Die kalten Jahre sind vorbei

Klimaforscher haben mithilfe von Computersimulationen erstmals in Zahlen gefasst, dass die heißen Jahre nach der Jahrtausendwende sehr wahrscheinlich durch menschliche Aktivität verursacht wurden. Meteorologen erwarten, dass auch 2016 wieder außergewöhnlich warm wird.

Von Benjamin von Brackel und Susanne Schwarz

Wurde in der Vergangenheit ein neues Rekordwärmejahr bekannt gegeben – wie für 2014 oder kürzlich für 2015 –, zeigte sich immer die gleiche Reaktion der Klimawissenschaftler: Nein, ein einzelnes Jahr könne nichts aussagen über den menschengemachten Klimawandel. Anders als das Wetter, das eben jeden Tag so oder anders ist, ist das Klima eine statistische Größe – das durchschnittliche Wetter über Jahrzehnte.

BildStefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung ist Mitautor einer neuen Studie, die den jüngsten Wärmerekorden eine menschliche Ursache attestiert. (Foto: Verena Kern)

Theoretisch könnten die heißesten Jahre seit Beginn der Wetteraufzeichnungen auch direkt aufeinander folgen. Das Wetter macht, was es will. Und selbst wenn sich das Klima wandelt: Wer, das werfen Klimawandelskeptiker gern ein, kann beweisen, dass der Mensch schuld daran ist?

Nun hat ein internationales Forscherteam genau diese Frage mithilfe von Computersimulationen untersucht und kommt in einer Studie im Fachblatt Nature zu dem Schluss: Mit hoher Wahrscheinlichkeit war der Mensch für die Wärmerekorde der vergangenen Jahre verantwortlich. Die Wahrscheinlichkeit dafür, dass von den 15 wärmsten Jahren seit Messbeginn 13 nach der Jahrtausendwende liegen, sei ohne das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas verschwindend klein: zwischen eins zu 5.000 und eins zu 170.000.

Andersherum zeigte sich, dass die Wahrscheinlichkeit für die Wärmerekorde sehr hoch lag, wenn die Wissenschaftler die Erderwärmung durch den Ausstoß der Treibhausgase infolge menschlicher Tätigkeit miteinbezogen. "Natürliche Klimaschwankungen können die beobachteten Wärmerekorde nicht erklären, aber der menschengemachte Klimawandel kann es", sagte Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), ein Mitautor der Studie. "2015 ist wieder das wärmste je gemessene Jahr, und das kann kaum Zufall sein."

2016 könnte Doppelrekord bringen

"Natürliche Klima-Variabilität lässt Temperaturen über Zeiträume von mehreren Jahren zunehmen und abnehmen, statt dass sie unberechenbar von einem Jahr zum anderen schwanken", sagte Leitautor Michael Mann, Direktor des Earth System Science Center der Pennsylvania State University. "Das macht es schwieriger, die Wahrscheinlichkeit akkurat abzuschätzen, ob einzelne Temperaturrekorde Zufall sein können oder nicht." Da es aber ein großes öffentliches Interesse gebe, habe man die Sache einmal solide durchgerechnet.

Erst in der vergangenen Woche hatte die US-Raumfahrtbehörde Nasa gemeinsam mit der Wetterbehörde NOAA die Temperaturwerte für 2015 bestätigt: Das vergangene Jahr ist das wärmste je gemessene. Es wich um 0,9 Grad Celsius von der Durchschnittstemperatur des 20. Jahrhunderts ab, die bei 14,1 Grad lag. Beim "Titelverteidiger" 2014 waren es "nur" 0,7 Grad.

BildKein Zufall, dass 2015 das wärmste je gemessene Jahr war, sagt ein internationales Forscherteam. (Foto: Pavel Ševela/Wikimedia Commons)

Auch 2016 werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder sehr warm, prognostizierten die US-Wissenschaftler. Ob es 2015 als heißestes Jahr "entthront", lasse sich natürlich noch nicht sagen. Wenn, dann gäbe es mit 2016 einen Doppelrekord: Das Jahr für sich wäre das wärmste, außerdem wäre es das erste Mal, dass drei Jahre nacheinander Hitzerekordjahre sind.

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