Schwerpunkte

G20 | E-Mobilität | Wahl

Warm, wärmer, 2014

Jetzt ist es offiziell: Das vergangene Jahr ist das wärmste seit den ersten Wetteraufzeichnungen. Die US-Bundesbehörden NOAA und Nasa bestätigen mit ihren Daten die Vermutungen vieler Klima- und Wetterforscher. Der Rekord reihe sich in den langfristigen Trend zur Erderwärmung ein, der vor allem auf die Verbrennung fossiler Rohstoffe zurückzuführen sei. 

Von Maximilian Staude und Susanne Götze

Was bereits vermutet wurde, ist nun offiziell bestätigt: 2014 war das wärmste Jahr seit Beginn der globalen Temperaturmessungen vor 134 Jahren. Das verkündeten die US-amerikanische Wetterbehörde NOAA und die Weltraumbehörde Nasa am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz. Mit der Abweichung von 0,68 Grad Celsius gegenüber dem Durchschnittswert im 20. Jahrhundert von 14,1 Grad Celsius setzte das vergangene Jahr einen neuen Höhepunkt im aktuellen Trend immer neuer Temperaturrekorde.

Bild
Die NASA und die NOAA sind sich einig: Die Daten (Grafik vergrößern) zeigen einen klaren Trend zur weltweiten Erwärmung. (Grafik: NASA, NOAA)

Seit 1880 hat sich laut NOAA und Nasa die Durchschnittstemperatur insgesamt um 0,8 Grad erhöht. Damit toppt 2014 noch die Rekordjahre 2005 und 2010 – die Entwicklung gehe seit 20 Jahren ganz klar hin zu einem allgemeinen Temperaturanstieg, so die Forscher der beiden Institute.

"Diese Werte unterstützen den langfristigen Trend und zeigen, dass die Erderwärmung eine der größten Herausforderungen des 21. Jahrhunderts ist", sagte der Nasa-Wissenschafter Michael Freilich"Wir können den Anstieg der Treibhausgasemissionen nicht auf genau dieses Jahr zurückführen", erklärte NOAA-Direktor Thomas R. Karl. "Aber wir können sagen, dass die langfristige Verbrennung fossiler Rohstoffe mit dem langfristigen Anstieg der Temperaturen korreliert", so der Wissenschaftler. 

Die von den beiden Instituten ermittelte höhere Durchschnittstemperatur sei aus den Land- und Meeres-Oberflächenwerten ermittelt worden. In den meisten Monaten erwärmten sich die Landmassen schneller als die Ozeane. Für die Meerestemperatur war schon im November ein Rekord vermutet worden. 

"Die nächsten zehn Jahre werden wärmer als die letzten zehn"

"Dass es weitergeht mit der globalen Erwärmung, war klar zu erwarten", kommentierte Mojib Latif, Leiter des Forschungsbereichs Ozeanzirkulation und Klimadynamik beim Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel (Geomar), die Ergebnisse gegenüber klimaretter.info. Der Trend werde sich fortsetzen, auch wenn nicht jedes Jahr einen neuen Rekord bringen werde: "Die nächsten zehn Jahre werden aber im Mittel wieder wärmer sein als die vorherigen zehn", zeigte sich Latif überzeugt. "Wenn die Würfel gezinkt sind, sind sie gezinkt" – mit diesem Sprichwort illustrierte Latif den Erwärmungstrend, an dem auch eine einzelnes besonders kaltes Jahr nichts ändern könne.

Bild
Der Eisbär ist das Symbol der weltweiten Erwärmung, die nun führende Forscher von NASA und NOAA als entscheidende Herausforderung des 21. Jahrhunderts bezeichnen. (Foto: 
Diggler Photography/flickr)

Dass 2014 global gesehen so warm ausfiel, lag laut den Daten von NOAA und Nasa vor allem an den hohen Temperaturen in Europa, der westlichen Hälfte der USA und afrikanischen Ländern und an Hitzerekorden in Australien und Südamerika. Ein kleiner Überblick: 

Februar 2014: In der Arktis liegt die Ausdehnung des Eises um 5,9 Prozent unter dem Durchschnitt von 1981 bis 2010 – der viertniedrigste Wert seit den Satellitenaufzeichnungen, die 1979 begannen. In Europa liegen die Temperaturen bis zu drei Grad über dem Mittelwert, Norwegen hat seinen zweitwärmsten Februar überhaupt. Argentinien verzeichnet den zweitwärmsten Sommer seit 1961 und in Großbritannien und Australien gibt es so starke Regenfälle wie seit Jahrzehnten nicht mehr.

