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Die Finanzierung der Zweifel am Klimawandel

Interne Dokumente des konservativen Heartland-Instituts aus den USA zeigen auf, welche Strategien die Organisation verfolgt, um die Klimawissenschaften zu diskreditieren. Das Institut wirbt Spenden aus der Industrie ein und finanziert damit unter anderem Blogs und scheinbar neutrale Organisationen, die Zweifel am Klimawandel streuen sollen. Zu den Spendern gehören unter anderem Bayer, Microsoft und General Motors.

Von Hanno Böck

Das kanadische DeSmogBlog hat interne Dokumente der konservativen Lobbyorganisation Heartland Institute veröffentlicht. Darin finden sich umfangreiche Informationen über Spender und Strategien des Instituts, welches als eine der wichtigsten Stimmen sogenannter Klimaskeptiker in den Vereinigten Staaten gilt. Aus den Dokumenten wird deutlich, dass viele scheinbar unabhängige Stimmen in der Debatte über das Heartland-Institut mit Industriespenden versorgt werden.


Die Organisation "NIPCC" des Tabaklobbyisten und Klimaskeptikers Fred Singer sieht sich als Gegenstimme zum IPCC. (Bild: NIPCC)

Das Heartland-Institut gehört zu einer Reihe konservativer Institutionen, die in den USA "Graswurzelarbeit" von rechts betreiben. Es spielt eine wichtige Rolle in der sogenannten Tea Party-Bewegung.

Zu den Spendern des Instituts gehören bekannte "Klimaskeptiker" wie der US-Mischkonzern Koch Industries, aber auch viele unerwartete Firmen: Der Softwarekonzern Microsoft, der Telekommunikationskonzern AT&T oder der Medienkonzern Time Warner. Auch die deutsche Firma Bayer ist unter den Spendern aufgeführt, allerdings ging es bei dieser Spende mutmaßlich eher um die Kampagnen des Heartland-Instituts gegen die Einführung einer allgemeinen Krankenversicherung in den USA. Die größte Summe stammt von einem anonymen Spender, dessen Identität aus den Dokumenten nicht hervorgeht.


Der "klimaskeptische" Blogger Anthony Watts sagte einst ironisch, er warte noch auf die Spendenschecks der Industrie - inzwischen hat er sie wohl bekommen.

Zu den zentralen Strategien des Heartland-Instituts gehört es offenbar, diese Industriespenden an Personen weiterzuleiten, die scheinbar neutral und aus eigenem Antrieb den Konsens der Klimawissenschaften hinterfragen. Dazu gehört etwa ein Projekt des Bloggers Anthony Watts, der das im englischsprachigen Raum vielgelesene "Klimaskeptiker"-Blog Watts up with That schreibt, und die Organisation NIPCC (Nongovernmental International Panel on Climate Change) des amerikanischen Physikers Fred Singer, die sich als Gegenstimme zur UN-Wissenschaftsorganisation IPCC sieht, jedoch bei Klimawissenschaftlern als unwissenschaftlich gilt.

Im Jahr 2012 plant das Institut die Erstellung von Bildungsmaterialien für Schulen. Eine spezielle Kampagne soll für die umstrittene Fracking-Technologie zur Erdgasförderung werben.


Die Tea Party in den USA macht Druck von rechts - und Stimmung gegen Wissenschaftler. (Foto: Freedom Fan, Wikipedia)

In einem Dokument, das die Überschrift "2012 Heartland Climate Strategy" trägt, wird davon gesprochen, dass das Streuen von Unsicherheiten ein geeignetes Mittel sei, Lehrer davon abzuhalten, Wissenschaft zu unterrichten. Allerdings wird das fragliche Dokument vom Heartland-Institut als Fake bezeichnet - über die Echtheit der anderen Dokumente könne man bislang keine genauen Angaben machen, so Heartland in einer Pressemitteilung.

Das Heartland-Institut bezeichnet sich selbst als libertärer Thinktank. In den 90er Jahren bekämpfte die Organisation vor allem Regelungen zum Schutz von Nichtrauchern. Finanziert vom Tabakkonzern Philipp Morris produzierte das Institut Studien, die einen Zusammenhang zwischen Passivrauchen und Lungenkrebs bezweifelten. Erst in den letzten Jahren fokussierte sich die Organisation stärker auf Fragen des Klimawandels.

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