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Fleischsteuer für Klimasünder

Um den Klimagasausstoß der Landwirtschaft zu vermindern, muss die Fleischproduktion weltweit gesenkt werden. Ein Mittel dazu könnte die Einführung einer Fleischsteuer sein – eine von den Konsumenten zu zahlende Steuer, die sich danach berechnet, wie groß der Treibhausgasausstoß bei der jeweiligen Tierhaltung und Fleischproduktion war.

Aus Stockholm Reinhard Wolff

Keine Tier- oder Naturschutzorganisation, sondern das staatliche schwedische "Jordbruksverket", die dem dortigen Landwirtschaftsministerium unterstellte Verwaltungsbehörde, hat nun diesen Vorschlag unterbreitet. In einem am Dienstag vorgelegten Bericht "En hållbar köttkonsumtion" ("Eine nachhaltige Fleischproduktion") hält das Amt eine solche Fleischsteuer für einen Weg, um zusammen mit begleitenden Maßnahmen den Fleischkonsum insgesamt zu senken, aber auch dafür zu sorgen, dass unter Klimagesichtspunkten "schädlichste" Fleisch vom Markt zu verdrängen. Bei einem Wirtschaftssektor wie der Tierzucht, der für ein Fünftel des weltweiten Klimagasausstoßes steht – etwa gleich viel wie der Verkehrssektor –, wäre es eigentlich selbstverständlich, ihn einem Emissionshandelssystem zu unterwerfen, meint das "Jordbruksverket". Doch es gebe hier noch kein funktionierendes globales Abkommen. Belaste man die Produktionsseite mit einer Steuer, bestehe deshalb die Gefahr, dass die fragliche Produktion ins Ausland verlegt werde.


Der frisch erschienene Fleischatlas stellt die globalen Zusammenhänge der Fleischerzeugung dar. (Foto: HBS/BUND/LMd)

Verschwendung verringern

Anders als der Präsident des deutschen Umweltbundesamtes Jochen Flasbarth, der kürzlich vorgeschlagen hatte, "zumindest die großen, industrieähnlichen Mastbetriebe in den Emissionshandel einzubeziehen", hält man es in Schweden deshalb für effektiver, nicht auf der Produzenten-, sondern auf der Konsumentenseite anzusetzen. Dies in der Hoffnung, damit "zu klimafreundlicher Kost stimulieren und die Verschwendung auf Verbraucherseite vermindern" zu können. Außerdem würde ein solches Modell gleichermaßen die einheimische Produktion und die Einfuhren treffen.

Am leichtesten zu realisieren, so das Jordbruksverket, sei eine schablonenmäßige Besteuerung, die sich darauf gründet, wie viel Treibhausgas die Produktion von beispielsweise einem Kilo Schweine- oder Rindfleisch durchschnittlich freisetzt. Der Nachteil: Es gebe hierbei große Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern und je nach Produktionsmethode auch innerhalb des gleichen Landes. Beim Rindfleisch etwa reiche die Spannweite von fast Null bis zu mehreren hundert Kilo Kohlendioxidäquivalenten pro Kilo Fleisch.

Andererseits sei es, wenn schon nicht praktisch ganz unmöglich, so doch jedenfalls zu kostspielig, den Klimagasausstoß bei jedem Produzenten zu messen. Weshalb sich auch ein mögliches anderes Modell zur Begrenzung des Treibhausgasausstoßes, die Einführung von maximal zulässigen Werten, mit der die jeweilige Produktion das Klima beeinflussen dürfe, verbiete. Im Ergebnis plädiert die Studie für ein differenziertes Schablonenmodell, das neben Fleisch auch Fisch, Eier und Milch umfassen soll, kombiniert mit konkreten Anreizen zur Einführung klimafreundlicherer landwirtschaftlicher Produktionsmethoden.

Kein schwedischer Alleingang

Der Alleingang eines Landes bringe allerdings nichts, meint der schwedische Bericht, es müsse mindestens eine Regelung auf EU-Ebene geben. Die EU sei auch speziell gefordert, weil der Fleischkonsum in Europa etwa doppelt so hoch sei wie in der restlichen Welt. Für die Höhe einer möglichen Steuer verweist man auf Studien, wonach eine Steuer in Höhe von 60 Euro pro Tonne Kohlendioxidäquivalenten beispielsweise knapp 1,50 Euro pro Kilogramm Rindfleisch entsprechen würde. Das lasse einen Konsumrückgang um 13 Prozent und einen verringerten Klimagasausstoss der EU-Landwirtschaft um sieben Prozent erwarten.


Massenhafte Verköstigung von Grillfleisch ist schlecht fürs Klima und könnte demnächst Steuern kosten. (Foto: Schulze von Glaßer)

Während Schwedens Finanzminister Anders Borg kritisch reagierte, lehnte eine Sprecherin der Fleischbranche eine Steuer ganz ab. Begrüßt wurde die Debatte von Tierschutzverbänden: Heute würden die verdeckten Kosten der Fleischproduktion, wie die Klimafolgen, einfach der Allgemeinheit aufgebürdet. Erhebe man eine gezielte Steuer bei den Konsumenten, hätten sie es selbst in der Hand, diese Belastung durch ihre freie Konsumwahl zu vermeiden. 

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