Demo gegen Urananreicherung
Umweltschützer wollen heute in Gronau gegen die Urananreicherungsanlage demonstrieren. Anlass ist das Betriebsjubiläum der umstrittenen Anlage: Seit 25 Jahren wird hier Uran so angereichert, dass es in Atomkraftwerken eingesetzt werden kann. Schon am Freitag hatte die Betreiberfirma Urenco zu einer Feier geladen.
In der kleinen westfälischen Stadt Gronau steht Deutschlands einzige Urananreicherungsanlage. (Foto: Schulze von Glaßer)
Natururan besteht aus verschiedenen sogenannten Isotopen. Das Isotop U-235 ist nur zu einem geringen Teil von etwa 0,7% vorhanden. Dieser Anteil muss auf 3 bis 5 Prozent erhöht ("angereichert") werden, damit Atomreaktren mit dem Uran betrieben werden können. Ansonsten würde die Kettenreaktion unterbrochen.
Atomwaffen innerhalb weniger Tage möglich
Atomwaffen benötigen höher angereichertes Uran mit einem U-235-Anteil von etwa 85 Prozent. Es gibt Anreicherungsverfahren, mit denen innerhalb kurzer Zeit auch hoch angereichertes Uran hergestellt werden kann. Auch in der Anlage in Gronau wäre dies innerhalb weniger Tage möglich. Eine ähnliche Anlage im Iran sorgt deshalb für internationales Aufsehen. Vor allem die USA befürchten, die Uranfabrik diene der Produktion von Atomwaffen.
In Deutschland stört sich hingegen kaum ein Sicherheitspolitiker an der Gronauer Urananreicherungsanlage. Hier sind es vor allem die Atomkraftgegner vor Ort, die einmal pro Monat mit einem Sonntagsspaziergang gegen den Weiterbetrieb demonstrieren. Derzeit wird die Anlage ausgebaut, schon im nächsten Jahr soll sie mehr Atombrennstoff liefern als die deutschen Reaktoren verbrauchen. Die Genehmigung für den Ausbau erteilte übrigens im Jahr 2005 die damalige rot-grüne Landesregierung.
Wohin mit dem Müll?
Der Bundesverbandes Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) befürchtet nun, dass die Urananreicherungsanlage auch zu einem Endlager für den Atommüll wird, der beim Betrieb anfällt (sogenanntes "abgereichertes" Uran). Es sei "nicht davon auszugehen, dass es in absehbarer Zeit in der Bundesrepublik Deutschland ein sicheres Endlager geben wird", heißt es in einer kürzlich veröffentlichten Erklärung. "Also werden zukünftig rund 60.000 Tonnen Uranoxid in Gronau endgelagert, wenn die gesamte Anreicherungsanlage nicht endlich gestoppt wird." Bislang wurde der Müll nach Russland gekarrt, wo er in Sibirien unter freiem Himmel lagert.
Den größten Unfall in der Anlage gab es Anfang dieses Jahres. Ein Mitarbeiter wurde verstrahlt, anschließend musste er ins Krankenhaus. Die Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen gegen die Betreiberfirma Urenco vor kurzem eingestellt. Der Arbeitskreis Umwelt (AKU) Gronau bemängelt, dass unklar gewesen sei, wo der verstrahlten Arbeiter behandelt werden sollte. Er sei durch vier Krankenhäuser "geschleust worden". "So sieht kein ein funktionierender Katastrophenschutz aus."
Urenco feiert sich selbst
Am Freitag hatte Urenco zur Betriebsfeier geladen. Als Festredner war auch der CDU-Europaabgeordnete Herbert Reul gekommen. Der Geschäftsführer von Urenco Deutschland, Joachim Ohnemus, sagte, die Akzeptanz der Einwohner Gronaus sei "größer als unsere Gegner das wahrhaben wollen". Urenco spendet spendet unter anderem an die örtliche Bibliothek und die Sportvereine in Gronau.
klimaretter.info/fw
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