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Fleischatlas zeigt Alternativen auf

Zehn Tage bevor in Berlin die große "Wir haben es satt"-Demonstration für eine nachhaltige Agrarpolitik stattfindet, haben der Umweltverband BUND, die Grünen-nahe Heinrich-Böll-Stiftung und die Zeitung Le Monde diplomatique ihren neuen Fleischatlas veröffentlicht. Es ist bereits der vierte Atlas mit "Daten und Fakten über Tiere als Nahrungsmittel". Die gut 50-seitige Broschüre zeigt die negativen ökologischen und sozialen Auswirkungen der industriellen Fleischproduktion auf – und nennt Instrumente, die zu einem "vernünftigen und grundlegenden Umbau der Tierhaltung" führen können.

BildEssen ist politisch, besonders beim Fleisch. (Abbildung: Fleischatlas)

So sollen die EU-Agrargelder so umgeschichtet werden, dass nicht wie derzeit nur wenige Großunternehmen profitieren, sondern viele kleine und mittlere bäuerliche Betriebe. Auch müsse es eine Kennzeichnungspflicht bei Fleisch- und Wurstwaren geben, sodass Verbraucher erkennen können, wie die Tiere zuvor gehalten wurden – wie dies bei Eiern bereits der Fall ist.

Ein weiterer Vorschlag ist die "flächengebundene Tierhaltung". Das Konzept benennt für eine bestimmte Fläche die maximale Zahl der Tiere bei ökologisch noch verträglicher Belastung. Eine solche Obergrenze könnte sich an der EU-Verordnung zum ökologischen Landbau orientieren, heißt es im Atlas.

Auf dem Tisch liegen längst zahlreiche Vorschläge, wie die Fleischproduktion umwelt- und klimafreundlicher werden kann, betonen die Herausgeber des Atlas. Die Politik sei jedoch nach wie "handlungsunwillig", kritisieren sie. "Abgesehen von Ankündigungen, runden Tischen und Konzepten ist auf Bundesebene kaum eine politische Veränderung eingetreten", seit der erste Atlas 2013 erschien.

"Qualvoll, umweltschädlich, ungesund und billig – das charakterisiert heute die industrielle Tierproduktion", sagte Barbara Unmüßig von der Heinrich-Böll-Stiftung bei der Präsentation des Fleischatlas am heutigen Mittwoch in Berlin. Das müsse sich dringend ändern. Kein anderer Sektor trage "so massiv zum Verlust der Artenvielfalt, zur Zerstörung des Klimas, zur Überdüngung und zur Gefährdung unserer Gesundheit bei wie die industrielle Fleischproduktion", sagte Unmüßig.

Die künftige Bundesregierung müsse noch in diesem Jahr "die Weichen für einen nachhaltigen Umbau der Tierhaltung stellen", forderte BUND-Chef Hubert Weiger. "Saubere Gewässer und gesunde Böden kann es nur geben, wenn die Tierhaltung wieder an die Fläche gebunden wird."

In Deutschland verursacht die Landwirtschaft acht Prozent der Treibhausgas-Emissionen. Mehr als die Hälfte davon ist auf die Tierhaltung zurückzuführen. Dabei sind die Emissionen noch gar nicht mitgerechnet, die durch den Anbau importierter Futtermittel in anderen Ländern und aus dem Abbau von Humus vor allem in landwirtschaftlich genutzten Moorböden entstehen.

klimaretter.info/vk

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