Sie ist die kleine Schwester des Wetterjungen El Niño und sorgte dafür, dass unüblich kräftige Winde von Südamerikas Westküste westwärts nach Asien zogen. Sie haben sich mit den Monsunwinden vereinigt und die Wetterlage somit verschlimmert. Im vergangenen Jahr hatte es noch ungewöhnlich wenig in der Region geregnet.

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Beim Wetterphänomen La Niña ist der Ozean kälter als normal (hier Blau eingefärbt). Passatwinde (Trade Winds) befördern kälteres Tiefenwasser an die oberen Zonen des Meeres (Foto: NASA)

Lässt sich bei all den Wetteranomalien ein Zusammenhang mit der Klimaerwärmung feststellen? "Eindeutig kann man das nicht sagen", erklärt Ullrich Cubasch vom Institut für Meteorologie an der Freien Universität Berlin gegenüber Klimaretter.info. Wetter- und Klimaereignisse seien äußerst komplex, da alles voneinander abhänge und sich gegenseitig beeinflussen könne. "Klar ist aber, dass wir im Zuge des Klimawandels häufiger mit Wetterextremen wie Sturm, Starkregen oder Dürre zu rechnen haben", so der Experte. 

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Monsun in Delhi: Jetzt aber schnell unters Dach. (Foto: Reimer)

"Es handelt sich um eine einmalige Abfolge von Ereignissen", teilt die Weltwetterorganisation (WMO) in Genf mit. "Intensität, Dauer und geografische Ausbreitung übertreffen alle bisherigen Wetterereignisse", so die Unterorganisation der UNO.  Allerdings heißt es auch dort:  Wetterextrema und -anomalien wie La Niña werden im Zuge des Klimawandels zunehmen.


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