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Dürre beschleunigte Aufstand in Syrien

Vor Beginn der Aufstände litt Syrien jahrelang unter einer schweren Dürre. Die daraufhin einsetzende Massenflucht im Land, die zur Destabilisierung beitrug, hätte aber verhindert werden können, sagt eine Hamburger Friedensforscherin. Doch statt vernünftiger Anpassung beförderte das Regime die Katastrophe weiter.

Aus Berlin Benjamin von Brackel

Vor zehn Jahren, als sich die Weltöffentlichkeit noch kaum für Syrien interessierte, begann in dem Land bereits die Katastrophe. Die folgenden fünf Jahre litt vor allem der Norden unter einer Jahrhundertdürre. Die Felder vertrockneten, das Vieh starb, die Landwirtschaft brach in vielen Landstrichen zusammen. 

BildEin Auslöser für die Aufstände war, dass viele Menschen sich in ihren Dörfern nicht mehr ernähren konnten. Junger Schäfer in Syrien. (Foto: Ed Brambley/Flickr)

Kleinbauern und Viehzüchter, 1,5 Millionen sollen es insgesamt gewesen sein, verließen ihre Dörfer, die oft leer zurückblieben. Sie brachen in den Süden auf, ins Umland von Daraa oder Homs, wo viele fortan in Zelten lebten und in manchen Dörfern die Flüchtlinge die Mehrheit stellten. Auch nach Damaskus gingen viele, wo sich bereits eine Million Flüchtlinge aus dem Irak angesiedelt hatten. Es verschlug sie also gerade in die Gegenden, wo im Jahr 2011 die Aufstände ausbrachen, die dann in einen blutigen Bürgerkrieg mündeten, in dem bis heute knapp eine halbe Million Menschen umgekommen sind.

Mehrere Studien haben im vergangenen Jahr genau diesen Zusammenhang gezogen: zwischen Dürre, Migration und Konfliktbeginn in Syrien. Der Klimawandel, so die Botschaft, ist zunehmend auch ein Sicherheitsproblem. "Das Land hat sich zu einem Vorzeigebeispiel entwickelt", sagt die Friedensforscherin Christiane Fröhlich von der Universität Hamburg. Sie hat sich in den Jahren 2014 und 2015 mehrfach nach Syrien und in die Flüchtlingslager nach Jordanien aufgemacht, um in Gesprächen mit Bauern herauszufinden, was wirklich passiert ist.

"Assad ließ den Norden verarmen"

Ihr Ergebnis: Die Hunderttausenden Flüchtlinge strömten nicht etwa in die Städte, sondern vor allem ins Umland. Auch zeigte sich, dass die Flüchtlinge meist nicht selbst an den Protesten beteiligt waren, sondern sich eher unpolitisch verhielten. "Die vielfach propagierte einfache Kausalität zwischen Dürre, Migration und Konfliktausbruch in Syrien lässt sich so nicht halten", sagt Fröhlich. "Zwar nahm die Binnenmigration tatsächlich während der Dürre zu, doch weder war die Dürre ihr einziger Auslöser, noch waren es die 'Klimamigranten', die die Proteste initiierten."

Zumindest nicht unmittelbar: Klimaexperten wie Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung betonen, dass an den neuen Wohnorten der vielen Flüchtlinge mangels politischer Reaktionen Arbeitslosigkeit, Überfüllung, Infrastrukturmängel und Kriminalität herrschten – die in der Folge zur Unzufriedenheit der Bewohner und damit zur syrischen Revolte beitrugen.

So entscheidend wie die Dürre selbst sei der Umgang mit ihren Folgen gewesen, sagt auch Fröhlich: "Die syrische Regierung hat praktisch nichts unternommen, um die Folgen der Dürre abzumildern." Im Gegenteil: Das Assad-Regime hatte Subventionen gestrichen und die Energiepreise angehoben, nachdem die Einkommen aus dem Ölgeschäft zurückgegangen waren. Als die Dürre kam und vielerorts der Grundwasserspiegel um mehrere Meter sank, zahlte sich das heim. Die Bauern konnten nun das Benzin nicht mehr bezahlen, mit dem sie die Pumpen betrieben, welche das Wasser aus den Brunnen holten.

Im Osten des Landes wiederum rückte wegen massiver Überweidung die Wüste vor. Proteste wegen steigender Lebensmittelpreise, die sich nach dem Vorbild des "Arabischen Frühlings" entwickelten, wurden blutig niedergeschlagen. "Die Regierung hat den Norden verarmen lassen", sagt Fröhlich.

Dürre: ein Faktor zur Destabilisierung

Erst die falsche Politik der Regierung habe Bedingungen geschaffen, unter denen die Dürre in Syrien voll einschlagen und zu dem heutigen Chaos beitragen konnte. Die Botschaft von Fröhlich: Die Klimamigration hätte verhindert werden können – und in deren Folge vielleicht auch die Unruhen. Das zeige das Beispiel Jordaniens, eines der wasserärmsten Staaten, der ebenfalls von der Dürre heimgesucht wurde, aber stabil blieb. "Die effektive Anpassung an die Folgen des Klimawandels ist nur möglich ist, wenn gleichzeitig die sozialen, politischen und ökonomischen Bedingungen einbezogen werden", schlussfolgert Fröhlich.

Zu einem ähnlichen Ergebnis war im vergangenen Jahr eine Studie in der Fachzeitschrift PNAS gekommen, die einen wichtigen Grund für den massiven Einbruch der syrischen Landwirtschaft in einer verfehlten, nicht nachhaltigen Agrarpolitik sieht: Wie Satellitendaten zeigen, wurden die Grundwasservorräte übernutzt, was Syrien dann sehr anfällig in der Dürre machte. Der Fluss Chabur, ein Zufluss des Euphrat, trocknete aus. Später versagte das Regime dann dabei, den von der Dürre betroffenen Menschen zu helfen.

Weltweit nehmen Dürren zu, sagt der Vizepräsident des Deutschen Wetterdienstes Paul Becker. Am Donnerstag stellte er in Berlin eine globale Beobachtung aller Dürren zwischen 1952 und 2013 durch das Weltzentrum für Niederschlagsklimatologie (WZN) vor. Ein weiteres Ergebnis: Die Dürren treten besonders oft dort auf, wo es ausgesprochene Regen- und Trockenzeiten gibt. Vor allem in Afrika, Brasilien, im Mittelmeerraum, an der amerikanischen Pazifikküste und in Indonesien würden sie zunehmen.

BildKein Wasser, nirgends: Syrien litt ab 2005 unter einer bis dahin nicht gekannten jahrelangen Dürreperiode. (Foto: 300td.org/Flickr)

Der Nahe Osten nimmt dabei eine besondere Rolle ein: Er wird in spätestens 25 Jahren von einer dramatischen Wasserkrise betroffen sein, sagte eine Studie des Washingtoner World Resources Institute im vergangenen Jahr voraus. 14 der weltweit 33 am stärksten von Wasserknappheit bedrohten Länder liegen demnach zwischen dem Mittelmeer und dem Indischen Ozean, darunter Israel, Palästina und Saudi-Arabien.

Schuld an der Wasserknappheit sei auch der Klimawandel, vermuten die Studienautoren: In vielen Regionen nähmen die Wetterextreme zu; die Folge seien Dürren und Starkregen mit Überschwemmungen. Hinzu kommen eine wachsende Bevölkerung in vielen Regionen und der damit einhergehende steigende Wasserverbrauch vor allem in der Landwirtschaft.

[Erklärung]  
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