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2016: Klima extrem

2016 war erneut ein Jahr der Negativ-Rekorde, zeigt der aktuelle Klimabericht der US-Behörde NOAA. Seit Messbeginn wurden noch nie so hohe Temperaturen registriert, nie gab es mehr Treibhausgase in der Atmosphäre, nie einen höheren Meeresspiegel. Dass der Mensch dafür Verantwortung trägt, wird in der Ära Trump nicht mehr erwähnt.

Von Verena Kern

300 Seiten stark ist der Bericht, den die US-Behörde NOAA in dieser Woche zum "State of the Climate 2016" vorgelegt hat. Der Report beschreibt den Zustand des Klimas weltweit – und zeigt bei allen wichtigen Indikatoren erneut Negativ-Rekorde.

BildDie Grafik gibt es auch als interaktive Karte. Man kann es nicht übersehen: Überall auf der Welt ist das Klima aus den Fugen. (Grafik: NOAA)

Treibhausgas-Konzentration: Sie stieg 2016 auf einen neuen Rekordwert von 402,9 ppm (parts per million) im Jahresdurchschnitt. Das ist ein Anstieg um 3,5 ppm gegenüber dem Vorjahr. Auch das ist Rekord: So schnell nahm die CO2-Konzentration noch nie innerhalb eines Jahres zu, seit die Messungen vor 58 Jahren begannen.

Globale Mitteltemperatur: 2016 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor 137 Jahren – und übertrifft das bisherige Rekordjahr 2015. Damit wird nun schon das dritte Rekord-Jahr in Folge registriert. Den Anstieg beziffert die NOAA auf 0,45 bis 0,56 Grad Celsius im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Mit der globalen Mitteltemperatur ist die Oberflächentemperatur der Erde einschließlich der Ozeane gemeint.

Oberflächentemperatur der Ozeane: Auch hier ergeben die Messungen Rekordwerte. Gegenüber dem Mittelwert von 1981 bis 2010 stieg die durchschnittliche Temperatur an der Meeresoberfläche um 0,65 bis 0,74 Grad Celsius. Das sind 0,02 bis 0,05 Grad mehr, als noch im Jahr zuvor gemessen wurden.

Meeresspiegel: Die Messungen zeigen einen neuen Höchststand. Der durchschnittliche Meeresspiegel lag 2016 um knapp 8,3 Zentimeter höher als 1993, als die Satellitenmessungen begannen.

Arktis-Eis: Die Ausdehnung des arktischen Meereises erreichte im  letzten Jahr einen neuen Tiefstand. Im März, wenn das Meereis seine maximale Ausdehnung erreicht, wurde 2016 der niedrigste Wert seit Beginn der satellitengestützten Messungen vor 37 Jahren festgestellt. Was das Meereis-Minimum im September betrifft, ergaben die Messungen den zweitniedrigsten Wert. Nur 2007 erreichte die Ausdehnung einen noch geringeren Wert.

Tropische Stürme: Insgesamt 93 tropische Wirbelstürme wurden 2016 gezählt (und mit Namen versehen). Das sind deutlich mehr als die 82 Wirbelstürme im Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. 

Dürren: Laut NOAA-Bericht gab es in jedem Monat des Jahres 2016 auf mindestens zwölf Prozent der globalen Landfläche schwere Dürren. Auch das ist Rekord. Besonders betroffen: der Nordosten Brasiliens, Westbolivien, Peru und Westkanada.

An dem Klimabericht haben 450 Wissenschaftler aus 60 Ländern mitgewirkt. Er gilt als führende jährliche Publikation in Sachen Klima und Klimawandel.

Wetterbehörde darf nicht nach Ursachen fragen

Allerdings fehlt etwas in dem Report. Er listet zwar akribisch und nüchtern alle Negativ-Rekorde auf. Doch die Rolle des Menschen dabei wird nicht erwähnt. In dem Bericht heißt es nur: "Die wichtigsten Treibhausgase, die in die Erdatmosphäre gelangen, stiegen weiter an und erreichten neue Rekordhöchststände." Wodurch diese Gase in die Atmosphäre gelangen und wer dafür verantwortlich ist – das lässt das Papier im Dunkeln.

Damit ist die neue Klimaskepsis der Ära Trump nun definitiv auch bei der wichtigen Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA angekommen. Nicht der Klimawandel selbst wird bei dieser Spielart der Anti-Klimawissenschaft bestritten, wohl aber die Verantwortung des Menschen dafür.

Schon beim diesjährigen Treibhausgas-Index der NOAA, den die US-Behörde im Juli vorlegte, war das so. Die Daten zeigten, dass die 20 wichtigsten Klimagase die Atmosphäre mittlerweile im Rekordtempo aufheizen. Dass der Mensch dafür verantwortlich ist, verschwiegen die staatlichen US-Meteorologen jedoch.

BildUnter Präsident Trump bleiben die Ursachen für die Erderwärmung im Dunkeln. (Foto: NASA/​Wikimedia Commons)

In den Jahren zuvor war das noch ganz anders gewesen. Da hatte die NOAA ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Mensch einen Großteil des Klimawandels verursacht. In den Zeiten von Trump ist das offenbar nicht mehr möglich.

[Erklärung]  
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