Klimawandel verschärft Nahrungsmittelkrise
Das Washingtoner Earth Policy Institute (EPI) warnt vor einem Rückgang der Nahrungsmittelproduktion gerade in Entwicklungsländern. Der Präsident des EPI, Lester Brown, stellte am Mittwoch einen Bericht vor, der eine Verschärfung des Hungerproblems durch den Klimawandels prognostiziert. Hauptursachen sind dem Umweltwissenschaftler zufolge der Temperaturanstieg und die falschen Bewässerungsmethoden.

Der Klimawandel gefährdet die Nahrungsmittelsicherheit in den Entwickungsländern. (Foto: FAO)
Mit einer "kriegsähnlichen Mobilisierung" der Menschheit, die Brown in seinem "Plan B 4.0" beschreibt, will er das Schlimmste verhindern. Dazu müsste der Ausstoß des Treibhausgases CO2 bis 2020 um 80 Prozent verringert werden. Nur dann könne der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre unter 400 Parts per Million (ppm) gehalten werden. Höhere Werte wären für noch höhere Temperaturen verantwortlich und würden zwei wichtige Stützen der weltweiten Nahrungsmittelproduktion zusammenbrechen lassen. Zum einen würden durch einen Meeresspiegelanstieg besonders die riesigen küstennahen Reisanbauflächen Südostasiens überflutet werden und zum anderen könnten die Gletscher des Himalayas Asiens Flüsse in den Trockenzeiten nicht mehr mit Wasser versorgen.
Bis in die 90er Jahre hinein ist der Anzahl hungernder Menschen zurückgegangen und erreichte mit ungefähr 825 Millionen einen Tiefststand. 2008 stieg dieser Wert auf 915 Millionen, in diesem Jahr hungerten mehr als eine Milliarde Menschen. Brown zufolge können sich vor allem die Armen nicht genügend Lebensmittel leisten. Zwar gab es auch zuvor schon Hungersnöte aufgrund bestimmter Ereignisse, doch die derzeitige Lebensmittelkrise habe strukturelle Ursachen.
Die Wasserreserven würden in der ganzen Welt maßlos ausgebeutet. Als Beispiel nennt Brown Saudi-Arabien. Das dort zum Weizenanbau ausgebeutete Grundwasser sei nahezu erschöpft. Spätestens 2016 muss das Land vorraussichtlich seinen kompletten Getreidebedarf importieren. Dazu hat das Land schon jetzt Verträge ausgehandelt, um in anderen Ländern seinen Weizen anzubauen - unter anderem im schon seit langem akut vom Hunger bedrohten Äthiopien.
Auch IFPRI und FAO weisen auf Nahrungskrise hin
Auch das International Food Policy Research Institute (IFPRI) geht von einem erhöhten Finanzbedarf für die Landwirtschaft aufgrund des Klimawandels aus. In einer ebenfalls am heutigen Mittwoch vom IFPRI veröffentlichten Studie gehen die Autoren von jährlich nötigen Investitionen von sieben Milliarden Dollar unter anderem in Bewässerungssysteme aus.
Die Welternährungsorganisation (FAO) warnte am Mittwoch, die landwirtschaftliche Produktivität in den Entwicklungsländern werde aufgrund des Klimawandels bis 2050 um 9 bis 21 Prozent abnehmen.
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