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Datenleck beim Weltklimarat

Kleiner Vorgeschmack auf eine neue Schlacht um die Deutungshoheit in der Klimawissenschaft: Ein US-amerikanischer Klimaskeptiker veröffentlicht Teile des nächsten IPCC-Berichtes. Der soll eigentlich erst im Herbst 2013 veröffentlicht werden – nun sorgt er schon im Dezember 2012 für Debatten.

Von Nick Reimer

Alec Rawls spricht von "Wissenschaft". Und von dem Recht darauf, öffentliche Transparenz über diese "Wissenschaft" herzustellen. Denn Alec Rawls ist Klimaskeptiker und deshalb hat er auf seiner Website stopgreensuicide.com Unterlagen des Weltklimarates IPCC veröffentlicht. Und zwar jene, die im kommenden Jahr eigentlich zentrale Komponenten des 5. IPCC-Sachstandsberichtes sein sollten.


"Möwen am Himmel" heißt dieses Bild unseres Fotografen. Man könnte als Bildunterschrift aber auch formulieren: "Aufgedeckt: Die Sonne am Himmel". (Foto: Schulze von Glaßer)

Bei dem Material handelt es sich um den "Fifth Assessment Report Climate Change 2013: The Physical Science Basis". Dieser "AR5" befasst sich mit den wissenschaftlichen Grundlagen des menschengemachten Klimawandels. Veröffentlicht wurde auch die "Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger", jene Kurzfassung des Sachstandsberichtes, der Handlungsoptionen enthällt. Die Dokumente sind echt, wie der IPCC in einer Stellungnahme bestätigte.  

Im Prinzip versucht der Skeptker Rawls eine alte Debatte neu zu entfachen: Im Bericht heißt es, dass "sehr großes Vertrauen" in die Aussage bestehe, dass die Ursache für die gestörte Strahlungsbilanz nur in sehr geringem Ausmaß in den Veränderungen der Sonnenstrahlung in jüngsten Jahren zu finden sei. Vielmehr seien es die menschengemachten Treibhausgase, die den Effekt der Erderwärmung auslösten. Die Beweislage darüber, dass an der Geschwindigkeit und am Umfang des Klimawandels der Mensch schuld ist, habe sich verdichtet.

"Schuld ist die Strahlung, nicht der Mensch"

Rawls und andere Skeptiker interpretieren die Passage aber anders: Die kosmischen Strahlen spielten eine größere Rolle bei der Erderwärmung als die von Menschen verursachten Emissionen. Rawls bezeichnet das als "gamechanging" – nach Ansicht der Klimaskeptiker verändert dieser Umstand "einfach alles".

"Jetzt beginnt eine Debatte über ein unfertiges Produkt", sagte Jochem Marotzke, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg der Süddeutschen Zeitung. "Das ist so, als würde man ein unfertiges Auto aus der Fabrik stehlen und sich danach öffentlich darüber beschweren, dass es nicht fährt", urteilt Marotzke, selbst Mitautor der Summary for Policymakers.


Klimaskeptiker behaupten gern, dass jegliche Klimaänderung nur an der Strahlungsintensität der Sonne liege. Dagegen könnte man dann als Mensch rein gar nichts machen. (Foto: Reimer)

Und tatsächlich sehen sich die Skeptiker bestätigt. Der Weltklimarat habe sich "sogar zaghaft auf manche seiner Kritiker zubewegt", behauptet Rudolf Klipp. Peter Heller hat die ganze Wissenschaft des fünften Sachstandsberichts des IPCC gleich mal auseinandergenommen: "Das Vertrauen in die Fähigkeit dieser Modelle, die Temperaturentwicklung der Zukunft wiedergeben zu können, ist damit erschüttert." Und ein "Quentin Quencher" kommentiert: "Bislang hält sich die Empörung über Alec Rawls in Grenzen. Macht sich hier eine gewisse Resignation bei den Alarmisten breit?"

 


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