Zweifel an Biosprit werden größer
In Europa werden zunehmend Zweifel laut, ob die Förderung von Agro-Kraftstoffen wirklich eine gute Idee für das Klima ist. Die britische Royal Society warnt in einer Studie explizit, einige Arten von Agrosprit würden mehr Kohlendioxid verursachen als herkömmlicher Kraftstoff aus Erdöl. So nütze beispielsweise Palmöl aus Südostasien dem Klima nichts, weil seinem Anbau eine Rodung von Regenwäldern vorangehe, in denen große Mengen Kohlendioxid gebunden seien.

Auch ein interner Bericht der EU-Kommission, über den die Süddeutsche Zeitung am Donnerstag berichtete, stellt den europäischen Agrosprit-Plänen ein vernichtendes Zeugnis aus. Es sei völlig unklar, ob das Ziel, bis zum Jahr 2020 dem Treibstoff zehn Prozent Agrosprit beizumischen, weltweit überhaupt Treibhausgas-Emissionen senke, zitiert das Blatt die Gemeinsame Forschungsstelle der Europäischen Kommission. Arbeitsplätze in Europa entstünden durch das Programm unter dem Strich kaum. Für die europäische Volkswirtschaft könnte sich sogar ein Schaden von bis zu 65 Milliarden Euro ergeben.
EU-Umweltkommissar Stavros Dimas sagte in einem Interview mit dem Londoner Telegraph: "Wir haben gesehen, dass die ökologischen und sozialen Probleme durch Agrosprit größer sind als gedacht." Auf SpiegelOnline stimmte nun auch Markus Söder, Ex-CSU-Generalsekretär und nun bayerischer Europaminister, in den Chor ein: "Es ist ökologischer Unfug, wenn in Brasilien der Regenwald abgeholzt wird, um Autofahrer in Europa mit Agrosprit zu versorgen", so Söder. Einen Anstieg der Treibhausgasemissionen durch Agrosprit "darf es nicht geben".
Laut Süddeutscher Zeitung kommt das Gutachten der EU-Wissenschaftler zu dem Fazit: "Es ist unmöglich zu sagen, ob Agrosprit Treibhausgase spart oder nicht." Der 27-seitige Bericht schließt demnach mit der Empfehlung, Biomasse dort einzusetzen, wo es am effizientesten möglich ist: und zwar nicht in den Verbrennungsmotoren von Autos, sondern in Kraft-Wärme-Kopplungs-Kraftwerken, die gleichzeitig Strom und Wärme produzieren.
klimaretter.info/alf
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