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"Es gibt keine Stromlücke"

Gehen die Lichter aus, wenn die AKWs vom Netz gehen? Nein. Seit Monaten stehen vier Reaktoren still, und trotzdem exportiert Deutschland Strom.

Aus Freiburg Bernward Janzing

Seit Wochen behaupten die großen Energieversorger, Deutschland drohe eine Stromlücke, wenn das Land wie beschlossen aus der Atomkraft aussteigt - und nun auch noch auf Kohlekraftwerke verzichtet werden solle. Mehrere Fachbehörden haben solche Alarmrufe nun zurückgewiesen. "Es gibt keine Stromlücke. Die Lichter gehen nicht aus, wenn der Ausstiegsfahrplan eingehalten wird", erklärte etwa der Präsident des Bundesamts für Strahlenschutz, Wolfram König, der "Financial Times Deutschland".  

knigDas Jahr 2007 sei durch den Stillstand mehrerer Atomkraftwerke eine Vorschau auf das geplante Ausstiegsszenario gewesen. Brunsbüttel, Krümmel, Biblis A und Biblis B stehen bereits seit über einem halben Jahr still. "Obwohl erhebliche Reaktorkapazitäten nicht zur Verfügung gestanden haben, hat Deutschland weiter Strom ins Ausland exportiert", sagte König. "Insgesamt hat sich im Jahr 2007 so viel Erzeugungskapazität als verzichtbar erwiesen, wie durch den Atomausstieg bis Ende 2012, nämlich durch die Abschaltung von sechs Reaktoren, wegfallen wird. Von einer Stromlücke kann gar keine Rede sein." 

biblisa
Ursprünglich sollte das Atomkraftwerk Biblis A nach dem Atomausstiegsgesetz bereits im vergangenen Jahr abgeschaltet werden. Allerdings definierte das Gesetz keine konkreten Abschalt-Termine, sondern so genannte Reststrom-Mengen. Den Betreibern sollte so die Gelegenheit gegeben werden, alte Kraftwerke früher vom Netz zu nehmen und die zugebilligte Reststrommenge auf neuere zu übertragen - die dann länger laufen könnten. Für das Kraftwerk Biblis A wurde damals eine Reststrom-Menge definiert, die bei normalem Betrieb im Februar 2007 aufgebraucht gewesen wäre. Doch da der Reaktor wegen Sicherheitsmängeln seit über einem Jahr stillsteht, hat er aktuell noch ein "Kontingent" von gut 13 Milliarden Kilowattstunden zur Verfügung. Ginge Biblis A sofort wieder ans Netz, könnte das Kraftwerk bis Anfang 2009 laufen. Jeder Monat weiterer Stillstand verlängert also die Frist. 

Ähnlich sieht es mit den beiden anderen Reaktoren aus, die in dieser Legislaturperiode vom Netz sollten. Brunsbüttel sollte demnach  ursprünglich im Februar 2009 abgeschaltet werden, steht allerdings seit der Panne im letzten Sommer still.  Aus heutiger Sicht reicht die Reststrommenge mindestens bis August 2009.  Ebenso kann der Reaktor Biblis B, dessen Ende für Januar 2009 vorgesehen war, seine Stromkontingente nach heutiger Kalkulation bis mindestens September 2009 strecken. 

Die SPD könnte also zur Bundestagswahl mit leeren Händen dastehen. Weshalb der Präsident des Umweltbundesamts, Andreas Troge, schon einmal ins nächste Jahrzehnt blickt. Allerdings droht auch da mit dem Ausstieg keine Stromlücke. "Es wird keine Probleme geben, wenn sich alle an das Energieprogramm der Bundesregierung halten, das eine starke Steigerung der Energieeffizienz vorsieht", sagte Troge. "Falls allerdings die Erzeuger die Verbesserung der Effizienz und den Transport des Stroms aus erneuerbaren Energien bewusst verzögerten, können sie Probleme provozieren", sagte er. 

Foto: privat, Greenpeace

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