China braucht mehr Getreide
Der Getreidehunger Chinas wird in den kommenden fünf Jahren voraussichtlich um 4 Millionen Tonnen jährlich wachsen. Das ist Ergebnis einer Prognose des chinesischen Agrarministeriums. Die Lage werde verschärft, weil sich zeitgleich Chinas Getreide-Ernte verringern werde, erklärte der stellvertretende Agrarminister Chen Xiaohua in Peking am Donnerstag. Eine stabile Versorgung zu gewährleisten werde immer schwieriger: Beschränkte Wasserressourcen, extreme Witterungsbedingungen und ein scharfer internationaler Wettbewerb an den Märkten würden die Verfügbarkeit von Grundnahrungsmittel begrenzen.
China braucht davon 4 Millionen Tonnen mehr - ab jetzt jedes Jahr. (Foto: Schulze von Glaßer)
Regierungsangaben zufolge erntete China 2010 rund 546,4 Millionen Tonnen Getreide. Der Verbrauch lag den Angaben zu Folge aber bei mehr als 600 Millionen Tonnen. Ursache dafür sei das Bevölkerungswachstum sowie die steigende Nachfrage nach "modernen" Nahrungsgütern. 2011 will die Volksrepublik mindestens 500 Millionen Tonnen Getreide selbst produzieren.
Produziert wurden 2010 zudem 77,8 Millionen Tonnen Fleisch und 39,2 Millionen Tonnen Speiseöl. Wegen des wachsenden Wohlstandes der Chinesen prognostiziert das Agrarministerium ein Nachfragewachstum von 1 Million Tonnen Fleisch und 800.000 Tonnen Speiseöl pro Jahr. China versucht speziell in Afrika Flächen aufzukaufen, um den eigenen Bedarf in fremden Ländern zu decken.
Anfang 2011 hatte die Welternährungs-Organisation FAO Alarm geschlagen. Die Sonderorganisation der Vereinten Nationen hat einen Preisindex zur Entwicklung der Grundnahrungsmittel entwickelt. Im Dezember war der auf den Wert von 215 Punkten geklettert, den höchsten je gemessenen Wert. Der Index sagt aus, wie teuer Zucker, Weizen, Milch und Co. gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2004 geworden sind. Der Getreidepreis lag im Dezember 2010 demnach 238 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2002 bis 2004, der für Hülsen- oder Ölfrüchte lag 263 Prozent darüber, Zucker war sogar 398 Prozent teurer. Die FAO kann auch ziemlich exakt projezieren, was diese Preisentwicklung zur Folge hat: Hungerrevolten. 2008 waren Grundnahrungsmittel schon einmal so teuer, damals war es vor allem in Afrika und Zentralamerika zu massiven Hungerrevolten gekommen.
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