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Fritz Vahrenholt im Faktencheck

Das Buch Die kalte Sonne von RWE-Manager Fritz Vahrenholt enthält sowohl politische als auch klimawissenschaftliche Thesen. Über die politischen kann man ja gern streiten, die zur Klimaforschung aber sind größtenteils Quatsch. Teil 1 des Vahrenholt-Faktenchecks.

Von Toralf Staud

Behauptung 1: Seit 1998 erwärmt sich die Erde nicht mehr, der Klimawandel hat gestoppt

Das ist ein Fehlschluss, denn hier werden kurzfristige Temperaturschwankungen mit langfristigen Klimatrends vermischt. Das Klima ist aber, salopp gesagt, nicht der zehn- oder zwölfjährige Durchschnitt des Wetters, sondern der 30-jährige Durchschnitt. So hat es die Klimaforschung definiert, was Vahrenholt aber schlicht ignoriert.

Ein Auf und Ab der Temperaturen von Jahr zu Jahr ist normal. Und genauso normal ist es, dass es während einer fortlaufenden Klimaerwärmung Zeiträume gibt, in denen die Temperatur an der Erdoberfläche nicht weiter steigt oder gar sinkt. In solchen Perioden, so vergangenen Herbst eine Studie in Nature, saugen die Ozeane quasi Wärme auf.

Wer den Startpunkt seiner Betrachtung geschickt platziert, findet tatsächlich Phasen ohne große Temperaturanstiege. Wie Klima"skeptiker" dies ausnutzen können, zeigt diese Grafik:

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Das Jahr 1998 eignet sich für die These vom Erwärmungsstopp besonders, weil damals das El-Niño-Phänomen den langfristigen Erwärmungstrend noch verstärkte und dies ein außergewöhnlich heißes Jahr war. Die folgenden fielen dahinter etwas zurück; und obwohl 2005 und 2010 laut Nasa-Messungen schon wieder neue Rekordjahre waren, ist die Kurzzeitentwicklung von 1998 bis heute tatsächlich relativ stabil. Der Langfrist-Trend zeigt dennoch weiter nach oben.

Die vergangene Dekade war jedenfalls die wärmste jemals registrierte (egal ob sie in sich selbst eine Temperaturzunahme zeigte oder nicht). Ein Team um den kalifornischen Klimaforscher Benjamin Santer errechnete kürzlich, dass man eine mindestens 17-jährige Temperaturreihe brauche, um die An- oder Abwesenheit der menschengemachten Erderwärmung in den natürlichen Klimaschwankungen erkennen zu können.

Behauptung 2: Die berühmte "Hockeystick"-Kurve war eine Fälschung

Das wird von den sogenannten Klima“skeptikern“ seit vielen Jahren behauptet, stimmt aber nicht. Wahr ist lediglich, dass die von einem US-Forscherteam um Michael Mann 1998 veröffentlichte erste Version einer Analyse zur Temperatur der letzten Jahrhunderte Defizite in der statistischen Methode hatte. Der "Griff" des Hockeyschlägers, also die Temperaturvariation in den letzten tausend Jahren, erschien zu flach.

Jedoch kam eine aufwändige Überprüfung der Arbeit durch das US-amerikanische National Research Council 2006 zu dem Ergebnis, dass Manns Grundaussage trotz der Mängel stimmt: Temperaturdaten lassen darauf schließen, dass es niemals in den vergangenen tausend Jahren so warm war wie heute. Im Jahr 2008 legten Mann&Co. eine überarbeitete Fassung des "Hockeyschlägers" vor. Außerdem gibt es inzwischen mehr als ein Dutzend voneinander unabhängiger Temperaturstudien, die zu ähnlichen Ergebnissen kommen. Klimaforscher witzeln deshalb, längst gebe es nicht mehr nur einen „Hockeystick“, sondern ein ganzes „Hockeyteam“.

Zahlreiche Untersuchungen sind in den vergangenen Jahren zu einem ähnlichen Ergebnis gekommen wie die "Hockeystick"-Kurve eines US-Forscherteams um Michael Mann   (Abbildung: PNAS)

Das Vahrenholt-Buch aber präsentiert einseitig die Kritik an Michael Mann. Und in einer Grafik (auf Seite 123) wird gleich mehrfach getrickst: Bei der Wiedergabe eines Diagramms aus dem 2001er IPCC-Report sind Grauwerte getilgt, mit denen der IPCC selbst auf die Unsicherheitsmarge der Mann-Studie hingewiesen hatte. Und bei der Darstellung aktueller Studien wurden offenbar gezielt nur solche ausgewählt, die die eigene These stützen.

Behauptung 3: Die Sonne verursacht den Klimawandel

Natürlich hat die Sonne als Hauptenergiequelle der Erde Einfluss auf das hiesige Klima. Schwankungen der Sonnenaktivität oder Unregelmäßigkeiten in der Umlaufbahn der Erde haben deshalb über lange Phasen der Erdgeschichte die Temperaturen bestimmt. Studien zeigen beispielsweise für die letzten 1150 Jahre, dass einfallende Sonnenenergie und globale Mitteltemperaturen parallel verliefen. Auch Vulkaneruptionen hatten immer wieder einen starken Einfluss auf das Klima. Doch seit die Menschheit immer stärker in das Klimasystem eingreift (Treibhausgase wie Kohlendioxid und Methan emittiert oder die Regenwälder großflächig abholzt), werden natürliche Klimafaktoren zunehmend überlagert.

Jährliche globale Mitteltemperatur und Zahl der Sonnenflecken (jeweils als laufenden 11-Jahres-Mittel); Quellen: Temperatur lt. Nasa GISS, Sonnenflecken lt. Nasa MFSC, Grafik: klimafakten.de

Und so verlaufen seit etwa 1975 Sonneneinstrahlung und Erderwärmung nicht mehr parallel, vielmehr steht einer zurückgehenden solaren Aktivität auf der Erde eine Temperaturzunahme gegenüber. Reihenweise sind in den letzten Jahren Studien zu diesem Thema erschienen. Und die allermeisten Forscher kommen zum Ergebnis, dass die Sonne zur Erderwärmung im 20. Jahrhundert nur etwa ein Zehntel beitrug, in den letzten Jahrzehnten sogar noch weniger. Vahrenholt stützt sich mit seinen gegenteiligen Behauptungen auf ganz wenige Autoren, die in der Fachwelt sehr umstritten sind.

Teil 2 des Vahrenholt-Faktenchecks finden Sie hier

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