Öko-Konzern für zentral geregeltes Stromnetz
Der größte deutsche Ökostromanbieter hat sich für ein zentral reguliertes Stromnetz ausgesprochen. Lichtblick favorisiere das Modell eines "zentralen Netzreglers", teilte das Unternehmen mit. Dadurch könnten Kosten gespart, der Wettbewerb gestärkt und der Ausbau erneuerbarer Energien vorangetrieben werden, hieß es zur Begründung.

Das deutsche Stromnetz gehört hauptsächlich den großen Energiekonzernen. (Foto: Reimer)
Bislang sind die deutschen Stromnetze in vier Regelzonen unterteilt, die bislang noch von Töchtern der Energieriesen Eon, RWE, Vattenfall und EnBW betrieben werden. In jeder Regelzone muss Angebot und Nachfrage ausgeglichen werden. Das kann dazu führen, dass in einer Zone, in der ein hohes Stromangebot herrscht, mit der überflüssigen Energie Wasser hochgepumpt wird, während in einer anderen Zone die Turbinen der Pumpspeicherkraftwerke angeschmissen werden. Dadurch entstehen unnötige Kosten, die durch eine bessere Koordination der Regelzonen verhindert werden könnten.
Im Jahr 2008 hatten Lichtblick und der Bundesverband Neuer Energieanbieter (bne) ein Gutachten in Auftrag gegeben, das gezeigt hat, dass sich die unnötigen Kosten auf mehrere hundert Millionen Euro belaufen. Der bne und Lichtblick hatten daraufhin einen Missbrauchsantrag bei der Bundesnetzagentur eingebracht. Die Regulierungsbehörde muss daher demnächst entscheiden, wie die Übertragungsnetze in Zukunft aussehen.
Nach Angaben Lichtblicks spreche sich die Netzagentur bislang für einen sogenannten "Netzreglerverbund" aus, bei dem die Netzbetreiber besser zusammenarbeiten sollen. Drei der vier Netzgesellschaften haben sich bereits in solch einem Verbund zusammengeschlossen. Der vierte Betreiber amprion (RWE) befürwortet hingegen ein bundesweit einheitliches Netz.
Studie: Stromangebot wird verknappt
Eine Studie der LBD-Beratungsgesellschaft im Auftrag von Lichtblick und dem bne zeigt nun, dass diese Variante den Wettbewerb weiter öffnen würde als ein "Netzreglerverbund". Bei diesem blieben erhebliche Ineffizienzen bestehen. So belasse dieses Modell den kurzfristigen Handel weiterhin in vier sachlich und räumlich getrennte Märkte, statt sie zusammenzufassen.
Durch die Marktgrenzen werde das Stromangebot unnötig verknappt, argumentieren die Autoren. Dabei benötige der Strommarkt in Zukunft sehr viel mehr Spielräume und ein größeres Angebot an flexibler, deutschlandweit verfügbarer Energie, um zum Beispiel die wachsende Einspeisung von Wind- und Sonnenstrom optimal auszubalancieren. Eine einheitliche Regelzone würde außerdem die Kosten senken und die Verbraucher entlasten.
"Einmalige Chance"
Lichtblick und bne drängen daher auf eine Entscheidung für ein zentral geregeltes Netz. "Es ist an der Zeit, die Hochspannungsnetze in Deutschland endlich so wirtschaftlich und effizient wie möglich zu betreiben", sagte Gero Lücking, Vorstand Energiewirtschaft bei Lichtblick.
Und Robert Busch, Geschäftsführer des bne, erklärte: "Die Bundesnetzagentur hat jetzt die einmalige Chance, mit dieser Entscheidung den Wettbewerb auf dem Strommarkt entscheidend voranzubringen und die anachronistische Kleinstaaterei ein für allemal zu beenden." Dafür brauche die Netzagentur nicht einmal besonders viel Mut, "da RWE diese Lösung ebenfalls anbietet und dem Regulierer zur Seite steht".
© wir-klimaretter.de/fw
Die Schlagzeilen um 10 Uhr
In dieser Woche am meisten gelesen
Meinungen: Etscheits Alltagsstress
Danke, lieber Fritz Vahrenholt! Energiekonzerne können bohren, fracken und teersanden so viel sie wollen, ohne dass ihnen linksradikale Umweltschützer noch in die ölige Suppe spucken können. Alles wird gut. Vielen Dank, liebe Sonne! Vielen Dank, Fritz Vahrenholt! [mehr...]
Meinungen: Kommentar
Keine Blackout-Angst Der Winter ist kalt und das Stromnetz bleibt stabil - die Energiewende führt nicht zum befürchteten Blackout.Ein Kommentar von Joachim Wille [mehr...]
