Studie: Fracking ist nicht Schuld
Eine Studie der Universität Texas hält die Gefahren der sogenannten Fracking-Technologie für geringer als bislang angenommen. Allerdings: Einen Freibrief erteilen die Forscher der Gasindustrie damit nicht. Die Gefahren etwa der Trinkwasserverseuchung seien durchaus real, nur betreffen sie auch die konventionelle Öl- und Gasförderung. Die Klimabilanz wird nur am Rande betrachtet.
Von Hanno Böck
Einen 414 Seiten starken Bericht über mögliche Gefahren durch die Förderung von Schiefergas durch sogenanntes Fracking hat ein Forscherteam der Universität Texas vorgelegt. Die Ergebnisse schätzen die Gefahren des "Frackings" - einer umstrittenen Technologie zur Erdgasförderung - als eher gering ein. Angenehm ist der Bericht für die Gasindustrie dennoch nicht: Die Probleme mit der Grundwasserverseuchung bestreiten die Forscher nicht. Nur treten sie bei konventionellen Gasförderprojekten genauso auf wie beim Fracking. Die nicht unwichtige Frage, welche Klimabilanz das sogenannte unkonventionelle Gas besitzt, wird nur am Rande gestreift.

Gasförderung im Marcellus Shale in den USA. (Foto: Ruhrfisch, Wikipedia)
Die Fracking-Technologie hat insbesondere in den USA in den vergangenen Jahren zu einem regelrechten Boom der Förderung von sogenanntem Schiefergas geführt. Das hat auch Auswirkungen auf den Weltmarkt: Die Gaspreise sind - verglichen zum derzeit sehr hohen Ölpreis - vergleichsweise niedrig, weltweit wird über die Erschließung von Gasreserven nachgedacht, die früher als unerreichbar galten. Beim Fracking wird ein Chemikalienmix in den Untergrund eingebracht, durch Sprengungen werden Risse im Gestein erzeugt, über die dann Erdgas entweichen soll. Doch Berichte über verseuchte Trinkwasserbrunnen, brennende Wasserhähne und ein Film mit dem Titel Gasland haben die Fracking-Technologie in Verruf gebracht.
Das Forscherteam hat zahlreiche Berichte und Studien zum Thema begutachtet. Grundwasserkontaminationen treten demnach meist durch überirdische Lecks bei der Verarbeitung von Abwässern auf, erklärt Charles Groat vom Energieinstitut der Universität Texas. "Diese Probleme sind nicht spezifisch für Fracking", sagte Groat. Die Forscher haben Vorfälle an drei Gasfeldern untersucht - dem Barnett Shale in Texas, dem Marcellus Shale in Pennsylvania und New York und dem Haynesville Shale im Louisiana. Bei keinem der untersuchten Fälle habe man Beweise, dass Fracking-Flüssigkeit aus dem Untergrund im Grundwasser auftritt.
Bekannt gewordene Fälle von Trinkwasserverseuchungen seien meist auf Betriebsfehler zurückzuführen, etwa auf undichte und schlecht verarbeitete Bohrlöcher. Ursache sei hier aber in der Regel nicht die Frackflüssigkeit, sondern das sogenannte Produced Water, welches teilweise giftige Substanzen aus dem Untergrund auswäscht und ordnungsgemäß entsorgt werden muss. Produced Water entsteht bei jeder Form der Öl- und Gasförderung.
Klimabilanz nur am Rande betrachtet
Nur am Rande geht die Studie auf die Frage der Klimabilanz der Förderung von Schiefergas ein. Erdgas - in erster Linie Methan - welches bei der Gasförderung in die Atmosphäre entweicht, trägt zum Klimawandel bei, da Methan ein hochaktives Treibhausgas ist. Gründe hierfür können Lecks in Leitungen oder ebenfalls undichte Bohrlöcher sein. Auch können die Bohrarbeiten zu einem verstärkten Entweichen von Methan aus dem Untergrund an die Oberfläche führen. Mehrere Studien kamen in der Vergangenheit zu dem Schluss, dass das Image von Erdgas als "klimafreundlichstem" fossilen Energieträger durch die Förderung unkonventioneller Gasressourcen in Frage gestellt wird.
Eine Studie von Robert Howarth kommt zu dem Schluss, dass Erdgas aus dem Marcellus Shale bei New York klimaschädlicher als Kohle sei. Ähnliche Schlüsse zieht der Klimaforscher Tom Wigley, beide Studien wurden in wissenschaftlichen Fachmagazinen mit Peer Review veröffentlicht. Peer Review bedeutet, dass eine Publikation von anderen Wissenschaftlern gegengelesen wurde.
Im Bericht der Universität Texas wird die Methanleckage-Problematik erwähnt, konkrete Aussagen zur Klimabilanz findet man jedoch nicht. Erhöhte Methanwerte seien demnach in Gebieten mit Schiefergas auch dann vorhanden, wenn die Gasreserven nicht gefördert werden. Betreiber hätten schon ein rein wirtschaftliches Interesse, Methanlecks zu vermeiden. Auf die Studien von Howarth und Wigley gehen die Autoren nicht ein.

Der Run auf Schiefergas aus dem All betrachtet: Die schiere Menge der Fördertürme bei der Schiefergasförderung beunruhigt Umweltschützer. (Foto: Google Earth)
Der Schiefergasboom erreicht gerade auch Europa. Die größten Vorkommen gibt es in Polen. Das Land erhofft sich, durch die Förderung unabhängiger von Russland zu werden. Im Vereinigten Königreich hofft man, den Rückgang der eigenen Erdgasförderung durch Schiefergas ausgleichen zu können. Auch in Teilen von Deutschland gibt es Diskussionen über die Schiefergasförerung, vor allem in Nordrhein-Westfalen existieren größere Vorkommen. Frankreich und Bulgarien haben aufgrund der Diskussionen ein Fracking-Moratorium beschlossen.
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