Kartoffeln jetzt teurer als Bananen

Weltweit steigen die Lebensmittelpreise nun schon im siebten Monat in Folge, in manchen Regionen der Welt spielt der Markt verrückt. In Russland zum Beispiel, das im Sommer von einer schweren Dürre heimgesucht worden war. 

Aus Moskau Angelina Davydova

In Russland grassiert das so genannte "Kartoffel-Bananen-Phänomen": Die Knollen sind mancherorts doppelt so teuer wie die Bananen - obwohl letztere doch gar nicht in Russland wachsen. Nach dem heißen Sommer mit viele Waldbränden verdoppelten sich die Preise für Kartoffeln, der wichtigsten Grundnahrung der Russen. Von September bis Januar stieg der Preis für ein Kilo im Einzelhandel von 21 Rubel (52 Cent) auf 40 bis 50 Rubel (1 bis 1,2 Euro). Ein Kilo Bananen, Tausende von Kilometern weit importiert, gibt es dagegen schon ab 25 Rubel.


Billige Bananen und kostbare Kartoffen - verkehrte Welt nach einem Sommer mit verheerenden Waldbränden. (Foto: Steve Hopson)

Nach die Angaben der russischen staatlichen Statistik-Behörde Rosstat stiegen die Verbraucherpreise in diesem Jahr bislang um 2.7 Prozent. Obwohl das Amt offiziell eine Inflation von 6 bis 7 Prozent aufs ganze Jahr prognostiziert, gehen Analysten davon aus, dass die Verbrauchspreise am Jahresende um mehr als 10 Prozent teurer sein werden, als zum Jahresanfang. Das berichtete die Zeitung Kommersant.

Allerdings gibt es bei der Preisrallye eine Ausnahme von den Welttendenz. Die Getreidepreise in Russland sind nicht nur stabil, sie sind sogar viel niedriger als weltweit. Möglich macht das ein Exportverbot, das der Kreml noch bis zum Juli 2011 verhängt hat. 

Russisches Getreide darf nicht exportiert werden

Zuletzt sind die Getreidepreise sogar gesunken: Die russische Verwaltung hatte mehrfach auf dem Markt interveniert und Getriede zu niedrigeren Preisen vor allem in jenen Regionen verkauft, die am meistens von die Dürre beschädigt wurde. Als Resultat dieser staatlichen Regulierung werden die Getreide-Preise wohl langfristig auf dem heutigen Niveau verharren.

Einige internationale Experten, zum Beispiel vom Food Security Portal, prognostizieren, das russische Exportverbot für Getreide könne bis ins nächste Jahr 2012 verlängert werden. Meteorologen sagen für 2011 einen ähnlich heißen Sommer voraus wie 2010. Und damit ähnlich geringe Ernten in Russlands Weiten.

Die Welternährungs-Organisation (Food and Agriculture Organisation) FAO hatte am Jahresanfang schon vor Hungerrevolten gewarnt. "Je länger wir die hohen Preise sehen, desto höher ist das Risiko, dass es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen wegen nicht mehr bezahlbaren Nahrungsmitteln kommt", hatte Abdolreza Abbassian, Ökonom und Experte für den Getreidemarkt bei der FAO, gesagt. 


Die Kartoffel-Preise in Russland sind nur ein Beispiel für die Auswirkungen von Dürren und Überschwemmungen auf den Nahrungsmittelmarkt.

Zu den Engpässen hatten auch Missernten in China, Brasilien und der Ukraine infolge von Dürre geführt, sowie die Überschwemmungen in Australien, Pakistan oder im Himalaya. Chinesischen Regierungsangaben zufolge erntete China 2010 rund 546,4 Millionen Tonnen Getreide. Der Verbrauch lag den Angaben zu Folge aber bei mehr als 600 Millionen Tonnen, entsprechend groß ist die Nachfrage auf den internationalen Märkten. Ursache dafür sei das Bevölkerungswachstum sowie die steigende Nachfrage nach "modernen" Nahrungsgütern.

2011 will die Volksrepublik mindestens 500 Millionen Tonnen Getreide selbst produzieren. Auch hier grassiert schon jetzt wieder eine Dürre, weshalb die Kommunistische Partei jetzt den Bau von 1.350 Brunnen in acht Provinzen im Nordosten des Landes beginnen will. Der Norden gilt als Kornkammer des Landes. Die Regierung hat bislang umgerechnet als 735 Millionen Euro zur Bekämpfung der Dürre vorgesehen. Von der Trockenheit betroffen ist ein Gebiet von 6,8 Millionen Hektar.

 

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