Jahresrückblick
2011: Das Jahr der Rekorde
Die Welt wird mit Stärke 9 erschüttert, Bundeskanzlerin Angela Merkel ändert binnen 7 Monaten ihre Politik komplett, die Hamburger Mucken auf. Neuer Schmelzrekord in der Aktis, neuer Emissionsrekord in der Atmosphäre und so viel Flugpassagiere wie noch nie - der Jahresrückblick 2011. [mehr]
Aktion des Monats In den USA formieren sich Lobbyisten nachdem US-Behörden dem Gitarrenbauer Gibson die Einfuhr von illegalen Tropenhölzern nachweisen konnten. Vorn dabei: Die rechtskonservative Tea Party. Gemeinsam wollen diese das Lacey-Gesetz, dass den Import der Tropenhölzer für illegal erklärt, kippen. [mehr] | Durban 2011 Was war die 17. UN-Klimakonferenz - eine weitere Pleite der Diplomatie oder der Startschuss für das bitter nötige globale Klimaabkommen? Alle Berichte unserer Korrespondentinnen und Korrespondenten aus Südafrika können Sie im Durban-Dossier nachlesen. [mehr] |
Neue Klimaretter-Serie
Die Gesetze der Energiewende
Diesmal soll sie gelingen, die Energiewende. Die schwarz-gelbe Regierung hat dafür umfangreiche Gesetze verabschiedet - oft mit Stimmen der Opposition. In einer Serie analysiert klimaretter.info, was drin steht in den Gesetzen. Und was von ihnen zu halten ist.
Lexikon Was eigentlich ist TREC und was die COP? Wie berechnet sich der Heizwert und wie die Wärmestrahlung? Wie funktioniert Contracting, wie ein Smart Grid? Antworten auf diese und viele andere Fragen finden Sie in unserem Lexikon zum Stöbern - und Nachfragen [mehr] | In eigener Sache Sie lesen uns gerne und regelmäßig? Sie finden unser Angebot interessant, hilfreich und erhellend? Dann unterstützen Sie uns, denn unabhängiger Journalismus kostet Geld. Abonnieren Sie uns, für 3, 5 Euro oder 50 im Monat, für 100 Euro im Jahr - oder "Flattrn" Sie uns [mehr...] |
Bild & Vahrenholt: Die Lüge von der CO2-Lüge
Der Chef des Springer-Verlags, Matthias Döpfner, hat vor Jahren mal über sein Boulevardblatt Bild gesagt: „Wer mit ihr im Aufzug nach oben fährt, der fährt auch mit ihr im Aufzug nach unten.“ Das betrifft offenbar nicht nur Promis, sondern auch[…] [mehr...]Mehr vom Lügendetektor
Klimaretter-Dossiers
Die Gesetze der Energiewende - Eine Analyse
Atomkraft weltweit - Die Welt nach Fukushima
Der GAU von Tschernobyl - 25 Jahre später
Atomunfall in Japan - Das Unglück von Fukushima
E10 und das Politikversagen - Wie es jetzt weiter geht
Das Zwei-Grad-Ziel - Ist die Erderwärmung zu stoppen?
Anpassungsstrategie - Das Meer steigt
Fussball-WM 2010 - Afrika im Klimawandel
Ausgekohlt - Wie Kohlekraftwerke kippten
Nordrhein-Westfalen 2010 - Die Klima-Wahl
Bundestagswahl 2009 - Klima nur Nebensache
Merkels Klimabilanz - Bilanz der Meseberg-Beschlüsse
McPlanet-Kongress - Beginn einer neuen Bewegung
Beichtstuhl - Wen das Gewissen plagt
Kopenhagen ABC - Deshalb gibt es COPs und MOPs
Klimakonferenz-Specials
Berlin Juli 2011 - Petersberger Dialog ohne Ergebnis
Bonn Juni 2011 - Kein Frühling auf der Frühjahrstagung
Bangkok April 2011 - Verwaltung statt Klimarettung
Cancún Dezember 2010 - Hoffnungszeichen in Mexiko
Tianjin Oktober 2010 - Letzte Konferenz vor Cancún
Bonn August 2010 - Die Sommerkonferenz
Bonn Juni 2010 - Noch mehr Stillbeschäftigung
Bonn April 2010 - Stillbeschäftigung in Bonn
Alternativgipfel April 2010 - Cochabamba
Dezember 2009 - Kopenhagen Countdown
Kopenhagen Dezember 2009 - COP15
Barcelona November 2009 - Noch viele Fragezeichen
Bangkok Oktober 2009 - Feinschliff am Text
Bonn Juni 2009 - Hoffnung auf ein Abkommen
Poznan Dezember 2008 - Der 14. Klimagipfel COP14
Bali Dezember 2007 - Der 13. Klimagipfel COP13






