Vom Saulus zum Paulus - britische Regierung formuliert Klimaziele
Großbritannien galt bisher nicht als Vorzeigeland im Bereich erneuerbarer Enerigen. Solar-Anlagen beispielsweise kosten auf der Insel noch immer wesentlich mehr als in Deutschland. Förderprogramme existieren zwar, sind aber in der Regel stark limitiert und bisher eher unzuverlässig. Die Einspeisetarife für den Sonnenstrom sind weit von der wirtschaftlichen Realität entfernt, heißt es in einem Bericht des Europressediensts (EuPD). Allein im Bericht der Windenergie steht das Vereinigte Königreich gut da. Um künftig im britischen Energiemix eine größere Rolle zu spielen, verabschiedete die Regierung Anfang März die "Climate Change Bill".

Nordex-Windpark in Großbritannien. England will im Bereich Erneuerbarer aufrüsten. (Foto: Nordex)
Seitdem herrscht ein regelrechter politischer Wettstreit um die Klimaziele. Forderungen der EU wurden von der Labour-Regierung lautstark als zu gering zurückgewiesen, um gleich darauf von der Opposition noch einmal überboten zu werden. Das Ergebnis: Eine mehr als ehrgeizige Verordnung, die vorsieht, die Kohlendioxidemissionen bis 2020 um 32 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 1990 zu reduzieren. Bis 2050 sollen die CO2-Emmissionen dann noch einmal um weitere 28 Prozent verringert werden.
Wenig verwundert, dass nun auch die landesweit größte Messe im Bereich der Energiewirtschaft, die "All Energy 2007", Aufschwung erfährt: Rund 4.000 nationale und internationale Gäste und damit 40 Prozent mehr als noch im Vorjahr besuchten die Messe im schottischen Aberdeen. Die "All Energy" ist bereits seit sieben Jahren die größte Ausstellung im Bereich erneuerbare Energien in Großbritannien. Waren es 2006 noch 220 Aussteller, präsentierten sich in diesem Jahr schon mehr als 350 nationale und internationale Firmen aus dem Energiesektor.
David Rodger, Kommunikationsbeauftragter der Aberdeen Renewable Energy Group, zog entsprechend ein positives Fazit. "Das Interesse an erneuerbaren Energien ist weit sichtbar gewachsen. Für die Industrie wird eine solche Bühne, wie sie die All Energy bietet, immer wichtiger."
Zeitgleich mit der Messe in Aberdeen präsentierte die Regierung in London das "Energy White Paper". Das Energieweißbuch bündelt Maßnahmen zur Energiestrategie in den Bereichen Atom, Stromsparen und erneuerbare Energien. Demzufolge soll der Anteil der erneuerbaren Energien an der britischen Stromproduktion bis zum Jahr 2015 auf 15 Prozent steigen - angesichts der Marktentwicklung der vergangenen Jahre ein hochgestecktes Ziel.
Im Photovoltaik-Bereich lag der jährliche Zubau der Solaranlagen lediglich bei 2,7 Megawatt im Jahr 2006, der Anteil der Solarenergie an der Gesamtstromerzeugung lag 2005 bei 0,002 Prozent. Auch Wasserkraft (0,4 Prozent) und Windkraft (0,3 Prozent) machten 2005 nur einen kleinen Teil an der Gesamt-Stromproduktion aus. Der Chef der schottischen Regionalregierung Jack McConnell verweist in diesem Zusammenhang auf die günstigen Standortbedingungen der Insel. Bereits im vergangenen Sommer wurde in der schottischen Nordsee die erste Offshore-Windenergieanlage rund 25 km von der Küste entfernt in 44 Meter Wassertiefe installiert. Eine zweite Anlage soll in diesem Juli errichtet werden, heißt es im EuPD.
England müsse seine Bemühungen im Bereich Erneuerbare voranbringen, sagte der britische Wirtschaftsminister Alistair Darling. "Unser Ziel ist, bis 2020 einen Anteil von 20 Prozent erneuerbarer Energien im britischen Stromnetz zu erhalten."
Neben der Förderung der erneuerbaren Energie sieht das Weißbuch auch den britischen Wiedereinstieg in die Atomenergie vor. "Atomkraft muss ein Teil unseres Energiemixes bleiben", sagte Darling. Ohne Nuklearenergie seien seiner Ansicht nach die Klimaschutzziele nicht zu erreichen. Mit massivem Widerstand muss die britische Regierung dabei jedoch von Seiten Schottlands rechnen. Die neue nationalistisch geführte Regierung Schottlands, über die im kommenden Jahr abgestimmt wird, plant bereits den endgültigen Ausstieg aus der Atomenergie.
klimaretter.info/reni
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