USA: Treibhauseffekt jetzt ohne Mensch

Die 20 wichtigsten Klimagase heizen die Atmosphäre mittlerweile in Rekordtempo auf, zeigen neue Daten der NOAA. Dass der Mensch dafür verantwortlich ist, verschweigen die staatlichen US-Meteorologen jedoch, ganz im Gegensatz zu früheren Jahren. Die neue Klimaskepsis der Ära Trump ist damit auch bei der wichtigen Ozean- und Atmosphärenbehörde angekommen.

Von Verena Kern

An den Zahlen ist nichts zu rütteln. Um 40 Prozent hat der Treibhauseffekt durch die wichtigsten Klimagase von 1990 bis 2016 zugenommen, also in nur 26 Jahren. Das ergibt der diesjährige Treibhausgas-Index der NOAA, den die US-Behörde in dieser Woche vorgelegt hat. Doch was die Einordnung der Zahlen betrifft, gibt es Spielraum. Und den nutzt die Wetterbehörde nun auch – und zwar ganz im Sinne von US-Präsident Donald Trump.

BildDie Grafik zeigt den zunehmenden Treibhauseffekt der 20 wichtigsten Klimagase, bezogen auf das Jahr 1750. (Grafik: NOAA)

Anders als in früheren Jahren fehlt in der NOAA-Mitteilung der Hinweis auf die Ursache dafür, dass die Konzentration der Klimagase in der Atmosphäre so stark angestiegen ist – nämlich menschliche Aktivitäten, vor allem das Verbrennen fossiler Energieträger. Die neue Trump-Linie macht sich nun auch bei der für den Klimaschutz so wichtigen Ozean- und Atmosphärenbehörde bemerkbar.

Den "Annual Greenhouse Gas Index" (AGGI) veröffentlicht die US-Behörde seit 2006. Messungen von 80 Observatorien und Schiffen weltweit fließen in den Treibhausgasindex ein. Bei 20 verschiedenen Klimagasen wird die jeweilige Konzentration in der Atmosphäre untersucht.

Die mit Abstand fünf wichtigsten dieser Treibhausgase sind: Kohlendioxid, Methan, Lachgas sowie zwei Fluorkohlenwasserstoffe, die vom Montreal-Protokoll zum Schutz der Ozonschicht erfasst sind. Auf das Konto dieser Fünf gehen 96 Prozent der Erderwärmung seit 1750. Die 15 weiteren Gase, die ebenfalls von AGGI erfasst werden, stehen für nur vier Prozent des Treibhauseffekts seit Beginn der Industrialisierung.

Insgesamt ergibt sich im Index ein Wert von 1,4 für das Jahr 2016 (siehe Grafik oben). Das bedeutet, seit 1750 hat der Treibhauseffekt um 140 Prozent zugelegt – ein extremer Anstieg.

Vor allem das Kohlendioxid trägt dazu bei. Es ist für 54 Prozent des Anstiegs seit 1990 verantwortlich. Die anderen vier Haupt-Klimagase stehen zusammen für 42 Prozent der Zunahme, die 15 weiteren Gase für vier Prozent. Kohlendioxid entsteht vor allem, wenn Kohle, Öl und Gas verbrannt werden.

"Zu kompliziert zu vermitteln"

Der Index versteht sich als Handreichung für Politiker, Bildungseinrichtungen und die Öffentlichkeit. Sie sollen mit Hintergrundinformationen versorgt werden. Der Index soll zeigen, so erklärt es James Butler von der NOAA, "wie es um das Klima der Erde gerade bestellt ist".

Gräbt man tiefer und schaut sich den mit Details überreich gespickten Bericht genauer an, zeigt sich: Es ist nicht gut bestellt um das Klima der Erde. Die Rate, mit der etwa der CO2-Gehalt steigt, hat sich in den letzten drei Dekaden stark erhöht.

In der Zeitspanne von 1979 bis 2016 betrug der jährliche Anstieg beim CO2-Gehalt im Schnitt 1,8 ppm (parts per million). Zwischen 2007 und 2016 waren es schon durchschnittlich 2,2 ppm pro Jahr. Und im Jahr 2016 dann sogar rund 2,9 ppm. Das ist – nach dem Jahr 2015 – die zweitgrößte Steigerung seit 1980.

Doch woran das liegt, dafür fehlen im diesjährigen Index alle Hinweise. Beim AGGI von 2016 war das noch anders. "Menschliche Aktivität hat zum Anstieg des Treibhauseffekts geführt", hieß es da.

BildDie Atmosphäre der Erde, hier aus dem All aufgenommen, ist ein fragiles Gebilde und mittlerweile in keinem guten Zustand mehr. (Foto: NASA/​Wikimedia Commons)

Nun, 2017, heißt es bloß lapidar: "Die Rolle, die Treibhausgase für die globale Temperatur spielen, ist von Wissenschaftlern gut verstanden, doch das Thema ist so kompliziert, dass man es kaum vermitteln kann."

Genau das wäre aber wohl die Aufgabe einer Behörde wie der NOAA.

[Erklärung]  
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