Desertec will konkret werden
Die Solarstrom-Initiative Desertec hat am Donnerstag in Berlin konkrete Planungen für ein erstes Referenzprojekt bekannt gegeben. Auf einem Parlamentarischen Abend in der Bayerischen Landesvertretung kündigten Vertreter der Industrie-Initiative den Bau einer solarthermischen Anlage mit einer Leistung von 500 Megawatt in Marokko an - so viel wie ein Kohlekraftwerksblock von Vattenfall im Braunkohlekraftwerk Jänschwalde aufweist. 80 Prozent des von der Anlage produzierten Stromes sollen nach Europa exportiert werden.

Wenn`s doch schon arbeiten würde: Desertec plant für spätestens 2016 eine solarthermische Anlage in Marokko. (Foto: Michael Schulze von Glaßer)
Im Beisein von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) und Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte Paul van Son, Chef der Desertec-Initiative, die Bauarbeiten und Möglichkeiten einer finanziellen Beteiligung sollten 2013 ausgeschrieben werden. 2015 oder 2016 solle die Anlage ans Netz gehen, Standort könnte Ouarzazate werden, rund 200 Kilometer von der Küste entfernt. Geplant seien Investitionen von gut zwei Milliarden Euro, die Pilotanlage solle die Machbarkeit des Wüstenstrom-Projekts prüfen.
Desertec war Ende 2009 an den Start gegangen und gilt als das derzeit ehrgeizigste Infrastrukturprojekt der Welt. Beteiligt sind neben Siemens Energieriesen wie Eon und RWE, die Deutsche Bank oder die Münchener Rück: Sie sollen das Investitionsvolumen in Höhe von 400 Milliarden Euro schultern. Erfahrungen aus der Offshore-Euphorie zeigen allerdings, dass Namen wie RWE oder Eon in solch einem Konsortium eher eine Verzögerung als die Planrealisierung bedeuten. Schließlich könnte ein Erfolg des Projektes die eigenen Investitionen in Kohlekraftwerke in Deutschland gefährden.
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