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"Klimasmarte" Landwirtschaft nur Worthülse

Anlässlich des Internationalen Symposiums zu Agrarökologie und Ernährungssicherheit Ende letzter Woche in Rom haben 70 weltweit renommierte Wissenschaftler in einem zwölfseitigen offenen Brief ein klares Bekenntnis der Vereinten Nationen zur Agrarökologie gefordert. Das Konzept sei "gepaart mit den Prinzipien der Ernährungssouveränität und -gerechtigkeit" geeignet, eine sichere Welternährung auch unter den Bedingungen der globalen Erwärmung zu ermöglichen, und zwar in einem Maße, wie es andere Ansätze nicht leisten könnten.

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Äthiopien: Mit der agrarökologischen Push-Pull-Methode lassen sich Maispflanzen ohne teure Chemie von Stängelbohrer-Motten und der parasitischen Unkrautpflanze Striga freihalten. (Foto: Biovision)

Daher finde, so erklären die Experten weiter, das Konzept der Agrarökologie immer mehr Befürworter – unter anderem im Weltagrarbericht, beim UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung, dem weltweiten bäuerlichen Netzwerk Via Campesina und zuletzt im Juli von weiteren 250 Wissenschaftlern. Dem offenen Brief zufolge bringt Agrarökologie "viele Vorteile für Gesellschaft und Umwelt, verringert die Umweltbelastung durch die Landwirtschaft und erhöht Ernährungssicherheit und Widerstandsfähigkeit in Zeiten des Klimawandels".

In ihrem Brief kritisieren die Verfasser auch Begriffe wie "klimasmarte Landwirtschaft" und "nachhaltige Intensivierung", die von internationalen Institutionen in der Debatte über Klimawandel und Ernährungssicherheit benutzt werden. Diese Konzepte seien zu vage und könnten leicht missbraucht werden. Die Agrarökologie könne hingegen auf wissenschaftlichen Grundlagen und eine Reihe bewährter landwirtschaftlicher Praktiken zurückgreifen, die zudem klimafreundlicher als der agrarindustrielle Weg seien.

Tatsächlich haben einige agrarökologische Methoden bereits international von sich reden gemacht, wie das von französischen Jesuiten in Madagaskar entwickelte und an der US-amerikanischen Cornell University propagierte System of Rice Intensification. Weil die Methoden arbeitsintensiv sind, aber nicht energie- und kapitalintensiv, werden sie bislang nur wenig erforscht.

Die Wissenschaftler fordern deshalb von der UN-Landwirtschaftsorganisation FAO und der internationalen Gemeinschaft, an das Symposium anzuknüpfen und eine UN-weite Initiative zu lancieren, die Agrarökologie als zentrale Strategie benennt, um den Herausforderungen im Agrar- und Ernährungsbereich zu begegnen. Das Symposium wurde von der FAO ausgerichtet.

klimaretter.info/jst

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