Windrotoren auf Holz gebaut
Im Jahr 2012 wollen zwei Firmen unabhängig voneinander die ersten Windkraftanlagen auf Holzkonstruktionen schrauben.
Es muss nicht immer Stahl oder Stahlbeton sein: Windkrafttürme können auch aus Holz gefertigt werden, selbst wenn sie Megawattanlagen tragen. Davon jedenfalls sind Techniker überzeugt, die im Jahr 2012 die ersten Anlagen aufstellen wollen: Die Hannoveraner Firma TimberTower will Anfang des Jahres auf einem Gelände der heimischen Universität einen ersten Turm errichten, in Kärnten will im Oktober die Firma Alpswind folgen.

TimberTower hat bereits einen Testturm errichtet. (Foto: TimberTower)
Erste Pläne gab es bereits im Jahr 2002, vor allem vom Zimmererhandwerk in Westfalen vorangetrieben. Doch die damals geplante Fachwerkbauweise bereitete offenbar Probleme. Und so sind die Konstrukteure nun auf geschlossene Turmkonstruktionen umgeschwenkt: Die Türme sollen aus 30 Zentimeter dicken Holzsegmenten aufgebaut werden, die aus 40 Millimeter dickem kreuzlagenverleimtem Fichten-Massivholz bestehen. In Hannover soll der erste 100 Meter hohe Turm eine 1,5-Megawatt-Anlage der Firma Vensys tragen. Ein Testturm mit 25 Metern wurde im vergangenen Jahr bereits errichtet. In Sachsenburg in Kärnten ist unterdessen eine 2-Megawatt-Anlage geplant. Mit technischen Detailangaben halten sich beide Firmen noch zurück; von der Firma Alpswind ist lediglich zu erfahren, dass sich die beiden Projekte "in der technischen Umsetzung grundsätzlich unterscheiden".
"Unser Turm ist bereits seit 2009 zertifiziert", sagt Verena Meinen von der Firma TimberTower. Der Turm werde achteckig aufgebaut und oben mit einem Adapter versehen, damit dort das Maschinenhaus wie gewöhnlich verschraubt werden kann. Im Inneren werde es eine Art Fachwerk geben, das aber nur dem Aufbau diene; für den fertigen Turm sei dieses aus statischer Sicht gar nicht mehr notwendig. Außen wird auf die Außenflächen des Holzes bereits im Werk eine Dachfolie aufgetragen, die am Standort dann über die Stoßkanten der einzelnen Segmente hinweg verschweißt wird.
Bei der Zertifizierung durch den TÜV und den Germanischen Lloyd sei eine Mindesthaltbarkeit von 20 Jahren zugrunde gelegt worden, doch man könne von einer noch deutlich längeren Haltbarkeit ausgehen, sagt Firmensprecherin Meinen. Zumal Holz im Unterschied zu Stahl keine Ermüdungserscheinungen infolge häufiger Lastwechsel zeige.
Billiger soll es außerdem werden: "In Serienfertigung rechnen wir mit einem Preisvorteil gegenüber Stahltürmen von 10 bis 20 Prozent", sagt Meinen. Und je höher die Türme werden, umso größer werde der Preisvorteil. Zudem könne man Holztürme auch höher bauen als Stahltürme, da Holztürme in kleineren Segmenten angeliefert werden können; die Transportlogistik ist bei den Stahltürmen der heutigen Dimension oft der limitierende Faktor.
Gerade in schwer zugänglichen Berglagen kann der Holzturm daher von Vorteil sein, weshalb das Thema auch in Österreich auf großes Interesse stößt. In Kärnten soll im Herbst ein Turm aus Holzsegmenten mit einer Maximallänge von 12 Metern aufgebaut werden. "Das ist besonders für Standorte mit schweren Zufahren, mit kleinen Kurvenradien, sowie mit kleiner Montagefläche interessant", sagt Jürgen Jesenko, Geschäftsführer der Firma Alpswind. Pro Turm würden etwa 500 Fichten mit einer Höhe von 30 Metern benötigt. "Wir sparen damit 150 Tonnen Stahl pro Turm", sagt Jesenko. Für das waldreiche Österreich ist das ein wichtiges Argument: "Wir erhöhen damit den Anteil der heimischen Wertschöpfung in der Windkraftbranche".
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