2015 wird noch wärmer

Das Jahr 2014 geht mild zu Ende und war auch insgesamt das wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Meteorologen und Klimaforscher gehen davon aus, dass die warmen Jahre in diesem Jahrhundert die Vorboten einer längerfristigen Klimaveränderung in Europa sind.

Von Susanne Schwarz und Susanne Götze

Schneebeladene Tannenbäume, Flockentreiben und eine ordentliche Schneeballschlacht, so sieht Weihnachten im Bilderbuch aus – dem Winter entsprechend, wie er über Jahrhunderte war. Dieses Jahr wird es wohl wieder einmal keine weiße Weihnacht geben. Doch der milde, regnerische Jahresabschluss – in vielen Teilen Deutschlands wurden vor einigen Tagen noch zweistellige Temperaturen gemessen – ist nur das Ende eines durch die Bank außergewöhnlich warmen Jahres.

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Unbestechlicher Aufzeichner der globalen Erwärmung: Wettermessstation in Oklahoma. (Foto:  NOAA)

"Der Zeitraum der ersten elf Monate war sowohl in Deutschland als auch in Europa und auf globaler Ebene der wärmste seiner Art seit Beginn der systematischen Wetteraufzeichnung Ende des 19. Jahrhunderts", sagt Florian Imbery, Meteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD). Angesichts der hohen Temperaturen des bisherigen Dezembers sei 2014 auf jeden Fall das wärmste Jahr seither. In Europa reichen die Temperaturaufzeichnungen sogar bis 1500 zurück – kein Jahr in dem halben Jahrtausend war demnach wärmer als 2014.

Das Fortschreiten des menschengemachten Klimawandels ist damit nicht mehr zu übersehen, meinen Wissenschaftler – auch wenn Klimaforscher und Meteorologen immer wieder betonen, dass sich aus aktuellen Wetterereignissen nicht auf einen langfristigen Klimatrend schließen lässt. "Bei einem einzelnen Jahr kann man natürlich nicht über den Klimawandel sprechen", sagt auch Florian Imbery vom DWD. Man müsse schließlich zwischen Wetter und Klima unterscheiden. Letzteres beschreibt das durchschnittliche Wetter über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten.

Auffällig ist für Imbery aber, dass sich die Rekordjahre sammeln. "Bisher war 2010 auf Platz eins der global wärmsten Jahre seit den 1880er Jahren, auf Platz zwei lag 2005. 14 der 15 wärmsten Jahre liegen im 21. Jahrhundert, das 15. Jahr ist 1998", berichtet der Meteorologe. "Das ist ein recht stabiles Zeichen, dass sich das Klima geändert hat."

Der Mythos der "Erwärmungspause"

Leugner des menschengemachten Klimawandels fühlten sich bisher durch die sogenannte "Erwärmungspause" bestätigt. Dabei verwechseln sie allerdings kurzfristige Wetterphänomene mit langfristigen Klimatrends. Fakt ist nämlich nur: Die globale Temperatur der Luft steigt seit der Jahrtausendwende langsamer als in den Jahrzehnten davor. Dass 2014 mit seinem Wetter nun Wärmerekorde bricht, bedeutet auch nicht automatisch, dass diese Phase vorbei ist. Aber mit dem Klimawandel hat das nicht viel zu tun.

Aus wissenschaftlicher Perspektive sieht das Phänomen nämlich völlig anders aus, als es die Klimawandelleugner darstellen: "Es gab gar keine Erwärmungspause in dem Sinne", sagt Stefan Rahmstorf, Klimaforscher beim Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). Die Zahlen würden das nicht hergeben. "Mit der Change-Point-Analyse kann man Trendänderungen erkennen, da sieht man: Seit 1970 zeigen die Daten einen ununterbrochenen Erwärmungstrend." Dieser, so Rahmstorf, werde bestenfalls von kurzfristigen Schwankungen überlagert, "salopp gesagt, dem Wetter".

Auch Imbery vom DWD nennt das Phänomen nur ungern "Erwärmungspause". Es handele sich dabei auch um einen politischen Begriff, so der Wetterexperte. "Die Lufttemperatur ist vielleicht in den vergangenen 15 Jahren global kaum gestiegen", erklärt er. Der Wärmegehalt der Ozeane habe aber sehr wohl zugenommen. "Diese Energie wird zwar erst später wieder an die Atmosphäre abgegeben, aber es gibt einen menschengemachten Wärmezuschuss ins Gesamtsystem."

El Niño bringt 2015 ebenfalls milde Temperaturen

Theoretisch ist es denkbar, dass trotz Klimawandel das nächste Jahr wieder kühler wird. Wahrscheinlich ist das aber nicht. "Wir erwarten, dass 2015 noch wärmer wird als 2014", sagt PIK-Klimaforscher Rahmstorf. "Wir stehen im tropischen Pazifik knapp vor einem El-Niño-Ereignis und die Erfahrung lehrt, dass danach mit einigen Monaten Verzögerung die globale Durchschnittstemperatur besonders hoch ist."

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Dünn und verletzlich erscheint die Lufthülle der Erde aus dem All gesehen. Dass man sie nicht folgenlos als preiswerte CO2-Deponie benutzen kann, wird mit jedem Wärmerekord klarer. (Foto: NASA/Wikimedia Commons)

Eigentlich hatten Meteorologen einen El Niño weit früher im laufenden Jahr erwartet. Dass er sich jetzt erst ankündigt, heißt: Die hohen Temperaturen, die das Jahr 2014 durchweg begleitet haben, kann man darauf nicht zurückführen. "Deshalb ist es umso bemerkenswerter, dass 2014 ein Rekordjahr ist", betont Rahmstorf.

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