Mai 2014: Die Nasa spricht vom wärmsten Mai seit den ersten Aufzeichnungen. Die meisten europäischen Länder liegen weit über dem Temperatur-Mittelwert des Monats. Die Eisdecke der Arktis fällt wieder viel zu gering aus. Die Südwest-Staaten der USA leiden unter einer Dürre. Australien und der gesamte afrikanische Kontinent liegen über den Durchschnittstemperaturen.

September 2014: Die Dürre im Südwesten der USA hält weiter an, in Australien werden Temperaturrekorde an vielen Orten gemessen, in England ist es überdurchschnittlich trocken und in Frankreich viel zu warm. Die Eisdecke der Arktis hat 19 Prozent weniger Fläche als sonst zu dieser Jahreszeit.

November 2014: In Europa und Alaska ist es viel zu warm, Australien verzeichnet den wärmsten November seit 105 Jahren und das Arktis-Eis liegt wie das ganze Jahr über weit unter den Ausdehnungswerten.

Bild
Die Forscher sind sich einig, dass vor allem die steigenden Treihausgasemissionen (Grafik vergrößern) für den Erwärmungstrend verantwortlich sind. (Foto: Nasa, NOAA)

Auch der Kälteeinbruch in den USA Ende des Jahres und der nasskalte Sommerausklang in Europa konnten nicht verhindern, dass die Temperaturen global so hoch waren wie noch nie. Erstaunlicherweise hatte selbst der El-Niño-Effekt keinen Einfluss auf die Ergebnisse. Auch weltweit gilt: Dass das El-Niño-Ereignis noch nicht eingetroffen ist, heißt, dass die hohen Temperaturen, die das Jahr 2014 durchweg begleitet haben, nicht auf diese Strömungen zurückgeführt werden können. "Wenn wir ein El-Niño-Jahr bekommen, kann dieses Jahr noch wärmer werden – allerdings hatten wir in den letzten drei Monaten keine Anzeichen dafür", sagte NOAA-Chef Karl. Die veränderten Meeresströmungen treten meist in den letzten drei Monaten des Jahres auf. 

Mit den Temperaturen steigt auch das Meer

Eine besonders gravierende Folge der Erderwärmung ist der fortschreitende Anstieg des Meeresspiegels, da er die Lebensräume von Menschen und anderen Lebensformen existenziell bedroht. Mitte der Woche ging die Studie einer Forschungsgruppe um die US-Geophysikerin Carling Hay durch die Medien, die auf Basis neuer Berechnungsansätze einen langsameren Anstieg des Meeresspiegels im Zeitraum von 1900 bis 1990 feststellt als bisher gedacht. Statt um 1,8 Millimeter sei der Pegel im Schnitt nur um 1,2 Millimeter pro Jahr gestiegen. Im Gegenzug, so die zweite Erkenntnis der Forscher, habe sich jedoch der Anstieg in den letzten 20 Jahren auf im Schnitt drei Millimeter pro Jahr deutlich beschleunigt.

Über die Gründe für diese Entwicklung konnten die Forscher noch nichts sagen. Latif relativierte die Ergebnisse der Hay-Studie: Man könne seit 1900 einen konstanten Anstieg der Meerestemperatur messen. Das Wasser der Ozeane nehme die Wärme auf – ob dieser Prozess einmal über 20 Jahre schneller oder langsamer gehe, sei für den Gesamttrend nicht relevant. 

[Erklärung]  
blog comments powered by Disqus

Anzeige

Anzeige

Kolumnen

Alle Kolumnen lesen
Alle Herausgeber-Interviews lesen