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Öko-Landbau: "Nische für Reiche"

In der Bundesrepublik stagniert der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft. Eine Grünen-Studie macht den Vorrang für konventionellen Anbau verantwortlich, Verbände kritisieren EU-Agrarpolitik und fordern einen System-Wechsel.

Aus Berlin Johanna Treblin

In Deutschland gibt es zu wenige Bio-Bauern. Die Nachfrage nach ökologisch erzeugten Lebensmitteln steigt stetig, heißt es in einer Studie im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion, die klimaretter.info vorliegt. Deutschland ist gar der größte Absatzmarkt für Öko-Produkte in Europa. Allein: Die Bauern kommen mit der Produktion nicht hinterher. Und so kommt Bio-Obst und -Gemüse immer häufiger aus Spanien, Italien oder Polen. Der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) macht dafür die geringe Förderung für den Öko-Landbau in Deutschland verantwortlich. Im Vorfeld der Grünen Woche forderte der Verband am Mittwoch in Berlin einen Systemwechsel.


Nur wenige Nutztiere dürfen in Deutschland tatsächlich noch auf die grüne Wiese. Grünen-Studie und Verbände machen Förderpolitik des Bundes verantwortlich. (Fotos: Michael Schulze von Glaßer)

Die Erzeuger von ökologischen Lebensmitteln verlieren immer mehr Anteile am deutschen Markt. Der Umsatz am Handel mit Bio-Nahrungsmitteln ist der Studie der Universität Bonn zufolge zwischen 2000 und 2009 zwar um rund 180 Prozent gestiegen, Flächenanteil sowie die Anzahl ökologisch bewirtschafteter Betriebe sind in dem Zeitraum allerdings um lediglich 75 Prozent gewachsen. "Egal ob Äpfel, Erdbeeren oder Tomaten – die Marktanteile sinken im untersuchten Zeitraum kontinuierlich", heißt es in der Studie.

Die Autoren der Untersuchung führen diese Entwicklung auf die seit 2005 sinkende Förderung für den ökologischen Landbau in Deutschland zurück. Die Politik setze keine Prioritäten und Anreize mehr. Die Landesregierung Schleswig-Holsteins beispielsweise werde voraussichtlich keine neuen Anträge auf Förderung von Umstellung und Beibehaltung der ökologischen Landwirtschaft mehr bewilligen. In Baden-Württemberg sei diese Förderung im Rahmen des MEKA (Marktentlastungs- und Kulturlandschaftsausgleich bereits eingestellt worden.

Politik zeigt kein Engagement für Öko-Landbau

Und schließlich habe auch die Bundesregierung ihre Förderung für Bio-Landwirtschaft zurückgefahren. "Das politische Engagement für ökologische Landwirtschaft ist nicht nur verhalten, sondern schlicht nicht vorhanden", sagte Felix Prinz zu Löwenstein, Vorsitzender des BÖLW am Mittwoch in Berlin. Die Politik sehe Öko-Landwirtschaft einzig als "Nische für reiche Leute" an.

Mit dreistelligen Millionensummen jährlich fördert der Staat die Forschung für konventionelle und Gentechnik-orientierte Landwirtschaft. Dagegen stehen acht Millionen Euro für Forschungsprogramme zum Öko-Landbau. Immer noch zu viel, muss sich die Bundesregierung im November 2010 gedacht haben und öffnete das "Bundesprogramm zur Förderung des Ökologischen Landbaus" auch für "andere nachhaltige Formen der Landwirtschaft".

Der BÖLW fordert von der Bundesregierung einen Systemwechsel, der der ökologischen Landwirtschaft explizit Vorrang erteilt. Das sei angesichts von "Klimawandel, Stickstoffüberschüssen und dem Verlust der Biodiversität" dringend notwendig, erklärte auch Jürgen Heß, Professor für Ökologische Agrarwissenschaften an der Universität Kassel.


Gelb blüht der Raps.- vor allem als Energiepflanze für die Agrosprit-Produktion

Eine Stufe höher setzen die Erzeugerverbände Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und Bioland sowie der Naturschutzverband Nabu an: Die Gemeinsame Agrarpolitik der Europäischen Union müsse besser mit der Klima- und Umweltpolitik verknüpft werden, erklärten sie am Mittwoch in Berlin. Als Leitbild der Landwirtschaft müsse eine multifunktionale, bäuerlich-ökologische Landwirtschaft mit globaler Verantwortung verankert werden.

Abkehr vom "Gießkannenprinzip"

Die Vertreter der Verbände kritisierten, dass die derzeit 56 Milliarden Euro EU-Agrarsubventionen pro Jahr nicht an wirksame ökologische und soziale Kriterien gebunden seien und vor allem wenigen Großbetrieben der Landwirtschaft und der Lebensmittelindustrie zu Gute kämen. Die gegenwärtige Agrarpolitik treibe eine große Anzahl bäuerlich wirtschaftender Betriebe zur Aufgabe, kalkuliere Qualen vieler Nutztiere mit ein und vernichte Arbeitsplätze in ländlichen Regionen.

Die Verbände fordern daher eine Abkehr vom bisherigen "Gießkannenprinzip" pauschaler Agrarsubventionen und eine Neuausrichtung der Agrarpolitik nach dem Prinzip "Geld gegen gesellschaftlich geforderte Leistung". Thomas Dosch, Präsident von Bioland: Die Potentiale, die der Biolandbau als Beitrag zum Klima- und Umweltschutz bietet, werden bisher von der Politik negiert."

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