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Das Zwei-Grad-Ziel ist noch zu schaffen

Für den anstehenden 5. Sachstandsbericht des IPCC hat das Max-Planck-Institut für Meteorologie zusammen mit dem Deutschen Klimarechenzentrum ein neues und präziseres Klimamodell entwickelt. Demnach gibt es Anlass zu vorsichtigem Optimismus - falls die weltweiten Treibhausgas-Emissionen schnell und "drastisch" reduziert werden. 

Von Verena Kern

Wenn das Wörtchen "wenn" nicht wäre, könnte es mit der Erderwärmung doch noch ein gutes Ende nehmen. Definiert haben das Wörtchen "wenn" neue Berechnungen des Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M). Zwar schmilzt demnach bei den jetzigen Emissionen das Sommereis der Arktis noch schneller als bislang angenommen und beschleunigt, durch die zusätzliche Erwärmung der Ozeane, damit den Klimawandel. In der zweiten Jahrhunderthälfte könnte das Eis am Nordpol - und das ist die größte Überraschung bei den Berechnungen - sogar komplett verschwunden sein. Jedoch: Wenn der CO2-Ausstoß "umgehend" und "drastisch" reduziert würde, wäre dieser Prozess, so die Wissenschaftler, durchaus zu stoppen. Mehr noch, er könnte sogar umgekehrt werden.


Die Eisdecke der Arktis zieht sich nach den aktuellen Berechnungen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie noch schneller zurück als bislang angenommen. Noch vor dem Jahr 2100 könnte der Nordpol im Sommer komplett eisfrei sein. (Foto: Heidemarie Kassens)

Auch das für die Klimapolitik so wichtige Zwei-Grad-Ziel könnte noch erreicht werden, sagt Jochem Marotzke, Direktor am MPI-M und stellvertretender Vorsitzender des Weltklima-Forschungsprogramms. "Unsere jetzt gerade fertig gestellten Rechnungen haben gezeigt, dass wir tatsächlich die Erwärmung im Laufe dieses Jahrhunderts auf unter zwei Grad begrenzen können."

Aber dann kommt wieder das Wörtchen "wenn": Möglich wird die Begrenzung nur sein bei einer "drastischen Minderung der Kohlendioxidemissionen", sagt Marotzke. Zuletzt waren die Emissionen aber immer stärker angestiegen - nie war der Zuwachs größer als im vergangenen Jahr.

Noch acht Jahre sind Zeit, danach müssen die weltweiten Treibhausgas-Emissionen sinken

Wobei "drastisch" und "umgehend" heißt, dass schon im Jahr 2020 das Maximum des CO2-Ausstoßes erreicht sein müsste. "Danach müssen die Emissionen abnehmen", erklären die Wissenschaftler. Und: "Unsere Rechnungen zeigen auch, dass zum Ende des Jahrhunderts die Emissionen auf zehn Prozent des Stands von 2000 reduziert sein müssen."

Wenn jedoch die CO2-Emissionen weiterhin so ungebremst wie derzeit ansteigen, ist, so geht es aus den Simulationen des MPI-M hervor, mit einer Erwärmung um bis zu vier Grad im globalen Mittel bis zum Jahr 2100 zu rechnen. "Wir würden weltweit mehr länger anhaltende und auch drastischere Hitzewellen haben", erklärt MPI-Direktor Marotzke. Auch der Meeresspiegel würde weiter steigen, und die Versauerung der Ozeane noch mehr zunehmen.


Sie sind durch die Versauerung der Ozeane besonders gefährdet: Korallen und Muscheln. (Foto: World Resources Institute)

"Die akuellen Berechnungen zeigen, dass der Ozean durch die CO2-Belastung bereits um etwa 30 Prozent saurer geworden ist gegenüber der Situation vor der Industrialisierung", sagt Johann Jungclaus, Ozean-Experte am Max-Planck-Institut für Meteorologie. Viele Organismen könnten sich an diese Änderungen nicht schnell genug anpassen, das gesamte ozeanische Ökosystem gerate dadurch aus dem Gleichgewicht - mit unabsehbaren und nicht mehr zu kontrollierenden Folgen.

Zwei Jahre lang haben die Forscher den Höchstleistungscomputer des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) mit Daten und Formeln gefüttert und rechnen lassen, um zeigen zu können, was sowohl im ungünstigsten Fall (kein Klimaschutz, weiter wie gehabt) als auch im günstigsten Fall (ambitionierte und unverzügliche Reduzierung des Emissionen) zu erwarten sein wird. Die Berechnungen sind Teil des Weltklima-Forschungsprogramms WCRP (World Climate Research Programme) und werden in den 5. Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC einfließen, der 2014 veröffentlicht werden soll.

[Erklärung]  
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