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Hitzerekorde ohne Mensch kaum möglich

Nun ist es offiziell: 2016 war laut der US-Behörde NOAA das wärmste Jahr, das jemals gemessen wurde – wie zuvor schon 2014 und 2015. Zu den Ursachen schweigen die staatlichen Meteorologen. Klimawissenschaftler rechnen nun vor, dass die Serie der Hitzerekorde ohne menschlichen Einfluss so unwahrscheinlich wäre wie vom Blitz getroffen zu werden.

Von Verena Kern

Seit die US-Behörde NOAA in dieser Woche ihren Bericht zum "State of the Climate 2016" vorgelegt hat, ist es offiziell: 2016 war das wärmste Jahr seit den ersten Wetteraufzeichnungen 1880. Es übertrifft die bisherigen Rekordjahre 2015 und 2014. Und ist damit nun schon das dritte Rekord-Jahr in Folge.

US-Wissenschaftler stellten das dritte "wärmste Jahr" in Folge fest, indem sie Messungen an 6.300 Orten weltweit auswerteten. (Video: Kathryn Mersmann/​NASA Goddard Institute for Space Studies/​Youtube)

An den Zahlen ist nicht zu rütteln. Anders sieht es aus, wenn nach den Ursachen gefragt wird: Liegt es am Menschen und seiner Nutzung fossiler Brennstoffe, dass die Erde sich erwärmt? Oder handelt es sich bloß um natürliche Klimaschwankungen, wie Klimaskeptiker und Klimawandelleugner behaupten?

Während die staatlichen Meteorologen der NOAA der Frage ausweichen, liefert ein Team von Klimawissenschaftlern nun eine klare Antwort. Ohne menschlichen Einfluss ist es demnach "extrem unwahrscheinlich", dass es zu einer solchen Serie von Hitzerekorden kommt wie in den vergangenen drei Jahren.

Leitautor der Studie ist der US-Klimaforscher Michael Mann. Auch Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gehört zu dem Team. Das 21-seitige Papier mit dem Titel "Record Temperature Streak Bears Anthropogenic Fingerprint" ("Rekord-Temperatur-Serie trägt anthropogenen Fingerabdruck") wurde gerade in den Geophysical Research Letters, dem Fachmagazin der American Geophysical Union, veröffentlicht.

Die Studie beziffert die Wahrscheinlichkeit, dass es ohne menschlichen Einfluss drei Jahre hintereinander zu Rekordtemperaturen kommt, auf lediglich 0,03 Prozent. Das entspricht der statistischen Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch jemals in seinem Leben von einem Blitz getroffen wird.

Rechnet man hingegen den menschlichen Einfluss ein, steigt die Wahrscheinlichkeit auf ein bis drei Prozent für eine Hitze-Serie wie in den Jahren 2014, 2015 und 2016. Das betrifft jeweils die Zeit seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnungen, also seit 1880.

Klimawandel heißt jetzt "Wetterextreme"

Für die Zeit nach 2000 liegt die Wahrscheinlichkeit einer Serie ohne menschlichen Einfluss laut Studie bei 0,7 Prozent. Mit menschlichem Einfluss hingegen bei 30 bis 50 Prozent.

Allein die Erwärmung des Jahres 2016 hätte ohne menschliches Zutun demnach nur eine Chance von eins zu einer Million. Mit menschlichem Einfluss stehen die Chancen hingegen bei eins zu drei.

Das Forscherteam um Michael Mann steht damit nicht allein. Auch der neue klimawissenschaftliche Sonderbericht, an dem Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften der USA und von 13 US-Bundesbehörden mitgewirkt haben und der per Gesetz alle vier Jahre vorgelegt werden muss, nennt es "sehr wahrscheinlich", dass ein Großteil der Erderwärmung auf menschlichen Einfluss zurückzuführen ist.

Verschiedene Entwürfe des Berichts wurden diese Woche von der New York Times und der Washington Post verbreitet. Die Trump-Administration hat den 500-seitigen Report bislang weder bestätigt noch veröffentlicht. Die Aussagen passen nicht zur Agenda des US-Präsidenten, der aus dem Pariser Klimaabkommen aussteigt, eine fossile "Energierevolution" ausgerufen hat und dafür sorgt, dass in den Behörden des Landes das Wort "Klimawandel" durch "Wetterextreme" ersetzt wird.

BildDie Wahrscheinlichkeit, dass ein Mensch jemals in seinem Leben von einem Blitz getroffen wird, ist äußerst gering. Dasselbe gilt für den Klimawandel ohne menschliches Zutun. (Foto: Edward Aspera/​US Air Force/​Wikimedia Commons)

Ohnehin besteht Trumps Kabinett mehrheitlich aus Klimaleugnern. Ihr erklärtes Ziel ist es, den menschlichen Einfluss auf den Klimawandel kleinzureden oder grundsätzlich anzuzweifeln. Gut möglich, dass es dem neuen Klimabericht noch schlechter ergehen wird als seinem Vorläufer aus dem Jahr 2000.

Dieser wurde noch in der Amtszeit von Präsident Bill Clinton erarbeitet. Sein Nachfolger George W. Bush verwarf den Bericht. In nachfolgenden Berichten wurde nicht daraus zitiert, mit der Begründung, die verwendeten Daten seien fehlerhaft.

[Erklärung]  
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