Kraftwerken droht Hitzeabschaltung
Kraftwerken entlang des Rhein und Neckars droht durch die andauernde Hitze die Abschaltung. "Die Lage ist angespannt", sagte Baden-Würtembergs Umweltministerin Tanja Gönner (CDU) am Dienstag, "sie könnte sich in den nächsten Tagen weiter zuspitzen". Die kritische Marke der Wassertemperatur liege bei 28 Grad Celsius, jetzt würden bereits 25 Grad gemessen. Ein Energiesystem auf der Basis großer Atom- und Kohlekraftwerke, darauf weisen Umweltschützer regelmäßig hin, werde in Zeiten des Klimawandels keine verlässliche Stromversorgung mehr gewährleisten können.

Großkraftwerk Mannheim: Mit über 2000 KW Abwärme im Jahr 2004 ein ausgesprochen heißer Einleiter. (Foto: M.Weyland/BUND)
Für die Ökosysteme im Fluss bedeuten die hohen Temperaturen Stress. "Da droht der Kollaps," befürchtet Gönner. Weil bei den hohen Temperaturen der Sauerstoffgehalt im Wasser zu niedrig ist, könnte zudem massenhaftes Fischsterben die Folge sein. Im heißen Sommer 2003 war diese Situation bereits eingetreten. Die baden-württembergische Umweltministerin sprach sich für eine Erneuerung der aus den 1970er Jahren stammenden Wärmelastplänen für den Rhein und grenzüberschreitende Regelungen für Kühlwassernutzung aus. Das sei notwendig, um EU-Wasserrahmenrichtlinien umzusetzen, so Gönner. In europäischen Flüssen muss demnach bis 2015 ein "guter ökologischer Zustand" erreicht werden.
In einer Studie des BUND werden die Verursacher für die Erwärmung des Rheins und seiner Nebenflüsse klar herausgestellt. Demnach sind die großen Atom- und Kohlekraftwerke daran ebenso beteiligt wie die Schwerindustrie. Der Studie zufolge ist der Rhein heute durchnittlich um drei Grad wärmer als vor 50 Jahren. Ein Grad der Erwärmung resultiere direkt aus dem Klimawandel. Zwei weitere Grad seien den Kraftwerken und Industrien anzulasten, die das Wasser des Rheins für die Kühlung oder als Prozesswasser nutzen und es anschließend erwärmt wieder einleiten. Somit würden fossile Kraftwerke den Fluss doppelt aufheizen, weil sie mit ihrem Kohlendioxid-Ausstoß zur Klimaerwärmung beitragen und gleichzeitig die Flüsse direkt aufheizten.
Die Umweltorganisation WWF veröffentlichte im vergangenen Jahr eine Studie mit ähnlichem Schwerpunkt. Bereits in den Sommern 2003, 2006 und 2007 wurden demnach an unterschiedlichen Flüssen und Kraftwerksstandorten Grenzwerte für das Einleiten von erwärmtem Kühlwasser erreicht. Als Folge wurde die Einleitung jeweils eingeschränkt oder untersagt. Der WWF vermutet, dass die Erwärmung der Flüsse zukünftig für weitere Probleme beim Betreiben von Kraftwerken sorgen könnten.Bereits am Montag musste das Atomkraftwerk Brokdorf in Schleswig-Holstein seine Leistung um 50 Megawatt drosseln. Die Temperatur der Elbe war über die kritische Grenze von 23 Grad gestiegen.
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