2011: 34 Milliarden Tonnen

Nachdem die IEA bereits im Mai ihre Kohlendioxidbilanz für 2011 vorgestellt hatte, zieht nun auch die Forschungsabteilung der EU-Kommission nach: Sie kommt in ihren Berechnungen auf den Rekordwert von 34 Milliarden Tonnen CO2. Die IEA hatte 31,6 Milliarden Tonnen ermittelt. Und dabei sind andere Treibhausgase wie Methan noch gar nicht mit eingerechnet.

Von Eva Mahnke

Mit schöner Regelmäßigkeit betonen die Staats- und Regierungschefs dieser Welt ihren Willen zur Einhaltung des 2-Grad-Ziels. Zuletzt beim Petersberger Dialog vor einigen Tagen in Berlin. Und mit ebensolcher Regelmäßigkeit nähren Berichte über den weltweiten Kohlendioxidausstoß den Zweifel, dass das gelingen wird. Zuletzt der Bericht der Forschungsabteilung der EU-Kommission JRC und des niederländischen Umweltforschungsinstituts PBL. Dem Bericht zufolge haben die CO2-Emissionen im vergangenen Jahr ein neues Rekordhoch erreicht: 34 Milliarden Tonnen Kohlendioxid hat die Welt 2011 demnach ausgestoßen (Emissionen aus der Verbrennung von Biomasse, beispielsweise durch Waldbrände, sind nicht mitgerechnet - genauso wenig andere Treibhausgase wie etwa Methan; dann käme man sogar auf 50 Gigatonnen CO2-Äquivalente). Das ist mehr als jemals zuvor und entspricht einem Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr. Seit 1990 hat sich der jährliche CO2-Ausstoß um nahezu 50 Prozent erhöht. Damit sind die Zahlen der beiden Forschungseinrichtungen sogar noch pessimistischer als die der Internationalen Energieagentur IEA, die ihre Bilanz für 2011 bereits im Mai veröffentlicht hatte. Die IEA war in ihren Berechnungen auf 31,6 Milliarden Tonnen gekommen.


Der globale Emissionstrend seit 1990 weist steil nach oben. Besonders deutlich sind die Emissionen Chinas gestiegen. (Grafik: PBL)

Das neue Rekordhoch geht zu großen Teilen auf das Konto Chinas. Die Emissionen des Landes wuchsen gegenüber 2010 um ganze neun Prozent. Verantwortlich ist das anhaltende Wirtschaftswachstum und der damit verbundene Energiehunger. Etwa ist die CO2-intensive Stahl- und Zementindustrie weiter expandiert. Außerdem ist China zum größten Kohleimporteur aufgestiegen, und auch die heimische Kohleproduktion weist hohe Wachstumsraten auf.

Der Pro-Kopf-Ausstoß der Chinesen nähert sich den Europäern an

Pro Kopf stoßen die 1,3 Milliarden Chinesen mittlerweile durchschnittlich 7,2 Tonnen CO2 aus - und erreichen damit nahezu das Niveau der Europäer (7,5 Tonnen). Damit, so betonen die Wissenschaftler in ihrem Bericht, sei China endgültig im Kreis der industrialisierten Länder angekommen, deren Pro-Kopf-Ausstoß zwischen 6 und 19 Tonnen liegt.

Als weltgrößer Emittent hat China die USA ohnehin schon länger überholt. Das Reich der Mitte ist für 29 Prozent der Kohlendioxidemissionen verantwortlich, die USA für 16 Prozent. Allerdings liegt der Pro-Kopf-Ausstoß der "nur" 311 Millionen Amerikaner mit 17,3 Tonnen noch immer weit über dem der Chinesen. Die Reihe der fünf weltgrößten CO2-Sünder wird fortgeführt von der EU (11 Prozent), Indien (6 Prozent), Russland (5 Prozent) und Japan (4 Prozent).


Nirgendwo sonst auf der Welt wurden im vergangenen Jahr soviele Kohlekraftwerke errichtet wie in China. (Foto: Ishmatt/Flickr)

Die traurige Gesamtbilanz enthält jedoch auch einige positive Trends. So sind die Kohlendioxidemissionen in der Europäischen Union im vergangenen Jahr um drei Prozent gesunken. Selbst in den USA gingen sie um zwei Prozent zurück. Kein Grund allerdings für überzogenen Optimismus: Der Rückgang ist nach Einschätzung der Wissenschaftler vor allem auf ein schwaches Wirtschaftswachstum und den milden Winter zurückzuführen. Die CO2-Emissionen aus der Freisetzung von Erdgas bei der Erdölförderung, dem sogenannten "Flaring", sind in den USA im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr sogar um 50 Prozent gestiegen - das legen zumindest Satellitenbeobachtungen nahe. Der Grund hierfür: die zunehmende Verbreitung des Fracking zur Gewinnung von Öl aus Ölschiefer. Durch die Methode werden große Mengen an Erdgas freigesetzt.

Einen größten Teil ihres CO2-Budgets hat die Welt schon verbraucht

Für das in Cancún beschlossene 2-Grad-Ziel heißt das: Es wird immer enger. Nach wissenschaftlichen Berechnungen dürfen im Zeitraum 2000 bis 2050 maximal 1.000 bis 1.500 Milliarden Tonnen Kohlendioxid freigesetzt werden. Jede weitere Tonne würde das Risiko um ein Vielfaches erhöhen, dass sich die Erdatmosphäre in diesem Jahrhundert eher um drei, vier oder gar fünf Grad Celsius erwärmt. 420 Milliarden Tonnen des verfügbaren CO2-Guthabens hat die Welt innerhalb der vergangenen elf Jahre schon verbraucht - also knapp die Hälfte bis zu einem Drittel des gesamten Budgets. Durchschnittlich dürfen damit in den kommenden 39 Jahren noch rund 15 bis 28 Milliarden Tonnen jährlich in die Atmosphäre gepustet werden. Zur Erinnerung: 2011 waren es rund 34 Milliarden Tonnen. Ohne drastische Reduktionen ist das 2-Grad-Ziel nicht zu halten. Je länger die globalen Emissionen auf hohem Niveau verharren, desto steiler muss der Emissionspfad schließlich nach unten weisen.

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