Hängen Klima und Naturkatastrophen zusammen?
Britische Forscher spekulieren, ob der Klimawandel dazu beiträgt, geologische Katastrophen wie Erdbeben oder Vulkanausbrüche zu befördern. Die Erkenntnisse sind jedoch bislang gering. In Deutschland weiterhin Flugverbot: DLR-Forschungsflugzeug vermisst Größe und Konzentration der Vulkanasche in verschiedenen Flughöhen
Von HANNO BÖCK
Nach Ansicht von Wissenschaftlern besteht Forschungsbedarf bei der Frage, ob der Klimawandel geologische Katastrophen wie Vulkane oder Erdbeben begünstigt. Wie der britische Guardian berichtet, wisse man im Moment zu wenig, um zu beurteilen, ob Ereignisse wie das kürzliche Erdbeben in China oder der Vulkanausbruch in Island mit der globalen Erwärmung zusammenhingen. Es gäbe jedoch einige Anzeichen dafür.

Nur noch 3 Kilometer spuckte der isländische Vulkan am Montag seine Asche in die Atmosphäre. (Foto: Nasa)
In erdgeschichtlichen Phasen mit höheren Temperaturen könne man eine steigende Anzahl an Erdbeben feststellen. Durch den Klimawandel ändern sich viele Einflüsse auf die Erdkruste, wie veränderte Meeresströmungen oder dünnere Eisdecken, daher sei es durchaus plausibel anzunehmen, dass nicht nur Wetterkatastrophen, sondern auch geologische Extremereignisse zunehmen.
"Dies ist ein neuer Bereich wissenschaftlicher Forschung mit möglicherweise interessanten Implikationen", so Richard Betts, Klimawissenschaftler am britischen Met Office Hadley Centre in Exeter, "bisher hat man angenommen, dass es keinerlei Verbindung zwischen dem Klimawandel und derartigen Ereignissen gibt, aber es ist plausibel anzunehmen, dass der Klimawandel dies warscheinlicher macht."
Bill McGuire, Vulkanexperte von der Universität London, ergänzt: "Im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel weisen Studien und Vorhersagen darauf hin, dass die Risiken sich erhöhen, während Beobachtungen darauf hindeuten, dass die steigenden Temperaturen bereits eine gefährliche Antwort der Geosphäre verursachen."
McGuire fordert daher, die Forschung zu intensivieren: "Dem IPCC ist dringend anzuraten, in zukünftigen Publikationen den Einfluss des Klimawandels auf die Geosphäre, sowie die damit verbundenen Auswirkungen, zu berücksichtigen."
Deutsche Flugsicherung verlängert Flugverbot
Unterdessen bestätigten Wissenschaftler auf Island, dass die Asche-Säule die Marke von 3.000 Metern nicht mehr übersteige, also nur noch halb so hoch wie am Anfang sei. "Im Moment hat sich der Ausbruch deutlich abgeschwächt", sagte die Wissenschaftlerin Bryndis Brandsdottir von der Universität von Island gegenüber der Nachrichtenagentur AFP.
Die Deutsche Flugsicherung (DFS) hat das Flugverbot auf deutschen Flughäfen noch einmal verlängert - auf nunmehr bis Dienstagmorgen um 2 Uhr. Der Schweizer Luftraum bleibt nach dortigen Behärdenentscheidungen bis mindestens Dienstag 8 Uhr gesperrt. Österreich dagegen hob das Flugverbot teilweise auf.

Klimawandel als Auslöser für Vulkane? (Foto: United States Geological Survey)
Die Flugverbote sind Forschern zufolge gerechtfertigt: Gefährlich für Flugzeuge sind nach Angaben der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich kleinste Teilchen, so genannte Vulkanaerosole, die durch den isländischen Vulkan ausgespuckt werden. Die in der Aschewolke enthaltenen Teilchen breiten sich in hoher Konzentration vor allem in Europa aus. Davon betroffen sind Turbinenflugzeuge, da diese Aerosole durch die Hitze in den Triebwerken schmelzen und zu Glasablagerungen führen können. Dadurch könne es zu Fehlfunktionen kommen.
DLR startet zu Forschungsflug
Tatsächlich berichtet die Nato von Problemen bei einem Testflug vom Wochenende: Ein Kampfjet vom Typ F-16 sei durch die Vulkanasche beschädigt worden - im mit hoher Temperatur laufenden Triebwerk war aus Aschepartikeln Glas geworden. Ein Testflug der British Airways (BA) über dem gesperrten Luftraum von Großbritannien habe dagegen keine Probleme mit sich gebracht, erklärte der Chef der britischen Airline, Willie Walsh, am Montag.
Eine fünfköpfige Crew des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hat sich am Nachmittag auf einen dreistündigen Forschungsflug gemacht. "Wir wollen die Vulkanwolke nach Höhe, Ausdehnung und Zusammensetzung untersuchen und insbesondere die Größe und Konzentration der Vulkanasche in verschiedenen Flughöhen messen, die sich aus der Lava-Wolke des Vulkans Eyjafjallajökull gebildet haben", fasst Ulrich Schumann, Direktor des DLR-Instituts für Physik der Atmosphäre, das Ziel des Messfluges zusammen. Die Daten sollen dann an den Deutschen Wetterdienst weitergeben werden, der wiederum mit der Deutschen Flugsicherung gemeinsam über das Flugverbot entscheiden wird.
"Flugverbot in der Tropopause" - HIER lesen Sie einen Standpunkt von Michael Müller (SPD) zum Thema.
Was das Flugverbot fürs Klima bedeutet lesen Sie hier: Keine Kondensstreifen, weniger Kohlendioxid
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