Eon legt Staudinger 1 doch nicht still
Anders als vom Konzern versprochen, wird der Block 1 auch nach 2012 laufen. Begründet wird dies von Eon mit den Bauverzögerungen beim Mega-Block 6. Hanaus Oberbürgermeister: "Wir fühlen uns getäuscht".
Von Charlotte Schumann
Eon wird seinen Block 1 des Kraftwerks Staudinger in Großkrotzenburg nicht Ende 2012 still legen. Das Regierungspräsidum Darmstadt hat den Eon-Antrag positiv beschieden, nachdem der Kraftwerksblock bis zur Inbetriebnahme des neuen Block 6 weiter laufen darf. Nach dem derzeitigen Planungsstand ist damit aber nicht vor dem Jahr 2016 zu rechnen.

Die Baustelle am Standort Staudinger. (Foto: Nick Reimer)
Eon hatte im Dezember 2006 eine Verzichtserklärung für den Weiterbetrieb des veralteten Blocks 1 abgegeben, um seine Pläne für den Neubau von Block 6 leichter genehmigt zu bekommen. Der Konzern will mit einer Leistung von 1.100 Megawatt einen der weltgrößten Kohleblöcke bauen. Allerdings hatte der Essener Konzern diese Verzichtserklärung Ende vergangenen Jahres widerrufen. Eon war seinerzeit davon ausgegangen, den neuen Block 6 bereits im Jahr 2012 in Betrieb nehmen zu können.
Block 1 des Kraftwerks erfülle "alle aktuellen europäischen und nationalen Anforderungen", begründete das Regierungspräsidium seine Entscheidung. Mit dem Anschalten von Block 6 sei aber definitiv Schluss für einen der ältesten Kraftwerksblöcke in Deutschland, so die Behörde. Das sei in der ersten Teilgenehmigung für den neuen Kraftwerksblock verbindlich geregelt.
Staudinger-Geschichte: SPD-Poliker Hans Staudinger nahm Block 1 in Betrieb
1963 war der Grundstein für das seinerzeit größte Steinkohlekraftwerk der Bundesrepublik gelegt worden, am 19. September 1965 schaltete der SPD-Politiker und Wirtschaftswissenschaftler Hans Staudinger Block 1 mit 249 Megawatt Leistung in Betrieb. Heute läuft die Uralt-Anlage immer noch. Das Staudinger zu Ehren benannte Kraftwerk ist nach dem AKW Biblis das zweitgrößte Kraftwerk in Hessen. Vier Kohleblöcke und ein Erdgasblock liefern derzeit insgesamt 2.000 Megawatt Leistung.

Einst zu Ehren eines SPD-Politikers benannt, demonstriert die SPD - hier auf der Klimademo 2009 - mittlerweile gegen das Kraftwerk Staudinger. (Foto: Nick Reimer)
Gegen den Neubau des Steinkohleblock 6 hatte die Stadt Hanau und weitere Kommunen in Nachbarschaft des Kraftwerks geklagt. Zuletzt lief das wasserrechtliche Genehmigungsverfahren. "Wir fühlen uns getäuscht", erklärte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) gegenüber der Frankfurter Rundschau.
Der Block 3 des Kraftwerks muss am 31. Dezember 2012 stillgelegt werden. Block 2 ist bereits seit 2001 außer Betrieb.
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