Die "Umlage" steigt

Etwa elf Cent pro Kilowattstunde müssten auf dem Strompreis aufgeschlagen werden, gäbe es eine "Konventionelle-Energien-Umlage", so das Ergebnis einer Studie. Verglichen damit seien die Erneuerbaren schon jetzt billiger. Nur: Die Zusatzkosten der konventionellen Energieproduktion werden vor den Stromkunden versteckt.

Aus Berlin Susanne Schwarz

Die Stromrechnung lügt. Oder besser gesagt: Sie verheimlicht. Im Dunkeln bleiben nicht weniger als elf Cent für jede gelieferte Kilowattstunde, die auf konventionelle Weise erzeugt wurde. Grund sind die "versteckten Kosten" von Kohle, Atom und Erdgas – staatliche Subventionen, Steuervergünstigungen, Kosten für die Endlagerung von Atommüll sowie für Schäden an Umwelt und Klima bei der Verstromung fossiler Energieträger. Auf 40 Milliarden Euro belaufen sich diese Kosten insgesamt für 2015, erklärten das Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) und der Ökostromanbieter Greenpeace Energy heute in Berlin. Sie beziehen sich auf die Ergebnisse einer neuen Studie, die das FÖS im Auftrag der Energiegenossenschaft vorgelegt hat.

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Im Vergleich (Grafik vergrößern): Die Kosten abseits der reinen Stromgewinnung liegen bei der konventionellen Energiewirtschaft höher als bei den Erneuerbaren. (Grafik: Greenpeace Energy)

Die Erneuerbaren wären schon heute günstiger als die konventionellen Energieträger, "wenn die Stromversorger deren Zusatzkosten einpreisen müssten", sagte Swantje Küchler, Expertin für Energiepolitik beim FÖS und Leiterin der Studie. In den Ausbau der Erneuerbaren werden laut Erneuerbare-Energien-Gesetz nämlich 19,4 Milliarden Euro gesteckt, gerade die Hälfte von den in der Studie errechneten externen Kosten der konventionellen Energiewirtschaft. Deshalb liegt die EEG-Umlage derzeit auch bei 6,17 Cent pro Kilowattstunde – und nicht bei den elf Cent, die laut Studie bei einer "Konventionelle-Energien-Umlage" fällig würden, legte man also nach dem Vorbild der EEG-Umlage die 40 Milliarden Euro konventioneller Zusatzkosten auf die Verbraucher um.

Im Vergleich zum Vorjahr seien diese Zusatzkosten sogar noch gestiegen. 2014 habe die fiktive Umlage noch bei 10,6 Cent gelegen. "Hinzu kommt, dass die erneuerbare Stromgewinnung im Vergleich zur konventionellen noch jung ist", betonte Küchler. In den frühen Jahren der Atomkraftnutzung sei zum Beispiel eine Förderung von mehr als 60 Cent je Kilowattstunde gewährt worden. Das unterschreiten die Erneuerbaren deutlich – außerdem gebe es noch einiges Potenzial zur Optimierung und damit Kostensenkung der Technologien. Besonders bei der Photovoltaik, die im Vergleich der Erneuerbaren derzeit noch mit am teuersten sei, erwarte man eine entsprechend deutliche Entwicklung.

Versteckspiel wird zum Image-Problem für Erneuerbare

"Wenn der EU-Emissionshandel funktionieren würde, müssten wir gar nicht über so eine fiktive Umlage reden", erklärte Marcel Keiffenheim von Greenpeace Energy. Der CO2-Zertifikatehandel sei schließlich geschaffen worden, um die externen Kosten der Fossilwirtschaft einzupreisen. Aber selbst wenn der Emissionshandel perfekt liefe: Der Strompreis läge dann zwar höher, auf der Stromrechnung wäre der Zusatzbetrag dennoch nicht als Kompensation des Kohlendioxidausstoßes aus der Kohleverstromung gekennzeichnet.

Alles in allem: Während die EEG-Förderung, so Keiffenheim, transparent im Strompreis ausgewiesen werde, seien die Kostenpunkte von Atomkraft und Kohleverstromung versteckt. "Die scheinbaren Mehrkosten der Erneuerbaren werden skandalisiert." Es könne der Eindruck entstehen, dass erneuerbare Energien aufgrund der EEG-Vergütung die "Preistreiber" der Stromversorgung seien, heißt es dazu in der Studie. Diese Perspektive greife aber zu kurz.

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Durch die EEG-Umlage auf der Stromrechnung sieht es so aus, als würden nur die Erneuerbaren viel kosten, kritisieren FÖS und Greenpeace Energy. (Foto: Paul Langrock)

Dass tatsächlich eine "Konventionelle-Energien-Umlage" eingeführt wird, fordern weder das FÖS noch Greenpeace Energy. Ihre Studie solle den Menschen nur aufzeigen, dass die Energiewende schnell umgesetzt werden müsse, sagte Keiffenheim – auch weil sie günstiger sei als die bisherige Strategie.

Die Studie "Was Strom wirklich kostet" gibt es in der Langfassung mit 132 Seiten und als 24-seitige Kurzfassung

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