Studie: Weniger Arbeit, besseres Klima
Krankenkassen, Betriebspsychologen und Arbeitnehmer wissen es schon lange. Wir arbeiten zu viel. Doch wir richten nicht nur volkswirtschaftlichen Schaden durch hohe Krankenstände an, betreiben Raubbau an unserer physischen und psychischen Gesundheit, sondern wir schaden auch der Umwelt und dem Klima. Eine Studie des Ökonomen David Rosnick versucht nun diese Aussage erstmals mit Zahlen zu belegen
Von Silvana Steiniger
In Zeiten zunehmender psychologischer Erkrankungen wie Burnout und Depressionen durch zu hohe Arbeitsbelastung, mit oftmals gleichzeitig schlechter Bezahlung bei enormer Verantwortung, hinterlässt die Studie des Ökonomen und Informatikers David Rosnick ein Lächeln im Gesicht des gestressten Arbeitnehmers. Denn Rosnick behauptet, dass weniger arbeiten die Erderwärmung bremsen könnte. "Reduced Work Hours as a Means of Slowing Climate Change" heißt die für das Centre for Economic and Policy Research (CEPR) verfasste Studie.

Hamster mögen diese Rädchen. Für Arbeitnehmer sind sie eher nicht geeignet. (Foto: Daikorax/Wikimedia Commons)
Die These in Rosnicks Studie ist nicht neu. Schon 2006 hatte er, zusammen mit Mark Weisbrot, eine vergleichende Arbeit über Arbeitszeiten und Auswirkungen auf die Umwelt vorgelegt. Damals kamen Rosnick und Weisbrot zu dem Schluss, dass weniger Arbeitsstunden eine Vielzahl positiver Effekte hätten. Unter anderem könnten reduzierte Arbeitszeiten den Energieverbrauch in den USA um 20 Prozent senken. Übersetzt in CO2-Emissionen hätte das eine Absenkung um drei Prozent im Jahr 2002 zum Referenzjahr 1990 bedeutet. Damit hätten die USA nur vier Prozent oberhalb des im Kyoto-Protokoll vereinbarten Emissions-Ziels gelegen.
Einfache Annahme mit komplexen Auswirkungen
In der neuen Studie wird versucht, diese Theorie erstmals mit Zahlen zu belegen. Das hört sich im ersten Moment auch sehr einfach an – denn weniger Arbeit heißt weniger Energieverbrauch, was wiederum einen dämpfenden Einfluss auf den Klimawandel hat. Was jedoch ungeklärt und schwierig zu beziffern ist, sind die gesellschaftlichen Auswirkungen, die Zusammenhänge zwischen Arbeit, Wachstum und Klima. Auch andere Wissenschaftler haben sich mit dieser Frage beschäftigt. Kurz gesagt argumentieren sie so: Durch weniger Arbeit wird das Wachstum gebremst, da sich Konsumgewohnheiten verschieben. Das habe auch Auswirkungen auf die Umwelt und das Klima.

Wer schläft, sündigt nicht. Wer weniger arbeitet, tut auch dem Klima etwas Gutes. Sagt zumindest eine Studie. (Foto: Aavindraa/Wikimedia Commons)
Auf der Grundlage von Szenarien des Weltklimarates IPCC versucht Rosnick trotz aller Unwägbarkeiten zumindest grob zu überschlagen, wie sehr die Erderwämung durch geringere Arbeitszeiten gebremst würde. Nach seinen Berechnungen könnte eine Senkung der Arbeitszeit bis zum Jahr 2100 um jährlich ein halbes Prozent zur Folge haben, dass sich die jetzige Erwärmung um die Hälfte reduziert. Das ist, auch wenn dies ein Zahlenspiel anhand von Szenarien ist, eine deutliche Aussage: Weniger Arbeit hat positive Auswirkungen auf das Klima. Doch diese Zusammenhänge können nur greifen, wenn auch Politik und Gesellschaft umdenken und materielle Dinge nicht gleichgesetzt werden mit Lebensqualität. Deshalb geht es Rosnick in seiner Arbeit nicht nur um Arbeitsverkürzung, sondern er plädiert auch für eine Postwachstumsgesellschaft und fragt, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. Denn wenn das Mehr an Freizeit mit Konsum und Flugreisen verbracht wird, sind die positiven Effekte hinfällig.
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