Fette Menschen schaden dem Klima
Die Förderung gesunder städtischer Transportpolitik, wie beispielsweise Laufen und Radfahren, könnte zur Verringerung des weltweiten Erdölbedarfs und zur Sicherung der globalen Ernährung beitragen. Dies ist die These von Dr. Phil Edwards und Dr. Ian Roberts von der Londoner School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM) diskutiert.
Die Autoren meinen: "Motorisierter Transport ist zu mehr als 95 Prozent Erdölabhängig und trägt zu etwa der Hälfte des weltweiten Ölverbrauchs bei. Da Erdöl in der Landwirtschaft eine Schlüsselrolle spielt, beeinflußt die Nachfrage nach Treibstoffen die Lebensmittelpreise. Verstärkter Fahrzeuggebrauch trägt ebenso zu steigenden Nahrungsmittelpreisen bei, da er die Fettleibigkeit fördert, die wiederum den weltweiten Bedarf an Lebensmitteln steigert."
Anders ausgedrückt: Menschen, die mehr verzehren, verbrauchen mehr Nahrung, die jedoch unter einem größeren Energieeinsatz hergestellt werden muss. Dabei werden mehr Treibhausgase produziert, die zur Erderwärmung beitragen. Darüber hinaus erhöhen schwere Menschen die Transportkosten, berichtete Reuters unter Berufung auf einen Fachartikel im britischen Medizinjournal "The Lancet".
Das sorgt natürlich für heftige Debatten: Nicht jeder übergewichtige Mensch ist übergewichtig, weil er mehr isst als andere. Nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation WHO müssen gegenwärtig 400 Millionen Menschen als "dick" bezeichnet werden, und die WHO prognostiziert einen Anstieg an dickleibigen Erwachsenen bis zum Jahr 2015 auf 700 Millionen. Zudem seien dann 2,3 Milliarden Menschen übergewichtig, so die WHO.
Zurück zur Argumentation der britischen Forscher: Eine Bevölkerung mit stabilem mittlerem Body-Mass-Index (BMI) von 24,5 im Mittel verbraucht täglich 1550 Kilokalorien pro Person (pppd) zur Aufrechterhaltung des Grundumsatzes (BMR) sowie zusätzliche 950 Kilokalorien pppd für Aktivitäten des täglichen Lebens - insgesamt 2500 Kilokalorien pppd in Form von Nahrungsmitteln. Eine aus einer Milliarde Personen bestehende fettleibige Bevölkerung mit einem stabilen mittleren BMI von 29,0 würde 1680 Kilokalorien pppd für den BMR und 1280 Kilokalorien pppd für Aktivitäten des täglichen Lebens benötigen. Im Vergleich zur normalgewichtigen Bevölkerung verbraucht diese übergewichtige Bevölkerung 18 Prozent mehr Nahrungsmittelenergie.
Zusätzlich würde auch mehr Treibstoffenergie zum Transport der größeren Masse der fettleibigen Bevölkerung notwendig, die außerdem weiter zunehmen wird, da aller Wahrscheinlichkeit nach Übergewichtige als Reaktion auf ihre erhöhte Körpermasse vermehrt Autofahren werden statt zu laufen.
Die Autoren fordern daher zu Fuß gehen und Radfahren fördernde und somit Fettleibigkeit in der Bevölkerung verringernde Maßnahmen. Eine zu senkende Verbreitung der Fettleibigkeit könnte ihrer Meinung nach den weltweiten Bedarf für Treibstoffe und Lebensmittel gleichermaßen mindern. Die Forscher folgern: "Ein gesenkter Fahrzeuggebrauch würde Treibhausgasemissionen und somit das Bedürfnis nach Biokraftstoffen reduzieren, ein verstärktes Mass körperlicher Aktivität würde Verletzungsrisiken und Luftverschmutzung mindern und den Gesundheitsstatus der Bevölkerung verbessern."
Um kein Missverständnis aufkommen zu lassen: Die beiden Forscher lasten den dicken Menschen nicht direkt an, dass sie Schuld am Klimawandel sind, geschweige denn dass sie Vorschläge unterbreiteten, wie dicke Menschen zu sanktionieren wären. Kritiker werfen jedoch beiden vor, sich an der allgemeine Bezichtigungskampagne gegen Dicke zu beteiligen.
Jedenfalls: Ein heikles Thema!
FOTO: VERBRAUCHERFENSTER HESSEN
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