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Tortillapreise verhindern Agrospritreform

Mais ist in Mexiko Grundnahrungsmittel und wird immer teurer. Weil das Land nicht ausreichend Mengen des Getreides selbst produziert, muss es einen Teil des Bedarfs einführen. Die Regierung wollte nun auch noch die Produktion von Agrosprit aus Mais vorantreiben. Eine entsprechende Gesetzesreform ist aber vorerst gescheitert.

Aus Mexiko-Stadt Daniela Pastrana (IPS)

Bauernproteste und gestiegene Tortillapreise in Mexiko haben ein Gesetz für die Produktion von Agrotreibstoffen zu Fall gebracht. Durchgesetzt haben dies Senatoren der oppositionellen Partei der Institutionalisierten Revolution (PRI). Schon jetzt muss Mexiko Mais importieren, um die Nachfrage nach dem Grundnahrungsmittel zu decken.


Mexikanische Bürger fordern den Anbau von Mais als Nahrungsmittel ohne Gentechnik. (Foto: Krishnamurti Gutiérrez / Sinmaiznohaypais.org)

Pro Jahr führt das mittelamerikanische Land zehn Millionen Tonnen gelben Mais im Wert von drei Millionen US-Dollar ein, um 30 Prozent der nationalen Nachfrage zu decken. Sollte die von allen Parteien unterstützte Reform stattfinden, müsste Mexiko nach Angaben der Kampagne Sin Maiz no hay Pais (Ohne Mais kein Land) seine Maiseinfuhren in den kommenden fünf Jahren auf 50 Prozent erhöhen. Um die nationale Produktion des Getreides anzukurbeln, ist seit März 2009 der Anbau von Genmais erlaubt. Dabei ist nach wie vor unklar, wie sich genmanipulierte Nahrungsmittel auf die Umwelt und die Gesundheit der Menschen auswirken.

Genehmigung durch die Hintertür

Agrotreibstoffe aus Mais dürfen in Mexiko nach bisherigem Recht nur dann hergestellt werden, wenn das Getreide in ausreichender Menge zur Verfügung steht. Das heißt, die Nachfrage nach Mais als Nahrungsmittel muss gedeckt sein. Mit dem Gesetz, das seit zwei Jahren von dem ehemaligen Senator Mario López Valdez vorangetrieben wird, sieht eine Reform der Agrokraftstoffpolitik vor, nach der eine Entscheidung über die Agrospritproduktion den Bundesstaaten übertragen wird. Wenn diese viel Mais produzieren, sollen sie ihre Überschüsse für die Ethanolproduktion verwenden dürfen. López Valdez ist seit dem 1. Januar Gouverneur des maisreichen Bundesstaates Sinaloa im Nordwesten des Landes.

Víctor Suárez, Geschäftsführer der Nationalen Vereinigung der Handelsunternehmen für landwirtschaftliche Erzeugnisse, glaubt nicht daran, dass das Gesetz ganz aufgegeben wurde. Das Interesse der Ethanolhersteller aus den USA, Kolumbien und Brasilien an mexikanischem Mais sei zu groß. "Die Reform ist der reinste Wahnsinn. Sie zielt darauf ab, die großen Maisproduzenten reicher zu machen", sagte Suárez.

Das Nachsehen haben die Verbraucher: Suárez zufolge lebt ein Fünftel aller Mexikaner unterhalb der Armutsgrenze. Nicht nur Mais, sondern 45 Prozent der gesamten mexikanischen Nahrungsmittel werden importiert. Nach Angaben des Nationalrats zur Bewertung der Politik der sozialen Entwicklung ist der Anteil der Mexikaner, die ihren Nahrungsmittelbedarf nicht decken können, in der Regierungszeit des seit 2006 amtierenden Staatspräsidenten Felipe Calderón von 14,4 auf 18,2 Prozent gestiegen.


Kampagne gegen Genmais. (Bild: sinmaiznohaypais.org)

Mais ist nicht nur ein wichtiges Grundnahrungsmittel der Mexikaner, sondern auch eine Kultpflanze. Nach einer Legende der Maya schufen Götter die Menschen aus Maiskörnern, und bis heute kommt die Pflanze bei religiösen Riten zur Anwendung.

Auch der ökologische Mehrwert von Agrosprit ist umstritten: Einer Studie des Freiburger Öko-Instituts zufolge können bei der Landnutzung für die Erzeugung von Agrokraftstoffen große Mengen an Treibhausgasen freigesetzt werden.

Lukratives Geschäft

Getreide wird an den internationalen Märkten zur Zeit hoch gehandelt. Schuld sind die hohe Nachfrage für die Ethanolproduktion, das russische Exportverbot nach dem dürrebedingten Einbruch der Getreideproduktion im vergangenen August und die derzeitigen Überschwemmungen in Australien.

In einigen mexikanischen Bundesstaaten sind die Preise für Tortilla aus weißem Mais um 50 Prozent gestiegen. Den Mehl- und Tortillaherstellern im Lande wurde die Erhöhung ihrer Produktpreise unter Androhung von Strafen verboten. Die Produzenten empfinden das als zynisch: "Die Regierung hält uns vor, dass wir die Tortillapreise erhöhen und Missbrauch betreiben. Dabei setzt sie selbst die Mais- und Benzinpreise nach oben", kritisierte der Tortillahersteller Juan Martínez aus Mexiko-Stadt.

 

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