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Klimaversicherung für Kleinbauern

Schon heute bekommen Bauern in Ghana die Auswirkungen des Klimawandels zu spüren: Die Regenmengen in dem westafrikanischen Land sind seit Jahren rückläufig. Lange Trockenzeiten verursachen hohe Zusatzkosten. Mit dem Ghanaischen Landwirtschaftsversicherungsprogramm können sich Farmer jetzt gegen extreme Wetterbedingungen finanziell absichern. Noch ist das Programm nicht ausgereift. Betroffene und Experten berichten von ihren Erfahrungen.

Aus Accra Albert Oppong-Ansah (IPS)

Mustapha Simbia hat allen Grund zur Freude. Der Kleinbauer profitiert von der Einführung des Ghanaischen Landwirtschaftsversicherungsprogramms (GAIP) im Jahr 2011, das Farmer in dem westafrikanischen Staat vor wetterbedingten Ernteeinbußen schützt. Dem Programm verdankt der 40-Jährige eine Entschädigungszahlung, die er für den Ankauf von Land verwendete. So konnte er seine Anbaufläche auf 2,4 Hektar verdoppeln.

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Das Ghanaische Versicherungsprogramm wird bei einer Farmer-Konferenz vorgestellt. Seit 2011 können sich Bauern in der Region gegen extreme Wetterverhältnisse versichern. (Foto: GAIP)

Die Bauern zahlen zu Beginn jeder Pflanzzeit ein Zehntel der Saatgut-Gesamtkosten in das GAIP ein. Wenn es an zwölf aufeinanderfolgenden Tagen nicht regnet, beginnt sich die Versicherung für sie zu rechnen. Wegen der Dürre im Norden Ghanas haben im zweiten Jahr nach der Einführung des Programms 136 Kleinbauern Entschädigungen erhalten.

Die Auszahlungen bemessen sich an der Größe der Felder und den Investitionen der Farmer. Durchschnittlich können sie je nach den Auswirkungen des Wetters umgerechnet zwischen 152 und 228 Euro vom GAIP erwarten.

Automatische Wettermessstationen

Wetterstationen registrieren täglich die Klimadaten wie Windstärke, Regenmenge, Luftfeuchtigkeit und Temperaturen. Das GAIP nutzt die Daten von den Wetterstationen, um zu ermitteln, wann die Bauern vom Wetter geschädigt werden. Die Zahlungen werden auf der Grundlage der Daten geleistet.

Das Programm bewahre Bauern bei extremen Wetterlagen vor hohen Zusatzkosten und ermögliche es, unmittelbar nach einem Katastrophenfall die Produktion fortzusetzen, erklärt Evelyn Debrah, Agrometeorologin bei GAIP. "Wenn beispielsweise an mehr als zwölf aufeinanderfolgenden Tagen nicht mehr als 2,5 Millimeter Regen in einem Radius von 20 Kilometern um eine Wetterstation fallen, erhalten die Versicherungsnehmer automatisch eine Erstattung", sagt Debrah.

Die Regierung von Ghana finanziert die Initiative durch ein Projekt für innovative Versicherungsprodukte zur Anpassung an den Klimawandel. Es wird im Rahmen einer Partnerschaft zwischen der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), der nationalen Versicherungskommission und des Ghanaischen Versicherungsverbandes umgesetzt.

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Mais ist ein wichtiges Nahrungsmittel in Ghana. Aus Maismehl wird beispielsweise das ghanaische Nationalgericht Banku zubereitet. (Foto: Schulze von Glaßer)

Mustapha Simbia macht sich allerdings Sorgen, ob genügend Bauern in der Lage sein werden, sich für das Versicherungsprogramm registrieren zu lassen. Bisher können das nur diejenigen tun, die ihren Anbau in der Nähe einer der 18 Wetterstationen betreiben. "Ich befürchte, dass viele Bauern vor allem im Norden des Landes aufgrund fehlender Wetterstationen das Programm nicht nutzen können", sagt Simbia. In den vergangenen vier Jahren waren mehrere Regionen des Landes von Dürren betroffen. Dadurch gingen die Ernten von Mais, Reis und Yams stark zurück.

Regenmengen seit Jahren rückläufig

Daten der ghanaischen Meteorologiebehörde GMET belegen, dass die Niederschläge im Land unter den noch vor rund zehn Jahren üblichen Durchschnitt von 6,55 Millimetern gesunken sind. Nach Angaben von Mathias Fosu vom Savanna-Agrarforschungsinstitut hat der Klimawandel die Regenfälle im Norden des Landes erheblich beeinträchtigt. Laut einer Untersuchung des Welternährungsprogramms WFP und der ghanaischen Regierung herrscht in den 38 Distrikten der Nord-, oberen West- und oberen Ostregion große Nahrungsunsicherheit.

Die Studie "Umfassende Analyse zu Ernährungssicherheit und Anfälligkeit" kam zu dem Ergebnis, dass 140.000 von 680.000 Befragten nicht sicher mit Nahrung versorgt werden. Die meisten Haushalte führen Frauen, mehrheitlich Witwen. Ihre unsichere Lage hängt mit Ernterückgängen, unproduktiven Böden und einem begrenzten Zugang zu Düngemitteln und Wasser zusammen.

Die Studie empfiehlt höhere Investitionen in Anpassungsmaßnahmen, um die Agrarproduktion zu unterstützen und widerstandsfähiger gegen den Klimawandel zu machen. Simbia ist der Ansicht, dass das GAIP und die Regierung die Reichweite der Initiative ausweiten sollten, damit alle 50 Distrikte in den drei nördlichen Provinzen eingeschlossen werden können.

GAIP soll Investitionen ankurbeln

Debrah weist darauf hin, dass die Zahl der Wetterstationen bereits gestiegen ist: "In den vergangenen zwei Jahren hat die GIZ insgesamt 36 automatische Wetterstationen gekauft und installiert, damit das GAIP seine Dienstleistungen für Bauern erweitern kann." Fünf weitere Stationen wurden im Rahmen eines von der US-Behörde für internationale Entwicklung geförderten Programms finanziert.

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Mustapha Simbia mit seiner GAIP-Versicherungspolice. Der Bauer hofft, dass auch der Norden Ghanas bald von der Klimaversicherung profitieren kann. (Foto: Albert Oppong-Ansah/IPS)

Wie die GAIP-Expertin berichtet, will die Initiative ein breites Spektrum an Versicherungsdienstleistungen entwickeln, unter anderem die Auszahlung von Entschädigungen, wenn Regen während der Hauptanbauzeit ausfällt. "Die Banken werden wahrscheinlich mehr Geld bereitstellen, wenn das Ausfallrisiko durch lokal relevante Versicherungsprodukte gemindert wird." Debrah ist optimistisch. Der Versicherungsschutz werde Bauern einen "besseren Zugang zu Krediten verschaffen und Investitionen im Agrarbereich fördern".

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