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Agrarversicherung kann Risiken erhöhen

Versicherungen, mit denen sich Bauern besonders in Entwicklungsländern günstig gegen Folgen des Klimawandels wappnen sollen, können unerwünschte Nebenwirkungen haben. So gehen die Landwirte zum Anbau von Monokulturen über, weil die Versicherungen häufig an bestimmte Anbaukulturen geknüpft sind, stellten Forscher des Leipziger Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung (UFZ) zusammen mit US-Kollegen der Universität von Oregon fest. In ihrem jetzt im Fachmagazin Global Environmental Change veröffentlichten Artikel geben die Forscher auch Empfehlungen für verbesserte Versicherungsprogramme, in denen künftig ökologische und soziale Aspekte berücksichtigt werden sollen.

BildAuch in Afrika ist die beste Versicherung die, die man nicht braucht, zum Beispiel weil die Erträge stabil sind und das soziale Netz hält. (Foto: Fred Noy/​UN Photo)

Agrarversicherungen könnten "existenzsichernd und äußerst hilfreich sein", sagte Birgit Müller vom UFZ, doch seien diese bisher oft nicht ausgereift und könnten eine Vielzahl unerwünschter Nebeneffekte haben, etwa veränderte Landnutzungsstrategien.

Traditionell bauen Kleinbauern in Entwicklungsländern auf ihren Feldern eine große Bandbreite an Kulturen an, um zu sichern, dass zumindest eine Kultur eine Dürre übersteht. Da Agrarversicherungen aber häufig an feste Sorten gekoppelt seien, so die Wissenschaftler, gingen die Bauern oftmals zu Monokulturen über.

Die Folgen sind weitreichend: Die Biodiversität nimmt ab, die Bodenqualität verschlechtert sich, es werden mehr Düngemittel und Pestizide eingesetzt. Außerdem kritisieren die Wissenschaftler, dass die Agrarversicherungen die Neigung verstärken, risikoreichere Kulturen anzubauen, die hohe Erträge versprechen, im Fall der Fälle aber auch zu höheren Verlusten führten.

Agrarversicherungen könnten auch die Netzwerke von Kleinbauern in Entwicklungsländern schwächen. In der Regel würden sich die Bauern nach größeren Ernteverlusten gegenseitig helfen. Versicherungen könnten aber dazu führen, dass ein versicherter Bauer einem andern nicht mehr hilft, da dieser sich ja selbst hätte versichern können.

Als Ausweg schlagen die Forscher vor, dass die Versicherungen nur bei extremen Dürren greifen sollen. Mittlere Dürren wären durch die Bauern selbst abzufangen. In den USA würden Versicherungsprämien zum Beispiel nur dann noch subventioniert, wenn eine Mindestzahl von Anbaukulturen beibehalten wurde.

klimaretter.info/jst

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