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Wie Sachsen dem Klimawandel begegnet

Mit welchen Wetterextremen muss Sachsen in Zukunft rechnen und wie kann die Region trotz Klimawandel attraktiv und lebenswert bleiben? Mit diesen Fragen beschäftigt sich REGKLAM, das Regionale Klima-Anpassungsprogramm für die Modellregion Dresden. Jetzt wurden Ergebnisse eines der größten deutschen Forschungsprojekte zur regionalen Klimaanpassung vorgestellt.

Von Susanne Ehlerding

Einen Temperaturanstieg zwischen 1,4 und 3,2 Grad bis zum Jahr 2100 für die Region Dresden sagen die Professur für Meteorologie der Technischen Universität Dresden und die Bergakademie Freiberg voraus. "Für die Region bedeutet der Klimawandel eine Zunahme der sommerlichen Wärmebelastung vor allem in den Städten", sagt der Leiter der Professur für Meteorologie, Christian Bernhofer. "Heiße Tage mit über 30 Grad werden am Ende des Jahrhunderts deutlich häufiger auftreten. Ihre Anzahl wird sich wahrscheinlich verdreifachen."

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Dürren werden ein Problem für die Landwirte sein. Höchste Zeit, die Fehlentwicklungen beim Mais zu korrigieren. (Foto: CraneStation/flickr.com)

Die hohen Temperaturen würden zu einem wachsenden Risiko heftiger Sommergewitter mit Hagel und der Gefahr lokaler Überschwemmungen führen. Gleichzeitig müsse mit häufigeren langanhaltenden Dürreperioden von bis zu drei Wochen gerechnet werden. "Besonders die Landwirtschaft im Nordosten von Sachsen wird sich auf Zeiten mit extremer Wasserknappheit einstellen müssen", prognostiziert Bernhofer.

Die Folgen dieser Veränderungen betreffen alle Lebens- und Arbeitsbereiche: Hausbau, städtische Infrastruktur, Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft. Die Empfehlungen und konkreten Vorschläge aus dem REGKLAM-Projekt gelten allerdings nicht nur für Dresden und sein Umland. "Häufig können sie auch auf andere Großstädte und Regionen in Deutschland übertragen werden", sagt Bernhard Müller, Direktor des Leibniz-Instituts für ökologische Raumentwicklung, das das REGKLAM-Projekt leitet.

Anpassen statt Abwarten

"Es reicht nicht, den Klimawandel zu erforschen. Ebenso wichtig ist es, Konsequenzen aus den Forschungsergebnissen zu ziehen und schon jetzt geeignete Anpassungsmaßnahmen zu ergreifen", sagt Müller. Dabei müsse Klimaanpassung nicht mit immensen Investitionen einhergehen, ergänzt Alfred Olfert, Koordinator von REGKLAM: "Kommunale Infrastrukturen, Planungen, Gebäude oder die Haustechnik müssen ohnehin in regelmäßigen Zeitabständen erneuert werden. Oftmals ist es sinnvoll, die notwendigen Anpassungen im Zuge der anstehenden Arbeiten mitzudenken, ohne gesondert hohe Investitionen auf den Weg bringen zu müssen. Aber gerade bei langfristigen Investitionen und Planungen sollte der Klimawandel besser heute als morgen berücksichtigt werden", meint Olfert.

Das regionale Klimaanpassungsprogramm für die Modellregion Dresden fasst alle Anpassungsmaßnahmen für Wirtschaft, Städtebau, Land- und Forstwirtschaft, Wasser und Naturschutz zusammen. Es erläutert, wo Handlungsbedarf besteht und welche Maßnahmen Politik und Gesellschaft ergreifen sollten.

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Eine "kompakte Stadt im ökologischen Netz" ist das Leitbild für die Entwicklung Dresdens. Hellgrün dargestellt sind Grünflächen, die zwischen den kompakt bebauten Gebieten existieren oder entwickelt werden sollen. (Grafik: REGKLAM)

Zu den Vorschlägen gehört: Mehr Grün in den Städten, um Überhitzung zu vermeiden und Regen aufzunehmen, eine verdichtete Bauweise, die Wege und damit Verkehr spart, sowie der Schutz der Kanalnetze vor Überflutung. Denn: "Es ist damit zu rechnen, dass es in Zukunft mehr Überflutungsschäden und damit verbundene hygienische Probleme durch Kanalwasser geben wird", heißt es in der Kurzfassung eines REGKLAM-Strategiepapiers, das bereits im vergangenen Jahr veröffentlicht wurde.

In der Forstwirtschaft müsste sich die Struktur der Wälder und die Zusammensetzung der Baumarten an den erwarteten Klimaveränderungen wie Trockenheit und steigenden Temperaturen orientieren. Um die Erträge in der Landwirtschaft zu sichern, sei eine konservierende Bodenbearbeitung ohne Pflug wichtig. So könnten Landwirte Bodenverluste durch Erosion eindämmen. Auch geeignete Fruchtfolgen und eine Dauerbegrünung von besonders gefährdeten Flächen wären günstig. Zur Sicherung ihrer eigenen Zukunft sollten Landwirte noch stärker auf Nachhaltigkeit und Öko-Landbau setzen.

"Unser Handeln heute entscheidet über die Zukunft unserer Kinder und Enkel"

Im Oktober wird das Klimaanpassungsprogramm offiziell übergeben. Schon jetzt steht ein Großteil der Forschungsergebnisse auf der Website des Projekts zur Verfügung. Sie verweist auf weitere Informationsquellen zur Klimaanpassung.

"In den vergangenen Jahren haben wir in REGKLAM viel dafür getan, die Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten zur Anpassung an den Klimawandel bewusst zu machen. Es bleibt aber in der Verantwortung jedes Einzelnen, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, um die Folgen des Klimawandels erträglicher zu gestalten. Unser Handeln heute entscheidet über die Zukunft unserer Kinder und Enkel", sagt Bernhard Müller.

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Heftige Regenfälle werden – nicht nur in Dresden – in den nächsten Jahren zunehmen. (Foto: Matthias Rietschel)

Gefördert wird REGKLAM vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen von "KLIMZUG – Klimawandel in Regionen zukunftsfähig gestalten". Das Programm will die Regionen in Deutschland dabei unterstützen, regionalspezifische Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel zu entwickeln und umzusetzen.

[Erklärung]  
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