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Kanada: Kohlendioxid-Leck nicht bestätigt

Eine umfangreiche Untersuchung kommt zu dem Ergebnis, dass ein nahegelegenes CCS-Projekt nicht für Kohlendioxid-Austritte auf einer Farm im kanadischen Saskatchewan verantwortlich ist. Das Farmer-Ehepaar Kerr hatte den Fall vor knapp einem Jahr an die Öffentlichkeit gebracht.

Von Hanno Böck

Nach Informationen der kanadischen Organisation IPAC-CO2 ist nicht davon auszugehen, dass die Kohlendioxid-Austritte auf einer Farm im kanadischen Saskatchewan mit einem nahegelegenen Projekt zur unterirdischen CO2-Verpressung zusammenhängen. Die Ergebnisse wurden am Montag vorgestellt, der 180-seitige Bericht steht Online zur Verfügung.


Gasaustritt in einem Teich auf der Kerr-Farm. (Foto: Ecojustice)

Im Januar diesen Jahres berichtete das Farmer-Ehepaar Kerr der Öffentlichkeit von unerklärbaren Vorkommnissen auf ihrem Grundstück: Aus Teichen trat Gas aus, und es gab eine ungewöhnlich hohe Zahl an toten Tieren. Eine Studie, die die Kerrs in Auftrag gegeben hatten, sah die Ursache in einem Projekt des Ölkonzerns Cenovus. Dieser verpresst Kohlendioxid in ein nahegelegenes Ölfeld, um die Ausbeute zu erhöhen. Die Untersuchungen von IPAC-CO2 widersprechen nun der damaligen Studie - es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem Projekt von Cenovus und dem Kohlendioxid-Austritt auf der Kerr-Farm. Schon zuvor war eine Untersuchung von Cenovus selbst zu dem Schluss gekommen, dass kein CO2 aus dem Ölfeld austrete.

"Kohlendioxid ist natürlichen Ursprungs"

„Die Untersuchung der Kohlenstoffisotope zeigt deutlich und konsistent, dass das Kohlendioxid auf dem Kerr-Grundstück biologischen Ursprungs ist und nicht das Resultat von Lecks der Kohlendioxid-Speicherung", erklärt Katherine Romanak von der Universität Austin/Texas, die die Studie geleitet hatte.

Die Familie Kerr hatte 2005 zum ersten Mal ungewöhnliche Gasaustritte beobachtet – 2004 fing die Verpressung von CO2 im Weyburn-Ölfeld an. "Cenovus Energy und das Ministerium für Energie und Ressourcen in Saskatchewan haben es in den vergangenen sechs Jahren versäumt, die Berichte von Cameron und Jane Kerr zu untersuchen", erklärt Barry Robinson von der Organisation Ecojustice, die den Fall an die Öffentlichkeit brachte. Ecojustice sieht es als Erfolg an, dass nun endlich eine Untersuchung stattgefunden hat.


Das Untersuchungsteam auf der Kerr-Farm, im Hintergrund eine Ölpumpe des Weyburn-Feldes. (Foto: IPAC-CO2)

Die Ergebnisse kommentiert Ecojustice bislang zurückhaltend. Man wolle sie zunächst sichten, hieß es, und sich dann eine Meinung bilden. Keine der Untersuchungen wurde von einer unparteiischen Stelle durchgeführt. Cenovus selbst ist für den Betrieb des Ölfeldes verantwortlich und IPAC-CO2 ist eine maßgeblich von der Ölindustrie finanzierte Lobbyorganisation, die den Einsatz der sogenannten CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) klar befürwortet.

Ein Leck in CO2-Speichern wäre der Gau für CCS

Im kanadischen Weyburn wird Kohlendioxid in ein Ölfeld eingepresst, um die Ausbeute an Öl zu erhöhen. Die Enhanced Oil Recovery (EOR) genannte Methode soll neben der größeren Ölausbeute auch helfen, Kohlendioxid-Emissionen zu vermeiden. Das Kohlendioxid stammt aus einer Kohlevergasungsanlage im Norden der USA und wird durch eine 240 Kilometer lange Pipeline nach Weyburn transportiert. Insgesamt bleibt die Klimabilanz dieser Methode trotzdem negativ: Das zusätzlich geförderte Öl generiert bei seiner späteren Verbrennung mehr Kohlendioxid, als durch die Verpressung vermieden wurde.

Ein Leck hätte gravierende Konsequenzen - nicht nur in Kanada. International setzen viele Staaten darauf, Kohlendioxid unterirdisch zu verpressen, um Emissionen zu verhindern. Auf dem Klimagipfel in Durban wurde sogar beschlossen, CCS-Projekte im Rahmen des Clean Development Mechanism (CDM) als Klimaschutzprojekte anzuerkennen. Auch in Brandenburg waren derartige Vorhaben geplant, jedoch gab der Energiekonzern Vattenfall kürzlich bekannt, seine dort vorgesehenen Projekte nicht zu verwirklichen. Ein Leck und ein langsames Austreten der verpressten Treibhausgase wäre der GAU der CCS-Technologie – denn wenn das Kohlendioxid wieder in die Atmosphäre gelangt, wäre der enorme Mehraufwand der unterirdischen Kohlendioxid-Verpressung völlig sinnlos.

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