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Klimamodelle im Stresstest

Ein Argument weniger für Klimaskeptiker: Die sogenannte Erwärmungspause ist zufälligen Schwankungen im Klima geschuldet und ändert nichts am langfristigen Trend des menschengemachten Klimawandels. Das zeigt eine neue Studie von britischen Forschern und Wissenschaftlern des Max-Planck-Instituts.

Von Susanne Götze und Jörg Staude

Klimaskeptiker argumentieren gern, dass die Erderwärmung seit der Jahrtausendwende "pausiert". Daraus schließen sie, dass es keinen menschengemachten Klimawandel gebe und die Treibhausgas-Konzentration keine nachweisbare Wirkung auf das Klima insgesamt habe. Klimamodelle würden die Erwärmung grundsätzlich überschätzen, so der Vorwurf an den Weltklimarat IPCC. Diese Einschätzung ist aber "unzutreffend", wie Forscher vom Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg und der britischen Universität Leeds nun mit einer neuen Studie belegen.

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Das Modell "MPI-ESM LR" vom Max-Planck-Institut für Meteorologie macht Voraussagen über die Erwärmung der Erde bis zum Ende des Jahrhunderts. (Foto: MPI für Meteorologie/Deutsches Klimarechenzentrum, DKRZ)

Grund für die Ungenauigkeiten bei den Berechnungen der allein im jüngsten IPCC-Bericht aufgeführten 114 Klimamodelle seien zufällige Schwankungen, die aus "chaotischen Prozessen im Klimasystem" herrührten, schreiben die Wissenschaftler. Die Simulationen könnten diese Schwankungen nicht in ihre Berechnungen einbeziehen und deshalb letztendlich nur den langfristigen Trend an sich darstellen. Daher würden die Berechnungen weder übertreiben noch konzeptionelle Fehler beinhalten, so die Leiter der Studie Jochem Marotzke vom Max-Planck-Institut und Piers M. Forster von der Universität Leeds.

Überprüfung der Klimamodelle

Die Autoren hatten in ihrer Studie Klimasimulationen auf ihre Verlässlichkeit überprüft. Dazu wurden die simulierten Werte zwischen 1900 und 1998 mit den tatsächlichen Beoachtungen verglichen. Die Wissenschaftler fanden heraus, dass die Ursachen für die dennoch bestehenden Abweichungen nicht in den Berechnungen und den je nach Modell variierenden Empfindlichkeiten liegen. Manche Simulationen rechneten mit einer dreimal höheren Empfindlichkeit als andere, so der Brite Piers Forster. Das Fazit: Allein die Zufälle in den "chaotisch" verlaufenden Klimaprozessen können die Ungenauigkeit der Voraussagen erklären.

Dass das Klimasystem chaotisch reagiere, habe immer gegolten, erklärte der andere Leitautor, Jochem Marotzke vom Hamburger Max-Planck-Institut, gegenüber klimaretter.info. Neu an der Arbeit sei aber, dass erstmals das Verhältnis von Zufall und determinierten, also genau bestimmbaren Ursachen untersucht wurde – bezogen auf die in den letzten 15 Jahren beobachtete sogenannte Erwärmungspause. Der Unterschied zwischen den mit den Klimamodellen vorausberechneten Temperaturen und den dann wirklich gemessenen sei etwa zu 70 Prozent vom Zufall und zu etwa 30 Prozent von determinierten Ursachen bestimmt, so Marotzke.

Zufälle ändern nichts am Gesamttrend

Dieses Ergebnis stehe auch nicht im Widerspruch zur bisherigen Auffassung, dass die Ozeane in den letzten Jahren einen Großteil der Wärme absorbiert und so die Erwärmungspause mitverursacht haben, betont der Wissenschaftler. Man könne eben nur nicht sagen, inwieweit die Ozeane die Erwärmung entschleunigt haben oder künftig beschleunigen werden. So geht der Deutsche Wetterdienst davon aus, dass diese Energie später wieder an die Atmosphäre abgegeben wird und so zu einem Wärmezuschuss im Gesamtsystem führen könnte, erklärte Florian Imbery, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst, erst im Dezember gegenüber klimaretter.info.

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Computer im Deutschen Meteorologischen Rechenzentrum (DMRZ): Wetter und Klima zu simulieren ist eine der anspruchvollsten Aufgaben für Mensch und Maschine. (Foto: DWD)

Marotzke erläutert auf Nachfrage, dass dieses Verhältnis von Zufall und genau bestimmbaren Ursachen sich nur auf die letzten 15 Jahre beziehe. Langfristig gesehen nehme die Rolle des Zufalls ab und die determinierten Ursachen bildeten die "überwältigende Mehrheit". "Es gibt gar keinen Zweifel daran, dass sich die Erde bei einen weiteren Anstieg des CO2-Gehalts weiter erwärmen wird", betont der Meteorologe. Deswegen solle sich die Politik von der gefundenen Rolle des Zufalls "nicht ins Bockshorn jagen" lassen, so der Wissenschaftler.

[Erklärung]  
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