Greenpeace: Vollversorgung möglich
Greenpeace, das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR) und der Europäische Dachverband der Industrie für Erneuerbare Energien (EREC) haben am Montag das Energiekonzept "Energie Revolution" vorgelegt. Die Neuauflage dieser Studie soll zeigen, dass Erneuerbare Energien zur ausschließlichen Stromversorgung in der Lage sind. Dazu gab es modernste Anwendungen für mobile Telefone.
Aus Berlin MARTIN SIEBER
Dafür haben sich Greenpeace, das Deutsche Luft- und Raumfahrtzentrum DLR und der Dachverband der Industrie für Erneuerbare Energien EREC extra in der Bundespressekonferenz eingemietet. Trotzdem kamen nicht mehr als ein Dutzend Hauptstadt-Journalisten am Montag zur Präsentation des aktualisierten Reports "Energie Revolution". Die Studie zeigt Wege und Möglichkeiten auf, wie der stetig wachsende Hunger nach Energie auch klimaschonend gestillt werden kann. Erarbeitet hat das Konzept das Deutsche Zentrum für Luft und Raumfahrt (DLR).

Heiße Sache in Sevilla, Spanien: Sonnen-Kraftwerk mit 11 Megawatt. (Foto: Greenpeace)
Alles eine Frage des politischen Willens
Während nebenan bei der Sparklausurtagung der Bundesregierung der Rotstift schreibt und schreibt, spricht Christine Lins von EREC davon, wie der Weg zu energetischer Nachhaltigkeit gemeistert werden kann. "Es ist nur eine Frage des politischen Willens, um bis 2050 nahezu 80 Prozent des weltweiten Energiebedarfs und 95 Prozent der Stromversorgung aus erneuerbaren Energien zu erzeugen", sagte sie.
"Die Verlängerung der Laufzeiten für Atom- und Kohlekraftwerke ist eine Wachstumsbremse für die Erneuerbaren", sagte Sven Teske, Energieexperte bei Greenpeace. Mit einer Brückentechnologie habe das nichts zu tun. Investiere man das Geld in die erprobten und leistungsfähigen Erneuerbaren Energien (EE) statt in Atomkraft und Kohleverfeuerung würde die Energiewende umso schneller und sicherer erreicht werden, zeigten die Prognosen.
Anfänglich müsse mit leicht steigenden Kosten für die Energieerzeugung gerechnet werden. Aber bereits nach zehn Jahren könnten sich die Energiekosten auf niedrigerem Niveau einpendeln. Der Grund laut Teske: "Man muss nicht mehr in Brennstoff investieren. Vielmehr kann in Menschen investiert werden."
In Menschen investieren – Nicht in Brennstoff
Gemeint ist damit beispielsweise, dass durch den Ausbau der Erneuerbaren Energien Jobs geschaffen werden. Bereits heute ist von 550.000 Menschen die Rede, die in der EU ihr Einkommen mit EE bestreiten – davon 300.000 in Deutschland. Bis zum Jahr 2030 könnten weltweit mehr als acht Millionen Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen werden, berichtet Lins. Diese Wachstumsraten seien keine Utopie, sondern bereits heute Wirklichkeit und künftig noch steigerbar. Denn längst habe die Industrie erkannt, dass sie sich hier ein Stück vom Zukunftskuchen sichern könne. Wenn Deutschland unter den Besten der Welt im regenerativen Energiemarkt bleiben wolle, müssen jetzt die richtigen Weichen gestellt werden.
Dazu gehöre auch der Ausbau von "integrierten intelligenten Stromnetzen", erklärte Lins. Sie sind eine Voraussetzung für effiziente und ausfallsichere Lieferung von Strom aus EE. Lins verwies auf die Greenpeace-Studie "24/7", die zeigt, dass und wie solche Netze funktionieren. Die neuen Energiequellen werden einbezogen, während gleichzeitig Atom- und Kohlekraftwerke abgeschalten werden.

Jobmotor Windkraft: Ein Mechaniker auf dem Weg zu Wartungsarbeiten. (Foto: Greenpeace)
Mehr Menschen – Mehr Energie – Mehr Kohlendioxid?
Die Energie-Revolution geht von einem Szenario aus, bei dem die Weltbevölkerung im Jahr 2050 auf über neun Milliarden Menschen ansteigt. "Die Weltbevölkerung ist eine wesentliche Treibergröße", meint Thomas Pregger vom DLR. Diese Menschen leben und wirtschaften, was wiederum mit Energieverzehr verbunden ist. Der heutige Trend von 'Mehr Menschen – Mehr Energie – Mehr CO2' muss gebrochen werden. Heute werden weltweit etwa 30 Gigatonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr ausgestoßen. Durch die in der Studie angedachten Maßnahmen könnten sich die jährlichen CO2-Emissionen auf beachtliche vier Gigatonnen reduzieren. Der Zeitpunkt des maximalen CO2-Ausstoßes – der sogenannte CO2-Peak – sollte nach Meinung der Experten nicht nach 2020 liegen. Energieeffizienz ist dabei ein Weg, der konsequent weiterverfolgt werden müsse.
Mit Apps zur Energie Revolution
Neben den vielen hard facts gab es zum Abschluss auch noch eine Software. Technikfreaks können sich eine Applikation auf ihr Handy laden. Die Iphone-App enthält viele der Berechnungsgrundlagen und Ergebnisse der Studie, die dem Nutzer interaktiv präsentiert werden.
Es scheint also möglich. Energie für Alle aus regenerativen Quellen. Und das in naher Zukunft. Da bleibt nur noch zu hoffen, dass die Entscheider der Welt auch ein Iphone besitzen, damit die Information auch bei ihnen ankommt. Denn es mangelt bislang offensichtlich nur am politischen Willen.
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