Essen macht die Umwelt krank

Rund 20 Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen gehen aufs Konto von Lebensmittelproduktion und -verbrauch. Die Ursachen: Zu viel Stickstoff, zu viel Fleischkonsum, zu viel Abfall und zu wenig Ökolandbau. Die Umweltsünden der Agrar- und Ernährungsbranche haben die Verbraucherzentralen und das Umweltbundesamt aufgelistet.

Von Jörg Staude

Essen macht krank – das kann auch für die Umwelt gelten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) und das Umweltbundesamt (UBA) stellten Lebensmitteln am Mittwoch in Berlin eine problematische Ökobilanz aus. Inzwischen gingen 20 Prozent der Treibhausgasemissionen in Deutschland auf das Konto des Ernährungssektors, erklärten VZBV und UBA im Vorfeld der Grünen Woche.

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Auch ökologisch problematisch: Zu viele Lebensmittel landen ohne Umweg über den Ladentisch direkt im Müll. (Foto: We Feed The World)

"Es ist Zeit, zu handeln", betonte Holger Krawinkel, Leiter des Geschäftsbereichs Verbraucherpolitik beim VZBV. Für die Produktion und den Verbrauch von Lebensmitteln müsse "die Umwelt schon heute zahlen". Langfristig könne das auch für die Verbraucher "spürbar werden". 

Der als Dünger eingesetzte Stickstoff ist für die Verbraucher- und Umweltschützer ein besonders großes Umweltproblem. Die Stickstoffüberschüsse bedrohen Artenvielfalt, Luftqualität und belasteten das Grundwasser. Nötig sei daher eine "zeitnahe ambitionierte Überarbeitung der Düngeverordnung".

Auch der hohe Fleischkonsum trage zu den Emissionen bei. So sei die Tierhaltung heute für 65 Prozent der Stickstoffemissionen verantwortlich und bemühe sich kaum um eine Reduzierung, anders als Verkehr und Industrie, die ihre Emissionen reduziert hätten und mit 15 beziehungsweise 13 Prozent deutlich kleinere Verursacher seien. Um die Tierhaltung umweltfreundlicher zu gestalten, sprachen sich beide Institutionen dafür aus, die Zahl der Tiere pro Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche zu begrenzen. Auch könnten Industrie und Handel über eine zuverlässige Kennzeichnung vegetarischer Produkte Alternativen fördern. Erst vergangene Woche hatten der Umweltverband BUND und die Heinrich-Böll-Stiftung den Fleischatlas vorgelegt, in dem vor "verheerenden Folgen" des hohen Fleischkonsums gewarnt wird.

Ökolandbau fördern, Lebensmittelverschwendung eindämmen

Verbraucherzentralen und Umweltbundesamt verlangen, den Ökolandbau mehr zu fördern. Die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung sieht einen Anteil von 20 Prozent vor. Wenn man so weitermache wie bisher, würden die 20 Prozent "erst im Jahr 2078 erreicht", erklärte der amtierende UBA-Präsident Thomas Holzmann. Beim Ökolandbau seien Stickstoffüberschuss und Energieeinsatz geringer als in der konventionellen Landwirtschaft. Um die Nachfrage nach heimischen Bioprodukten zu decken, fordern VZBV und UBA eine stärkere finanzielle Unterstützung der Landwirte. Eine bessere Rückverfolgbarkeit und Kontrolle von Bioprodukten könnte dabei das Vertrauen der Verbraucher sichern. 

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Der Gülletraktor – Sinnbild für die Überdüngung der Äcker. (Foto: Schulze von Glaßer)

Auch der Lebensmittelverschwendung müsse der Kampf angesagt werden. Pro Jahr endeten elf Millionen Tonnen Lebensmittel im Müll. "Dabei sind alle Akteure gefragt, die Debatte darf nicht auf die Verbraucher verengt werden", warnte Verbraucherschützer Krawinkel. An den Handel ergingen Appelle, die Anforderungen an Makellosigkeit, Größe und Form von Lebensmitteln zu überdenken.

[Erklärung]  
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