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Brachflächen für Bioenergie

Um die Konkurrenz zwischen dem Nahrungsmittelanbau und dem Anbau von Energiepflanzen zu entschärfen, wird immer wieder vorgeschlagen, sogenannte "überschüssige" Flächen oder Restflächen zum Anbau von Biomasse zu nutzen. Ob diese Idee sinnvoll und wissenschaftlich abgesichert ist, haben nun elf internationale Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen untersucht. Dafür werteten sie über 170 Studien und Publikationen aus, wie das Johann-Heinrich-von-Thünen-Institut (vTI), das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Deutsche Biomasseforschungszentrum (DBFZ) gemeinsam mitteilten. Die Ergebnisse der Studie sind im Open-Access-Journal "Bio-Risk" veröffentlicht worden.


Damit die Teller nicht leerer werden, wollen Forscher den Anbau-Konflikt durch bessere Daten entschärfen. (Foto: Mattes)

Die Forscher sehen sehr wohl Möglichkeiten für die effiziente Nutzung solcher Flächen, dabei dürften jedoch ökologische, ökonomische und soziale Gesichtspunkte nicht außer Acht gelassen werden. Für den Lebens- und Futtermittelanbau etablierte Anbauäcker sollten auch weiterhin dafür genutzt werden. Energiepflanzen sollten hingegen auf sogenannten Restflächen angepflanzt werden – Flächen, die wegen ungünstiger Standortbedingungen nicht als Agrarflächen genutzt werden können. In der Praxis fehlt jedoch bisher eine einheitliche Definition dieser "überschüssigen" Brachflächen. Unklar ist zudem, wie viel Fläche mit welchem Ertragspotenzial zur Verfügung steht. Die Angaben schwanken hier zwischen 250 Millionen und 1.580 Millionen Hektar weltweit.

Jens Dauber, Biologe am Braunschweiger Von-Thünen-Institut und Erstautor der Studie, warnt deshalb vor zu hohen Erwartungen: "Solange wir nicht wissen, wie viel Land wirklich als Restfläche zur Verfügung steht und auch für den Anbau von Energiepflanzen geeignet ist, fällt es schwer, belastbare Konzepte zu entwickeln." Zudem sei es wichtig, Umwelt- und sozioökonomische Gesichtspunkte in die Flächenabschätzungen einzubeziehen. Die Wissenschaftler regen daher an, den Begriff der "überschüssigen Flächen" klarer zu definieren und gleichzeitig Einschränkungen wie auch Chancen einer nachhaltigen Landnutzung für Bioenergie zu berücksichtigen. Dafür sei eine globale, hochauflösende Datenbank aufzubauen, die unter anderem Besitzverhältnisse, Klima und Boden kartiert.

Für die Potenzialabschätzung von Restflächen zeigt die Studie verschiedene Kriterien auf – zum Beispiel Wasserverbrauch, Klimawirkung, Veränderungen im sozialen Gefüge lokaler Gemeinschaften und Naturschutzbelange. Eine große Rolle spielen auch die Auswahl der Energiepflanzen und die Umwandlungstechnologie. "Wenn die Bioenergieproduktion dauerhaft zur Energiesicherheit und zur Lösung der Probleme rund um den Klimawandel beitragen soll, dann müssen wir bestimmen, welche Anbausysteme am besten für die jeweiligen Typen von überschüssigem Land geeignet sind", betont Daniela Thrän vom Leipziger Helmholtz-Zentrum. "Dabei müssen wir Erträge, Nährstoffeinträge und Kosten abwägen sowie mögliche ökologische und sozio-ökonomische Auswirkungen berücksichtigen."

klimaretter.info/vana


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