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Kohlefreier Strom muss nicht teurer sein

Von Umweltminister Norbert Röttgen bis zum Bündnisgrünen Boris Palmer ist es ein beliebtes Argument: Nichtfossiler und nichtnuklearer Strom sei teuer, weshalb die Energiewende noch warten müsse. Nun hat die European Climate Foundation (ECF) dies untersuchen lassen, von der Unternehmensberatung McKinsey übrigens. Ergebnis: Auch bei einer radikalen Umstellung des Sektors im Sinne des Klimaschutzes würde der Strompreis nicht sprunghaft teurer. Eine Vollversorgung mit Erneuerbaren sei nicht kostspieliger als ein Energiesystem, das langfristig auf Atomkraft und Kohlekraftwerke mit CO2-Abscheidung (CCS) setzt. Größter Kostenfaktor sei der Aufbau leistungsstarker Stromnetze zwischen Nord- und Südeuropa, heißt es in der Studie "Roadmap 2050: A practical guide to a prosperous, low-carbon Europe", die am heutigen Dienstag in Brüssel offiziell vorgestellt wurde.

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Knackpunkt bei der Umstellung auf Erneuerbare Stromversorgung: der Netzausbau (Foto: Reimer)

"Die in der aktuellen deutschen Diskussion ständig wiederholte Behauptung, Erneuerbare Energien seien sündhaft teuer und nicht in der Lage eine verlässliche Vollversorgung mit Strom sicherzustellen, erweist sich als interessengeleitete Angstkampagne", kommentierte der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Rainer Baake. "Es gibt keine Wahl zwischen Teufel und Beelzebub, zwischen hochriskant und teuer."

Die Netze müssten insbesondere zwischen Deutschland und Frankreich sowie in Frankreich und Spanien stark ausgebaut werden, so die Studie. Zudem sei ein stärkerer Binnenausbau notwendig, um die Dezentralität der erneuerbaren Stromgewinnung netzsyncron einspeisen zu können.  Zu windreichen, aber sonnenarmen Zeiten laufe die Elektrizität von Nordeuropa nach Südeuropa und vom Atlantik ins Zentrum, was einen entsprechenden Netzausbau zur Voraussetzung macht. Bei Hochdruckgebieten mit Flaute und viel Sonne wiederum müsste der Sonnenstrom aus südlichen Gefilden gen Norden transportiert werden.

Unter anderem beteiligt: RWE und WWF, Vattenfall und Vestas

Ein Umbau der Stromwirtschaft mit dem Ziel, im Jahr 2050 rund 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu beziehen, würde laut ECF im Durchschnitt 52 Milliarden Euro pro Jahr kosten. Dies sei "ungefähr dieselbe" Summe wie für die Energieerzeugung aus fossilen Quellen, so die ECF. Ohne Umbau der Energiewirtschaft droht Europa laut Stern-Bericht ab 2020 ein hoher zweistelliger Milliardenbetrag Klimaschäden.

Besonders interessant: Die Studie wurde nicht nur unter Federführung von McKinsey erstellt, es waren auch Vertreter der Großindustrie beteiligt. So hätten in der Arbeitsgruppe, die für die Datenbasis und technischen Inputs verantwortlich zeichnete, ebenso Leute von den Stromriesen Eon, RWE und Vattenfall mitgearbeitet wie von den Anlagenbauern Siemens und Vestas oder von Umweltorganisationen wie WWF und Germanwatch.

"Zunächst gab es bei den Industrieakteuren sogar Zweifel, ob ein Szenario mit der Nutzung von 80 Prozent Erneuerbaren Energien bis 2050 mit vernünftigen Kosten und derselben Netz- und Systemsicherheit für die EU machbar sei", erinnert sich Christoph Bals, Politischer Geschäftsführer von Germanwatch an die Debatten. "Doch schließlich zeigte sich: Sogar eine hundertprozentige Versorgung ist möglich, mit derselben Netz- und Systemsicherheit und zu denselben Kosten."

weitere Infos: www.roadmap2050.eu

© wir-klimaretter.de/reni/alf

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