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Appell gegen Massentierhaltung

"Wir haben es satt!": Professoren fordern ein Ende der Massentierhaltung, Umweltschützer rufen zur Demo für eine ökologischere Landwirtschaft am 22. Januar auf: Auch der Dioxin-Skandal zeige, dass es "höchste Zeit für ein Umdenken in der Agrarpolitik" ist.

Von Sarah Messina

300 Professoren und Wissenschaftler rufen in einem gemeinsamen Appell zum Ausstieg aus der Massentierhaltung auf: "In der Massenhaltung wird mit Tieren in einer Weise umgegangen, die uns als Gesellschaft beschämen muss", heißt es in dem Appell. Unterzeichner warnen vor den Auswirkungen der Massentierhaltung auf Umwelt, Klima, Gesundheit und globale Gerechtigkeit und fordern von der Europäischen Union einen Umstieg auf eine sozial-ökologische Landwirtschaft.

Mehr als 10.000 Menschen haben den Appell bereits unterzeichnet, dazu gehören auch der renommierte Theologe Eugen Drewermann, Umweltethiker Konrad Ott, Mediziner Wolfram Sterry, Literaturwissenschaftler Dieter Borchmeyer und der Philosoph Dieter Henrich. "Bei der Debatte um Massentierhaltung geht es längst um mehr als ein Randthema von Tierschützern und Veganern", sagt Friederike Schmitz von der Universtität Heidelberg, eine der Initiatoren der Aktion. "Immer mehr Menschen aus allen Gesellschaftsbereichen wollen sich nicht mehr länger mit den Zuständen der industriellen Tierhaltung abfinden".

Die EU fördert mit Milliardenbeträgen - vor allem Großbetriebe

Mega-Schlachthöfe, Hähnchenmästereien, Eierproduktion und Ferkelzuchtanlagen: Deutschland gehört zu den bevorgzugten Standorten industrieller Tierwirtschaft, heißt es in dem Appell. Und wird dabei massiv mit öffentlichen Geldern unterstützt: Die Agrarsubventionen sind der größte Posten im EU-Haushalt. Jährlich wird der Bereich mit rund 56 Milliarden Euro gefördert, zu den größten Beziehern gehören Deutschland und Frankreich. Hierzulande profitierten zuletzt als Spitzenempfänger vor allem industrielle Großbetriebe. Sie erhielten sieben Milliarden Euro EU-Beihilfen.


In der EU steht die Neuverteilung der Agrar-Subventionen an: Umweltschützer hoffen auf eine stärkere Begünstigung des ökologischen Landbaus. (Foto: EU)

EU-Landwirtschaftskommissar Dacian Cioloş hatte erst kürzlich einen Vorschlag zur anstehenden Neuverteilung der Agrar-Subventionen vorgelegt: Künftig sollen die Mittel innerhalb der EU gerechter verteilt und auch stärker an ökologischen Gesichtspunkten ausgerichtet werden. Umweltschützer werteten das als einen "mutigen, wichtigen und richtigen ersten Schritt" für mehr Umwelt- und Tierschutz in der Landwirtschaft. Agrarministerin Ilse Aigner (CSU) und der Deutsche Bauernverband haben allerdings bereits Widerstand gegen die grünen Reformpläne des EU-Kommissars angekündigt.

"Wir haben es satt": Umweltorganisationen rufen zur Demo auf

Als "nicht mehr zeitgemäß" in Zeiten des Klimawandels hatte auch der Sachverständigenrat für Umweltfragen die derzeitige Verteilung der Agrarsubventionen dagegen bezeichnet: Vor allem in der intensiven Landwirtschaft werden erhebliche klimaschädliche Emissionen von Lachgas und Methan verursacht. 2005 gingen nach Angaben des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung rund 14 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen auf das Konto der Landwirtschaft.

Unter dem Motto "Bauernhöfe statt Agrarfabrik" rufen Umweltverbände zur Demo am 22. Januar in Berlin auf: Zur Internationalen Grünen Woche 2011 und dem vom Landwirtschaftsministerium ausgerichteten Berliner Agrarministergipfel wollen Organisationen und Bürger gegen Gentechnik, Tierfabriken und Dumping-Exporte protestieren, ebenfalls angekündigt haben sich bereits zwei Trekker-Kolonnen. "Der aktuelle Dioxid-Skandal zeigt, wie teuer uns scheinbar billige Tierprodukte zu stehen kommen", sagt der Kieler Zoologe und PROVIEH-Vorsitzende Sievert Lorenzen: "Höchste Zeit für ein Umdenken in der Agrarpolitik".

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