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Weltbodentag: Mehr Öko fürs Klima

Böden sind die größten Kohlenstoffsenken der Erde. Doch sowohl in der deutschen als auch in der europäischen Agrar- und Klimapolitik spielt dies bislang kaum eine Rolle, kritisieren Ökolandwirte, Umweltverbände und Grünen-Politiker anlässlich des heutigen Internationalen Tags des Bodens. Mit einer verbindlichen Bodenschutzstrategie könne mehr CO2 in den Böden gespeichert und so auch dem Klima geholfen werden.

BildNachhaltig bewirtschaftet? (Foto: Konstanze Staud)

Bereits 2013 hatte das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (Unep) in seinem Emissions Gap Report errechnet, dass durch eine regenerative Bearbeitung aller landwirtschaftlichen Flächen jährlich 21 Milliarden Tonnen CO2 von den Böden aufgenommen werden könnten. Das wäre fast die Hälfte der weltweiten Emissionen. Für den Kampf gegen den Klimawandel wäre das von enormer Bedeutung.

Doch bislang gibt es in der EU kein gesetzliches Regelwerk für eine verbindliche und einheitliche Bodenschutz-Politik, die mit dem Klimaschutz ernst machen würde. Der Vorschlag für eine Bodenrahmenrichtlinie aus dem Jahr 2006 – nach dem Vorbild der erfolgreichen Wasserrahmenrichtlinie – wurde nicht umgesetzt. Acht Jahre später, 2014, lag ein Gesetzesvorschlag für eine Bodenrahmenrichtlinie auf dem Tisch. Er wurde zurückgezogen, weil es aus mehreren Mitgliedsstaaten, vor allem aus Deutschland, Widerstand gab.

Die EU hat zwar Regelungen zum Bodenschutz, doch reichen diese aus Sicht des Bundes Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) nicht aus, "um ein angemessenes Schutzniveau für alle Böden in Europa zu gewährleisten". Der Dachverband fordert, dass die EU verbindliche Rechtsvorschriften einführt, die eine humusaufbauende und damit klimafreundliche Landwirtschaft fördern.

Auch der agrarpolitische Sprecher der Grünen im Europäischen Parlament Martin Häusling fordert eine solche dem Klimaschutz dienende Landwirtschaft. "In der Europäischen Union gehen jährlich etwa 1.000 Quadratkilometer Boden dauerhaft verloren", warnt Häusling, der auch Mitglied im Umweltausschuss ist. "Mindestens zwölf Prozent der Böden in Europa sind von Erosion bedroht, bei 45 Prozent der Böden ist der Gehalt an organischer Substanz gering, und 35 Prozent der Böden zeigen Verdichtungserscheinungen."

Deshalb, so der Grünen-Politiker, müssten Kommission, Parlament und Mitgliedsstaaten "sinnvolle, nachhaltige Bodenschutzkonzepte deutlich stärker berücksichtigen", wenn es um die Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) und um die Klimapolitik der EU geht. Erst kürzlich legte die EU-Kommission einen Vorschlag für die GAP nach 2020 vor. Er zielt auf eine stärkere Ökologisierung. Umweltverbänden gehen die Vorschläge nicht weit genug, während sie den Bauernverbänden erwartungsgemäß zu weit gehen.

Auch der Verband kommunaler Unternehmen (VKU) rief zum heutigen Weltbodentag zu mehr Schutz für die Böden auf. Dabei sorgt sich der VKU vor allem um das Trinkwasser. "Wenn die Böden – etwa infolge starker landwirtschaftlicher Düngung – zunehmend belastet sind, führt das insbesondere bei einem abnehmenden Nitratabbauvermögen der Böden zu steigenden Nitratkonzentrationen im Grundwasser", mahnte der Verband. Die Folge seien höhere Wasserpreise.

Der Weltbodentag wurde 2002 beim 17. Weltkongress der Internationalen Bodenkundlichen Vereinigung IUSS ins Leben gerufen. Er soll auf die Bedeutung der Böden für Klimaschutz, Artenvielfalt und Nahrungsmittelversorgung aufmerksam machen.

klimaretter.info/vk

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