De Boer warnt Deutschland
Die derzeit in Deutschland geplanten neuen Kohlekraftwerke geraten nicht mehr nur unter Umweltschützern immer stärker in die Kritik, sondern auch auf internationaler Ebene: Der Leiter des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte am Rande einer Klimakonferenz im afrikanischen Tunis der tageszeitung: "Ich war sehr beeindruckt, dass sich Deutschland vorgenommen hat, die Kohlendioxid-Emissionen bis 2020 um 40 Prozent zu reduzieren." Doch nun frage er sich "wie dieses Ziel erreicht werden soll, wenn die Regierung 25 Kohlekraftwerke bauen lässt".

Eine Gefehr für deutsche Klima-Bemühungen: Kohlekraftwerke, wie das in Jänschwalde. (Foto: Reimer)
De Boer kritisierte die Versprechen der Energiekonzerne, die durch die Abtrennung von Kohlendioxid in den Kraftwerken und dessen Verpressung in der Erde ("Carbon Capture and Storage", kurz CCS) eine "saubere Kohle" ankündigen. Er glaube nicht an den großtechnischen Einsatz dieser Technologie. Sie werde mit Kosten von 30 bis 50 Europro vermiedener Tonne Kohlendioxid zu teuer - teurer übrigens als viele andere Möglichkeiten der Kohlendioxid-Vermeidung.
Was Umweltbundesamt, Deutsche Umwelthilfe oder auch Greenpeace bereits detailliert vorgerechnet haben - und was Bundesumweltminister Sigmar Gabriel bestreitet - bestätigt nun auch de Boer: "Wenn die Europäische Union den Anteil erneuerbarer Energien wie geplant bis 2020 auf 20 Prozent steigern will, dürfen in der EU ab sofort nur noch Kraftwerke mit erneuerbarer Energie gebaut werden", so der UN-Experte.
Das Umweltministerium argumentiert, viele Vorhaben der Energieversorger würden durch strengere Regeln beim Emissionshandel ohnehin unwirtschaftlich und deshalb abgeblasen. Bis zur nächsten Phase des Emissionshandels ab 2012 werden aber bereits zahlreiche Investitionsentscheidungen gefallen sein.
klimaretter.info/alf
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