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"Fast ein Grad Erderwärmung"

Nun ist es gesichert: 2015 war das wärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. US-Experten sehen die Ursachen sowohl in Wetterphänomenen wie El Niño als auch im menschengemachten Klimawandel.

Von Susanne Schwarz

Das vergangene Jahr ist offiziell das wärmste, das die Menschheit bisher gemessen hat. Die US-Raumfahrtbehörde Nasa stellte am heutigen Mittwoch gemeinsam mit der Wetterbehörde NOAA die nun gesicherten Werte vor. 

BildDerzeit herrscht ein starker El Niño – auch das hat zu den hohen Temperaturen beigetragen. (Foto: Nick Reimer)

"2015 war das bei Weitem wärmste Jahr seit Beginn der Messungen", sagte Gavin Schmidt, Chef des New Yorker Goddard-Raumfahrtinstituts der Nasa. Es wich um 0,9 Grad Celsius von der Durchschnittstemperatur des 20. Jahrhunderts ab, die bei 14,1 Grad lag. "Es ist aber auch unter bisherigen Hitzerekordjahren ein ganz besonderes, weil der Abstand zum 'Titelverteidiger' 2014 enorm ist", so Schmidt. 2014 war "nur" rund 0,7 Grad wärmer als die Vergleichsperiode.

"Es gab zwei Stellen im Atlantik, die tatsächlich 2015 ihr kältestes gemessenes Jahr hatten", sagte NOAA-Chef Thomas R. Karl. "Aber insgesamt ist die Sache klar: Es ist fast überall auf der Erde viel wärmer geworden, im Durchschnitt um fast ein Grad." Nach seinen Messungen seien zehn der zwölf Monate des Jahres – nämlich alle außer Januar und April – hitzemäßige Rekordmonate gewesen. Auch das sei schon wieder ein Extra-Rekord. Nasa-Kollege Schmidt konnte hier allerdings nicht bedenkenlos zustimmen: Seine Messungen würden leicht abweichen, sodass er weniger Rekordmonate zähle, fügte er hinzu.

"2016 wird wieder warm"

An den Temperaturen einiger weniger Jahre sieht man den Klimawandel noch nicht – selbst stärkere Abweichungen vom langjährigen Mittel können Zufall sein. So habe auch der laufende El Niño zu den extremen Temperaturen beigetragen, sagte Schmidt. Es handelt sich um ein Wetterphänomen, bei dem sich riesige Strömungen im Pazifik umkehren. Ein Nebeneffekt: Die globale Temperatur steigt vorübergehend an.

"Aber Anfang 2015 gab es noch gar keinen El Niño und auch da war es schon sehr warm", erklärte Karl. "Anhand unserer Messdaten glaube ich fast, dass 2015 auch ganz ohne den El Niño den Hitzerekord gemacht hätte." Es gebe einen stetigen Zuwachs von Energie im Erdsystem, was sich unter anderem durch die Temperaturen an der Erdoberfläche zeige, , so der NOAA-Chef. "2015 passt in dieses Muster." Noch deutlicher werde das aber, wenn man auch noch die Temperaturen in den Ozeanen einrechne.

Auch 2016 werde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wieder sehr warm. "Wir wissen, woran es liegt: an den CO2-Emissionen der Menschheit – warum sollte der Temperaturanstieg enden?", argumentierte Schmidt. Außerdem fange das Jahr ja noch während des El Niños an und sei deshalb prädestiniert für hohe Temperaturen. Ob es 2015 als heißestes Jahr "entthront", lasse sich natürlich noch nicht sagen. Es wäre das erste Mal, dass drei Jahre nacheinander Hitzerekordjahre sind, ein weiterer Rekord also. "Wenn ich darauf wetten müsste, würde ich mich eher dafür als dagegen entscheiden", scherzte Karl.

BildEs wird heiß: 2015 war in den meisten Teilen der Erde ein Jahr der Temperaturrekorde. (Foto: Thomas Wolter/Pixabay)

Genaue Handlungsanweisungen wollen die beiden nicht geben. "Wir sind Naturwissenschaftler, wir liefern Gesellschaft und Politik Fakten, damit sie Entscheidungen treffen können", sagte Karl. "Die heutigen Fakten zeigen aber, wie schnell man handeln muss, wenn man das 1,5-Grad-Ziel schaffen will: Wir sind fast schon bei einem Grad Erderwärmung."

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