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1,3 Milliarden Tonnen verschwendet

Weltweit landet nach Angaben der Welternährungsorganisation FAO etwa ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion auf dem Müll. Damit werden auch Ressourcen wie Wasser und Energie vergeudet - und unnötige Treibhausgas-Emissionen freigesetzt.

Von Sarah Messina

1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel wandern weltweit jährlich in den Müll – das entspricht etwa einem Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion. Das geht aus einem Bericht der Welternährungsorganisation FAO mit dem Titel "Global Food Losses and Food Waste" hervor, der in dieser Woche in Rom vorgestellt wurde. Obst und Gemüse gehören dabei zu den Produkten mit der höchsten Wegwerfrate.


Brot für die Welt oder Brot für den Abfall - die FAO kritisiert eine massive Verschwendung von Lebensmitteln. (Foto: We Feed The World)

Unterschieden wird in dem Bericht aus der Feder von Experten der FAO und des Schwedischen Instituts für Ernährung und Biotechnologie (SIK) zwischen Lebensmittel-Verlusten und Lebensmittel-Verschwendung. Während erstere im Zuge von schlechten Infrastrukturen bei Produktion, Ernte und Verarbeitung vor allem in armen Ländern ein Thema ist, geht die Verschwendung vor allem auf das Konto der reichen Länder. Pro Kopf werden in Europa und Nordamerika demnach zwischen 95 und 115 Kilo an Lebensmitteln weggeworfen – und dass, obwohl sie "oft noch absolut genießbar" sind, so die FAO. In den Sub-Sahara Regionen Afrikas oder dem Süden und Südosten Asiens liegt die Wegwerfquote pro Kopf dagegen nur bei 6 bis 11 Kilo.

Für den Müll produzierte Lebensmittel vergeuden wichtige Ressourcen

Insgesamt werden jährlich pro Kopf rund 900 Kilo Lebensmittel in Industrieländern produziert – fast das doppelte des pro Kopf Anteils von 460 Kilogramm in den armen Regionen der Welt. Rund 40 Prozent der Verluste in Entwicklungsländern sind Prozessen nach der Ernte geschuldet - Investitionen in Lagerung, Verpackung und andere Faktoren würden sich "sofort und signifikant" auf Lebensumstände und Nahrungsmittelsicherheit in armen Ländern auswirken, so die FAO.


Im Süden sorgen mangelnde Infrastrukturen für Verluste auf dem Weg vom Feld auf den Teller. Im Norden leistet man sich dagegen den Luxus der Verschwendung. (Foto: FAO/Giulio Napoletano)

Im Westen werde dagegen recht zielgerichtet zum Kauf von mehr Nahrung als nötig ermutigt: Verkaufsstrategien wie "drei zum Preis von zwei", über-portionierte Fertiggerichte oder die Buffet-Kultur seien Beispiele dafür, dass Verbraucher in Industrieländern bei der Planung ihrer Essgewohnheiten und dem Kauf ihrer Nahrungsmitteln schlichtweg "versagen". Viele Lebensmittel würden zudem automatisch nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums weggeworfen, ungeachtet ihrer Genießbarkeit.

Durch Verluste und Verschwendung von Nahrungsmitteln werden auch wichtige Ressourcen wie Wasser, Fläche oder Energie vergeudet, kritisieren die Autoren der Studie. Dadurch entstehen auch unnötige Treibhausgas-Emissionen, die zur globalen Erwärmung und zum anthropogenen Klimawandel beitragen.

925 Millionen Menschen leiden Hunger

Die FAO geht davon aus, dass die Nahrungsmittelproduktion bis 2050 um 70 Prozent gesteigert werden muss, um eine Weltbevölkerung von neun Milliarden Menschen ernähren zu können. Das ist auch vor dem Hintergrund des Klimawandels eine Herausforderung: Auf einem Sondergipfel der Vereinten Nationen zu den Millenniumszielen im vergangenen Oktober wurde der Klimawandel als Schlüsselelement für das Erreichen der Ziele zur Hunger- und Armutsbekämpfung ausgemacht: Zunehmende Dürren, Hitzeperioden oder Starkregen durch die Erderwärmung müssten als "ernstzunehmendes Risiko" begriffen werden.

Die Vereinten Nationen haben sich bis 2015 zwar eine Halbierung von Hunger und Armut vorgenommen. Bislang sieht es jedoch nicht danach aus, als könnte dieses Ziel erreicht werden. Weltweit leiden derzeit mehr als 925 Millionen Menschen Hunger – Tendenz steigend.

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