Schlechte Treibhausbilanz für Agrosprit
Bei der Landnutzung für die Erzeugung von Agrokraftstoffen können große Mengen Treibhausgase frei werden. Damit wäre die Nachhaltigkeit vieler Agrokraftstoffe passé. Zu diesem Schluss kommt das Freiburger Öko-Institut, das für die EU-Kommission einen Bilanzierungsvorschlag für "Klimaeffekte durch indirekte Landnutzungsänderungen bei Biokraftstoffen" erstellt hat.

Längst nicht so Klimafreundlich wie gewollt. Energie-Raps soweit das Auge reicht (Foto: Martin Sieber)
Was geschieht, wenn ein Landwirt auf seinem Feld Rohstoffe anbaut, die ausschließlich für Agrokraftstoffe eingesetzt werden? Insbesondere wenn dort vorher Nahrungs- oder Futtermittel angebaut wurden, kann das kritisch für die Klimabilanz werden, sagen die Forscher vom Öko-Institut. Oft findet Nahrungsmittelanbau dann auf ehemaligen Grünland- oder Waldflächen statt, wofür Wald abgeholzt oder Brache in Ackerland umgewandelt wird. Bei diesen Prozessen, die man indirekte Landnutzungsänderung (indirect land use changes = ILUC) nennt, werden hohe Treibhausgas-Emissionen frei.
Das Öko-Institut hat dazu Untersuchungen durchgeführt und kommt zu dem Ergebnis: "Unsere Untersuchungen bestätigen verschiedene Studien, die zeigen, dass die Emissionen durch die indirekte Landnutzung bei Biokraftstoffen sehr hoch sein können. Nach unseren Berechnungen sind die Emissionen auch bei vorsichtiger Abschätzung so hoch, dass nur wenige Biokraftstoffe die erforderliche Grenze von 35 Prozent erreichen", erläutert Uwe Fritsche vom Bereich Energie und Klimaschutz am Darmstädter Büro des Öko-Instituts.
Agrokraftstoffe dürfen nach EU-Verordnung aber nur dann als "nachhaltig" bezeichnet werden, wenn sie mindestens 35 Prozent weniger Klimagase verursachen als fossile Kraftstoffe. Und nur jene Kraftstoffe dürfen in die Zehn-Prozent-Quote der erneuerbaren Energien angerechnet werden, die die EU bis 2020 für den Kraftstoffverbrauch erreichen will. In den kommenden drei Monaten führt die EU-Kommission deshalb öffentliche Konsultationen durch, um von Fachleuten zu erfahren, wie die ILUC-Emissionen in die Gesamtbilanz für Treibhausgase einfließen könnten. Die Studienautoren werden nun der Kommission vorstellen, was sie errechnet haben und erhoffen sich die entsprechende Umsetzung bei der Bilanzierung von Agrokraftstoffen.
Agrokraftstoffe sorgen regelmäßig für Zündstoff in der öffentlichen Debatte um Zertifizierung von Nachhaltigkeit und den Folgen fürs Klima. Insbesondere deren Erzeugung in tropischen Regenwäldern steht regelmäßig in der Kritik.
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